Sema-Software

Jessica Stütz,

Dachbau in Uganda mit Software aus Deutschland

Zimmerermeister aus Deutschland unterstützten den Bau eines Daches in Kampala, Uganda, und schulten das Team vor Ort in einer neuen Form des Wand- und Dachstuhlbaus. Techniken der Holzbearbeitung wurden geübt und Wand und Dachteile gemeinsam hergestellt. So können sich örtliche Betriebe neue Aufträge und Geschäftsfelder erschließen. Geplant wurden die Zimmererarbeiten in der Software eines deutschen Anbieters, der die Lizenzen kostenfrei zur Verfügung stellte.

Michael Lenk, Bauunternehmer aus dem vorderen Odenwald und Geschäftsführer des Betriebs Lenk&Dernhoff unterstützte beim Dachbau eines Rohbaus in Kampala

© Michael Lenk, Lenk&Dernhoff, Baubetrieb

2018 war Michael Lenk, Bauunternehmer aus dem vorderen Odenwald und Geschäftsführer des Betriebs Lenk & Dernhoff, auf Einladung des Zentralverbands des deutschen Handwerks und der Gesellschaft internationale Zusammenarbeit (GIZ) zum ersten Mal in Uganda. Dort war er an verschiedenen Projekten beteiligt und übte unter anderem in einer Ausbildungsstätte in Kampala mit Schreinern den Dachstuhlbau. Eine Bekannte aus diesen Projekten fragte ihn dann vier Jahre später, ob er beim Dachbau eines Rohbaus, ebenfalls in Kampala, unterstützen könnte: Es handelte sich dabei um ein von der GIZ gefördertes Qualifizierungsprojekt – gemeinsam mit ugandischen Unternehmen sollten Dachkonstruktionen aus dem deutschen Gewerk Zimmerer gebaut werden.

Das besagte Haus im südlichen Kampala im Stadtteil Kigo liegt an einem Südhang zum Viktoriasee: Obergeschoss und Dach konnten aufgrund ihrer Dimensionen von rund 400 Quadratmetern und einer Spannweite von 16 Metern nicht mit den ortsüblichen Techniken realisiert werden. Mit zwei lokalen Bauunternehmen sollten die Konstruktionen in Zimmerertechnik erstellt werden. „In Uganda werden in der Regel Stammlängen von maximal 3,5 Metern verwendet“, erklärt Lenk. Für kleinere Bauten, Vollhauskonstruktionen, können Steckverbindungen zum Einsatz kommen. Doch für große Dächer reichen diese Dimensionen nicht aus – dann werden Bretter und Bohlen genagelt. Auch das Dach in Kampala sollte mit Lenks Hilfe in der Nagelbinder-Technik gebaut werden.

Anzeige

Das deutsche Softwarehaus Sema stellte auf Anfrage für das Projekt in Uganda Lizenzen zur Verfügung, um Dach und Abbund zu planen

© Michael Lenk, Lenk&Dernhoff, Baubetrieb

Software für Planung und Abbund

Projektbeteiligter und Zimmerermeister Markus Endres schlug als Software für das Projekt Sema vor: Das deutsche Softwarehaus stellte auf Anfrage für das Projekt in Uganda Lizenzen zur Verfügung, um Dach und Abbund zu planen. Sema dient dabei als Schnittstelle für Planer und das ausführende Handwerk. „Die Software zeichnet sich durch die Möglichkeiten der 3D-Darstellung aus, die anderen Programmen überlegen ist“, schildert Lenk. „Zwar waren zu Beginn mehrere Tools im Gespräch gewesen, darunter auch eine freie CAD-Lösung, doch diese bot bei Weitem nicht die Funktionalitäten.“

Die Herausforderung im Projekt bestand in den zahlreichen Holzbauteilen. „Mit Sema kann man die Planung wunderbar erstellen und besprechen: So lassen sich beispielsweise Stäbe oder Hölzer herausnehmen und im Raum drehen“, erklärt Lenk. Auf diese Weise entstand für alle Mitarbeiter eine genaue Vorstellung, welche Latten oder Holzformen hergestellt werden sollten. Diese gute Visualisierung war wichtig, um mit mehreren Beteiligten am Projekt arbeiten zu können. Auch für die Schulung der ortsansässigen Handwerker war die visuelle Veranschaulichung ein zentraler Punkt: Sie half, die Anforderungen zu verstehen und sie umzusetzen. So konnte der gesamte Dachstuhl bis zur Fertigung geplant werden.

