Digitalisierung im Baugewerbe:
KI gegen Arbeitskräftemangel
Der Arbeitskräftemangel betrifft alle Branchen gleichermaßen, wobei gerade das Handwerk auf freie Hände angewiesen ist. Wenn diese jedoch in ineffizienten, zeitintensiven Prozessen gebunden sind, eröffnen sich allerhand Probleme. Künstliche Intelligenz kann hier unterstützen.
Künstliche Intelligenz (KI) bringt einen großen Umschwung in die Arbeitswelt, wie vorher zuletzt das Internet selbst. Gerade die ständige Datenflut, die alltäglich auf uns einprasselt, kann durch den Einsatz von KI-Werkzeugen intelligent vorgefiltert und ausgewertet werden, sodass wir uns wieder auf Kernaufgaben konzentrieren können.
Künstliche Intelligenz – ein Blick unter die Motorhaube
Künstliche Intelligenz steckt schon in unzähligen Anwendungen unseres Alltags. Wegefindung in der Navigation, Einkaufsempfehlungen in Onlineshops, vielleicht sogar schon der ein oder andere Sprachassistent zu Hause oder im Auto. Doch was steckt dahinter und wie funktioniert sie?
Künstliche Intelligenz (KI) ist der Oberbegriff für eine Form der Computertechnologie, die Maschinen die Fähigkeit gibt, Aufgaben auszuführen, die normalerweise menschliches Denken erfordern würden. Zu diesen Aufgaben gehören Dinge wie das Verstehen von Sprache, das Erkennen von Bildern und Mustern aber auch das Lösen komplexer Probleme.
Im Kern basiert KI auf Algorithmen, also eindeutige Handlungsvorschriften zur Lösung eines Problems oder einer Klasse von Problemen. Klassische Algorithmen bestehen aus endlich vielen, vordefinierten Einzelschritten. Der entscheidende Unterschied bei KI-Algorithmen liegt jedoch in ihrer Fähigkeit "zu lernen" und sich zu verbessern. Während ein herkömmlicher Algorithmus konstant bleibt und immer gleich arbeitet, kann eine KI ihre Algorithmen verbessern, indem sie aus Erfahrungen, Daten oder der Interaktion mit seiner Umgebung lernt und so flexibel angepasste Fertigkeiten bietet.
KI-Nutzung im Handwerk
Oft sind es spezifische Aufgaben, eine Routine oder Kleinigkeiten, die jede Menge Kapazität binden, die in wichtigeren Aufgaben gebraucht wird. Und gerade spezifische, klar definierbare Regelwerke lassen sich algorithmisch zerlegen und in KI-Systeme umsetzen. Ein Beispiel für eine dieser zeitfressenden Kleinigkeiten ist das Telefon, das immer dann klingelt, wenn man gerade beschäftigt ist oder sich konzentrieren möchte. Ein KI-gestützter Anrufbeantworter kann hier eine Erreichbarkeit rund um die Uhr aufrecht erhalten und im Gegensatz zu den blechernen alten Systemen auch in natürlicher Sprache mit den Kunden kommunizieren. Die üblichen Fragen zu Produkten, Terminvereinbarungen, Rückmeldungen auf eine Nachricht – all das kann automatisiert werden. Inhalte werden von der KI übersichtlich zusammengefasst, sodass keine Informationen verloren gehen und Dinge dann abgearbeitet werden können, wenn es keine wichtigeren Prozesse unterbricht.
Doch hier fängt der spannende Teil erst an: Durch die rapiden Entwicklungen in der KI-Technologie, die gerade in den letzten Monaten an Beispielen wie ChatGPT recht populär geworden sind, eröffnen sich noch unzählige weitere Anwendungsmöglichkeiten, die den Handwerksalltag erleichtern können. Unter den richtigen Bedingungen können KI-Werkzeuge dazu verwendet werden, Dokumente detailliert zu analysieren und die darin enthaltenen Informationen per Chatdialog abzurufen.
Etwa die Betriebsanleitungen sämtlicher Maschinen und Anlagen, die von einem Unternehmen gewartet werden. Mitarbeiter könnten mithilfe eines solchen Systems gezielt nach spezifischen Informationen suchen und bekommen schnell und präzise Antworten. Dies spart nicht nur Zeit, sondern steigert auch die Prozesssicherheit. Auch im Bereich maschinelles Sehen gibt es große Fortschritte. Angefangen bei einfachem Zählen von Gegenständen auf Bildern – beispielsweise um die Mengen von angeliefertem Material oder Lagerbeständen per Knopfdruck zu bekommen. Auch eine Baufortschrittsplanung kann per visueller Kontrolle durch eine KI erfolgen, indem Tätigkeiten auf der Baustelle mit einem angelegten Projektplan abgeglichen wird. Das ermöglicht das frühzeitige Erkennen und Beheben von Problemen, vielleicht sogar in Kombination mit einem Prognosesystem, welches den geplanten Projektfortschritt mit Lieferzeiten, Wetter und anderen Faktoren flexibel anpasst.
Überall, wo große Datenmengen auf hohe Komplexität treffen, kann uns eine KI also helfen, diese Daten wieder auf ein menschlich verarbeitbares Maß zu reduzieren, sodass wir bessere Entscheidungen treffen können. Im Zusammenspiel mit Smart-home-Systemen, vernetzter Sensorik und öffentlich verfügbaren Daten wie dem Wetter hat KI also einen Anknüpfungspunkt, in dem auch für neue Geschäftsmodelle großes Potential steckt.
Wie finde ich passende Lösungen?
Viele moderne Software- und Hardwarelösungen – auch die, die für Handwerksbetriebe konzipiert sind – integrieren bereits KI-Funktionen. Generell kann man zwischen einzelnstehenden, kleineren Lösungen, an bereits vorhandene Software angedockte KI-Module und völlig neuen KI-Anwendungskonzepten unterscheiden. Aufgrund der steten Neuveröffentlichungen von KI-basierten Werkzeugen, kann eine herkömmliche Internetrecherche schnell überwältigend sein. Zum Glück existieren spezialisierte Webseiten, um KI-Lösungen zu finden. Diese Portale bieten verschlagwortete Übersichten und kurze Beschreibungen der jeweiligen Werkzeuge. Das faszinierende Thema Künstliche Intelligenz haben wir hier nur angerissen. In den nächsten beiden Teilen dieser Serie werden wir uns weiteren wichtigen Aspekten widmen. Seien Sie gespannt auf die nächste Ausgabe, in der wir uns mit Daten, dem Herzstück der KI, beschäftigen und aufzeigen, wie diese für den effektiven Einsatz von KI strukturiert sein müssen.
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 12_23.













