CO2-Ausstoß
Die Roadmap zum klimaneutralen Betrieb
Wie digitale Technologien dabei helfen, beschreiben Dr.-Ing. Martina Schneller, Laura Antonia Herzmann und Robert Falkenstein.
Für Handwerksbetriebe gibt es gute Gründe den Treibhausgas-Ausstoß zu verringern, um konkurrenzfähig zu bleiben, die eigenen Kosten zu senken und die Umwelt zu schonen. So können Sie prüfen, wie gut Sie aufgestellt sind, wie und warum Sie einen eigenen Klimaschutzfahrplan aufstellen sollten.
Ohne Beteiligung des Handwerks mit seinen rund 1 Million Betrieben ist Treibhausgasneutralität in Deutschland bis 2045 kaum vorstellbar. Das Bundesklimaschutzgesetz fordert, dass bis zu diesem Zeitpunkt ein Gleichgewicht zwischen Treibhausgas-Emissionen und deren Abbau herrschen muss. Alles weit weg? Nicht wirklich. Denn bereits 2030 soll dieses Ziel zu mindestens 65 % erreicht sein. Wie groß Ihr Beitrag ist, können Sie mit dem Nachhaltigkeits-Piloten Nachhaltigkeits-Piloten herausfinden.
Das Ziel 13 der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen lautet "Maßnahmen zum Klimaschutz" (Abb. 1). In Deutschland wurde dieses Ziel mit dem Bundesklimaschutzgesetz 2019 im deutschen Recht verankert. Doch bisher fehlen konkrete gesetzliche Vorgaben zur praktischen Umsetzung in den Betrieben. Betriebe müssen also ihren eigenen Weg finden.
Beispiele für betriebliche Klimaschutzmaßnahmen gibt es viele. Anreize durch spezielle Förderungen oder Einsparpotenziale ebenfalls. Was Betrieben oft fehlt, ist eine Auseinandersetzung mit der Frage, welche Maßnahmen für den eigenen Betrieb am besten geeignet sind. Um diese Frage zu klären, sollten Betriebe einen individuellen Klimaschutzfahrplan ausarbeiten, der aufzeigt, wie sie Klimaneutralität erreichen können. Je nach Gewerk, individuellen Anforderungen und notwendigen Maßnahmen kann ein solcher Fahrplan einfach, aber auch komplex sein. Betriebe erreichen Klimaneutralität durch zwei grundlegende Maßnahmen.
Zum einen gilt es, wo immer möglich, umweltschädliche Emissionen zu reduzieren, die etwa durch fossile Energieträger, lange Transportwege oder unsachgemäßes Abfallmanagement entstehen. Emissionen lassen sich jedoch nicht in immer auf "Null" senken, zum Beispiel wenn noch keine klimafreundliche Alternativ-Technologie vorhanden ist.
Emissionen, die unvermeidbar sind, müssen daher ausgeglichen werden. Das geschieht zum Beispiel durch die Unterstützung von Projekten, die Umweltschäden reduzieren.
Die Roadmap zum klimaneutralen Betrieb
Die folgende Roadmap (Abb. 2) können Sie nutzen, um einen Klimaschutzfahrplan für den eigenen Betrieb aufzustellen.
Schritt 1: Ausgangssituation analysieren
Der erste Schritt besteht darin, die Ausgangssituation zu bestimmen und den gesamten Energieverbrauch des Betriebs zu ermitteln. Energieverbraucher sind beispielsweise Öfen, Kraftfahrzeuge, Heizungen, aber auch Maschinen, Klimaanlagen und die Beleuchtung. Anschließend wird festgehalten, welche Energieträger zum Einsatz kommen, beispielsweise fossile Energieträger, die verbrannt werden, oder elektrische Energie.
Organisieren Sie am besten einen Workshop mit Ihrem Team und sehen Sie sich alle Prozesse im Betrieb genau an. Wo wird Energie zurzeit verschwendet? Wo kommen umweltschädliche Energieträger zum Einsatz? Stellen Sie anschließend die Fragen: Wo kann Energie gespart werden? Wo können alternativ umweltfreundliche Energieträger genutzt werden, die den CO2-Ausstoß reduzieren? Bei der Erfassung sämtlicher Energiedaten kann das bewährte "Energiebuch" unterstützen, das online als "Energiebuch E-Tool" kostenfrei genutzt werden kann.
Schritt 2: Klimaschutzfahrplan aufstellen
Nun geht es darum, einen Klimaschutzfahrplan für den Betrieb aufzustellen, bei dem kurz-, mittel- und langfristige Ziele und Maßnahmen konkret aufgeschlüsselt werden.
Zunächst sollten Betriebe dazu übergehen, neue und bestehende Geschäftsmodelle, Investitionen und Partnerschaften nicht allein auf Basis der Wirtschaftlichkeit zu bewerten. Gleichzeitig sollte die Klimaneutralität berücksichtigt werden. Bei der Suche nach neuen Lieferanten könnten regionale und nachhaltig handelnde Unternehmen bevorzugt werden.
Eine zweite Möglichkeit sind organisatorische Maßnahmen, wie:
- Verbesserungen der betrieblichen Arbeitsabläufe und Prozesse
- Reduzierung von Verbrauchsspitzen bei Strom und Gas
- Optimierte Tourenplanung für Kundenbesuche
- Maßnahmen zur Steigerung der Motivation und Qualifizierung der Mitarbeitenden zum Thema Klimaneutralität
- Nachhaltige Unternehmens-Benefits wie. ÖPNV-Tickets oder Diensträder
Eine dritte Option sind technische Maßnahmen wie:
- Effiziente Beleuchtungsanlagen, z. B. Umrüstungen von Hallenstrahlern auf LED-Beleuchtung
- Abwärmenutzung
- Einsatz verbrauchsarmer Fahrzeuge
- Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung
- Nutzung erneuerbarer Energiequellen
- Dämmung der Gebäudehülle, Erneuerung von Fenster- und Torsystemen
Schritt 3 und 4: Umsetzung und kontinuierliche Überwachung
Im dritten Schritt werden die identifizierten Maßnahmen priorisiert und umgesetzt. Maßnahmen, die mit wenig Aufwand den größten Effekt erzielen, werden dabei zuerst angegangen. Tipp: Beantragen Sie finanzielle Mittel bei Förderprogrammen, die Maßnahmen zur Energie- und Ressourceneffizienz oder zum Klimaschutz unterstützen. Orientieren Sie sich bei den Anpassungen in Ihrem Unternehmen außerdem an bestehenden Normen zum Umwelt- und Energiemanagement.
Der vierte Schritt besteht in einer kontinuierlichen Überprüfung des Fortschritts bei der Umsetzung der geplanten Klimaschutzmaßnahmen. Hierbei hilft erneut das "Energiebuch E-Tool", um Veränderungen des Energieverbrauchs und die Wirksamkeit der Maßnahmen nachvollziehen zu können. Generell sollte der Klimaschutzfahrplan des Betriebs regelmäßig überprüft und bei Bedarf nachjustiert werden. Bei zukünftigen Entscheidungen sollte das Thema Klimaneutralität stets mitgedacht werden.
Freuen Sie sich auf die nächste Ausgabe, in der zeigen wir Ihnen, wie weitere digitale Technologien Sie auf dem Weg zum klimaneutraleren Betrieb unterstützen können.
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 04_2024.