Die Projektteilnehmer lernten den Umgang mit den Maschinen, das Einrichten der Baustelle, Verbindungstechniken und Montage

© Michael Lenk, Lenk&Dernhoff, Baubetrieb

Die Unterstützung des Bauprojekts in Kampala erfolgte in einer Online-Phase und zwei Vor-Ort-Terminen im März und August 2022. Es war schnell klar, dass eine Online-Schulung allein nicht ausreichen würde. „Details lassen sich zwar online besprechen, aber die Grundlagen muss man zusammen vor Ort erarbeiten. Man muss zusammen auf dem Reißboden Holz verbinden und montieren“, erklärt Michael Lenk. 

Tagsüber arbeitete man gemeinsam auf der Baustelle, abends wurde Sema in Sessions mit Vorarbeitern und Betriebsinhaber genutzt, um sich die Arbeitsschritte im Rückblick anzusehen und die nächsten zu besprechen. Gleichzeitig schulte Lenk das ugandische Team in der Software. Zehn bis 14 Personen waren auf der Baustelle aktiv – Mitarbeiter der Bauunternehmen, des Ausbildungszentrums und Unternehmer. Sie alle kamen aus dem Bereich der Holzverarbeitung, die in Uganda aber vielfältig angelegt ist: Sie beinhaltet unter anderem Forstwirtschaft, Tischlerei, Schalungsbau, Möbelbau und Zimmerei. Die Vorbildung des Teams war deshalb sehr unterschiedlich – manche waren im Umgang mit Handmaschinen geübt, andere eher mit mobilen Sägen aus der Forstwirtschaft.

Konstruktion für Wand und Dach - gemeinsam geplant und ausgeführt

© Michael Lenk, Lenk&Dernhoff, Baubetrieb

Michael Lenks Ziel bestand darin, die für Uganda neue Technik der Zimmerei und die damit verbundene Konstruktion für Wand und Dach gemeinsam mit dem Team zu planen und ihre Ausführung zu üben. Der Grund dafür war, dass der Holzwandbau eine schnelle Möglichkeit zur Wandherstellung darstellt. Zudem werden im Dachbereich große Variationsmöglichkeiten in der Dachneigung, im Gaubenbau und in der Nutzbarmachung des ganzen Dachgeschosses möglich. 

Die Projektteilnehmer lernten den Umgang mit den Maschinen, das Einrichten der Baustelle, Verbindungstechniken und Montage. Gemeinsam wurde gesägt, gemessen, geschraubt und genagelt. Eine Herausforderung stellte die Organisation auf der Baustelle da – Teambildung, die Verwaltung der Werkzeuge und des Materials und die Herstellung von Hilfsmitteln wie Böcken, Arbeitsflächen und Reißboden musste auf die Beine gestellt werden. Dort werden die Teile abgetragen, hergestellt und zugeschnitten, auf die Schablone gelegt und verbunden, was alles mit Sema geplant und vorbereitet wurde. Bei der Montage musste ein Teilnehmer das Kommando übernehmen, was zunächst eher zögerlich geschah. Für den Erfolg war es außerdem wichtig, Werkzeuge und Montagemittel zur Verfügung zu stellen bzw. zu überlassen, vor allem Schrauben. Der Dachstuhl wurde von den Beteiligten vor Ort in selbständiger Weiterarbeit fertiggestellt - flankiert durch Online-Besprechungen und steten Kontakt. 
 

Ausblick

Das Projekt trägt bereits Früchte: Michael Lenk wollte die Bauweise so unterrichten, dass sie in das Portfolio von ugandischen Unternehmen übergehen kann und diese sich damit neue Geschäftsfelder erschließen können. Das hat funktioniert: Die involvierte Firma hat in der Zwischenzeit bereits selbständig einen Auftrag für einen Dachstuhl angenommen. Außerdem wird sie künftig Pavillons mit einem Durchmesser von sechs bis acht Metern anbieten, die als Nagelbinderkonstruktion gefertigt werden. Das Ugandische Unternehmen hat sich dadurch ein zusätzliches Standbein und ein Alleinstellungsmerkmal aufgebaut: als einziger Betrieb vor Ort, der dazu in der Lage ist. Auf dem Betriebsgelände ist dafür ein Anschauungspavillon entstanden. 

Für die schnelle Fertigung und Lieferung unterstützte Lenk bei der Organisation des Betriebsgeländes. Angedacht ist aktuell eine Zusammenarbeit von ugandischen Ausbildungseinrichtungen, ugandischen und deutschen Unternehmen sowie einer deutschen Handwerkskammer. „Möglicherweise“, so Lenk, „wird in Kampala sogar die Ausbildung zum Zimmerer eingerichtet.“ Weitere Ideen sind unter anderen der Mitarbeiteraustausch sowie eine dauerhafte Unterstützung bei Planung, Kalkulation und technischen Detailfragen.
 

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren