Digitale Transformation

Dr. Martina Schneller,

Welche Soft- und Hardware ist die richtige?

Eine Frage, die dem Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk (MDZH) häufig gestellt wird und auf die es keine einfache Antwort gibt, so Martina Schneller und Eva Lomme vom MDZH in diesem Gastbeitrag. Denn dies sei ungefähr so schwierig, als wenn man fragen würde: Welche Gebäude können Sie mir für mein Grundstück empfehlen? Das bedeutet, dass die vorhandenen Gegebenheiten bekannt sein müssen, damit das richtige Produkt ausgewählt werden kann.

Der Weg der Veränderung durch das Tal der Tränen zum Erfolg. © Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk

Für eine Soft- und Hardwarelösungen sind dies Gegebenheiten, wie:

  • Arbeitsabläufe im jeweiligen Betrieb – hier sind die vielen „W-Fragen“ zu beantworten: Wer macht wann, was, warum, wie und mit welchem Werkzeug?
  • vorhandene Infrastruktur: bereits vorhandene Hard- und Software und die Möglichkeiten, diese mit neuen Werkzeugen zu verbinden, so dass auch eine Durchgängigkeit der Daten sichergestellt wird.
  • Aufgaben, die digital erledigt werden sollen: Also welche Prozesse und Handlungsfelder sollen abgearbeitet werden?

Nicht zu vergessen sind die Kompetenzen der Mitarbeitenden. Die vorhandenen Kompetenzen können Sie nutzen, um gemeinsam eine Strategie für den Betrieb aufzusetzen. Neue notwendige Kompetenzen ergeben sich aus den Lösungen. Da für ein neues Werkzeug meist auch neue Kompetenzen erforderlich werden, um dieses zielgerichtet und problemfrei – insbesondere im Kundenkontakt  – einsetzen zu können. So werden auch die Akzeptanz und der Einsatz der neuen Werkzeuge sichergestellt. Denn sind wir mal ehrlich, würden Sie ein Werkzeug nutzen, mit dem Sie nicht sicher umgehen können? Und im schlimmsten Fall vor einem Dritten wie ein „Trottel“ dazustehen? Gut für das Unternehmen wäre es auch nicht, wenn der Mitarbeitende beim Kunden den Eindruck erweckt, er wüsste nicht, was er tut. Leider ist dies aber wiederum der häufigste gemachte Fehler. „Learning by doing“ ist erst ein guter Weg, wenn der Weg dafür geebnet wurde.

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Auch wenn Sie alles bedacht haben, ist die Einführung einer neuen Lösung ein Weg, der Schritt für Schritt gegangen werden muss. Leider muss ich Ihnen sagen, dass sich das Tal der Tränen (Abb. S. 38) nicht ganz vermeiden lässt. Aber lassen Sie sich nicht entmutigen: Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“, und auch wenn der Weg beschwerlich ist, halten wir gern an alten – wenn auch schlechten – Routinen fest. Und so stoßen wir immer an den Punkt, wo wir uns fragen, warum wir die Änderung überhaupt vornehmen. Aber: Wir können durch eine gute Vorbereitung die Täler im Veränderungsprozess weniger tief werden lassen und so schneller den Gipfel erklimmen.

Aber wie? Jede Veränderung beginnt mit einer Strategie. Um die richtige Digitalisierungsstrategie für Ihren Betrieb zu finden, starten Sie am besten mit einer Prozessanalyse. Dafür müssen Sie und Ihr Team sich als Erstes die Frage stellen: „Wie sieht der aktuelle Prozess aus?“. Sie erinnern sich, die Lösung muss immer zu den vorhandenen Gegebenheiten passen. Diese Gegebenheiten sind zuerst einmal Ihre Arbeitsabläufe (Prozesse) im Unternehmen. Und diese helfen nicht weiter, wenn sie nur in einem Kopf vorhanden sind – sie müssen für die Lösungsanbieter verständlich und transparent sein. Zur Aufnahme der Prozesse hilft Ihnen ein Prozessaufnahmebogen und zur Visualisierung kann ein BPMN-Programm hilfreich sein. Das klingt nur im ersten Moment komplex. Schauen Sie in den Digitalisierungspfad – Kapitel 2 „Beobachten“ führt Sie Schritt für Schritt durch die Aufgaben und bietet neben den oben genannten Hilfsmitteln auch Vorlagen zur BPMN-Modellierung (Link über den QR-Code). Damit können Sie den aktuellen Prozess transparent für alle darstellen und müssen keine Papierordner durchforsten, denn mit der Modellierung ist der Prozess einfach zu lesen.

Nach der Prozessaufnahme und Visualisierung folgt die Prüfung der Ist-Prozesse hinsichtlich Schwachstellen und Verbesserungspotentialen. Zur Identifikation von Verbesserungspotentialen können Sie sich Fragen stellen, wie:

  • Wird das Personal richtig in den Prozess integriert bzw. werden die Aufgaben vom Personal richtig ausgeführt?
  • Ist diese Vorgehensweise des Prozesses sinnvoll?
  • Wie werden Informationen weitergegeben?
  • Werden IT-Systeme passend eingesetzt?

Es können drei Kategorien unterschieden werden, in denen Sie Schwachstellen identifizieren können:

1. Prozessqualität: Erfüllt der Prozess seinen Zweck, sodass das Prozessziel erreicht wird? Überprüfen Sie den Prozess vor allem auf Fehlerraten, Ausschuss, Störanfälligkeit, Ausfallrisiken.

2. Prozesszeit: Wie ist die Durchlaufzeit des Prozesses und welchen Zeitbedarf nehmen einzelne Prozessschritte ein? Prüfen Sie den Prozess vor allem auf die Bearbeitungszeit, Transportzeit, Liegezeiten, Wartezeiten, Rüstzeiten oder auch mangelhafte Termintreue.

3. Prozesskosten: Wie verhalten sich die mit dem Prozess verbundenen Kosten? Berücksichtigen Sie hier vor allem die Kosten für Personal, Maschinen, Fehlerraten, Effizienzgrade, Energie- und Materialverbrauch, Wartungsbedarf und Flächen.

Zur Entwicklung einer Strategie gehört auch, dass Sie sich im Prozess die Stellen markieren, an denen die Informationen bereits digital fließen – also von einer zur anderen Lösung ohne eine erneute Eingabe übergeben werden. Und in diesem Zuge auch: Wo kann der digitale Informationsfluss verbessert werden? Wichtig für eine digitale Lösung ist, dass Sie genau wissen, welche Informationen von einem zum anderen System übergeben werden müssen, damit alles ohne Schnittstellenprobleme läuft.

Nun haben Sie schon einen großen Schritt gemacht. Mit den visualisierten Prozessen und den zusätzlichen Informationen kann auch ein Dritter Ihren Betrieb und die Abläufe verstehen. Er kann sehen, wie alles ineinandergreift und welche Daten beziehungsweise Informationen von einer zur anderen Lösung übergeben werden müssen. Denn eins ist sicher, es gibt nicht ein digitales Werkzeug, das alle Funktionen abdecken wird. Wir sprechen immer von mehreren Lösungen, die miteinander kombiniert werden müssen – so wie es auch bei anderen Werkzeugen der Fall ist.

Nun haben wir hier die Frage „Welche Software ist die richtige?“ noch nicht beantwortet. Aber wir sind der Antwort einen Schritt näher gekommen. Gern können Sie schauen, welche Optionen es für die Glaserei Durchsichtig gab – diese finden Sie im Digitalisierungspfad, Kapitel 5 „Lösung identifizieren“ (QR-Code). In der nächsten Ausgabe beschäftigen wir uns damit, wie Sie Ihren Handlungsbedarf entdecken können. Bis dahin viel Spaß bei der Aufnahme der Ist-Prozesse, der Identifikation von Schwachstellen und Verbesserungspotenzialen. Zusammen mit dem Handlungsbedarf und den Herausforderungen sind Sie auf dem besten Weg zu Ihrer Strategie. Und wie immer gilt: Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, kommen Sie auf mich zu. Dafür sind wir da, das Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk.

Das MDZH setzt diesen Informationsbeitrag fort. Dr.-Ing. Martina Schneller, Eva Lomme, Mittelstand-Digital-Zentrum Handwerk

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