Interview des Monats
"Der Holzbau hat hervorragende Chancen, langfristig konkurrenzfähig zu bleiben"
Beim Cafe Härdtner zeigen sich einmal mehr die Qualitäten des modernen Ingenieurholzbaus. Wie viel Potenzial noch in dieser Bauweise steckt, das wollte mikado von Jörg Schaffitzel, Geschäftsführer der Schaffitzel Holzindustrie GmbH & Co. KG, wissen.
mikado: Ist der Holzbau bereits vollumfänglich im baulichen Mainstream angekommen, oder gibt es noch Luft nach oben, und wenn ja, wo und wie vermag er dorthin zu gelangen?
Jörg Schaffitzel: Der moderne Ingenieurholzbau hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen und ist in vielen Bereichen des Bauwesens fest etabliert. Projekte wie das Café Härdtner demonstrieren eindrucksvoll die ästhetischen und technischen Möglichkeiten des Holzbaus. Die Kombination aus Nachhaltigkeit, hoher Tragfähigkeit und architektonischer Flexibilität macht Holz zu einem bevorzugten Material in der zeitgenössischen Architektur. Es zeigt sich ja durchaus ein positiver Trend und die Holzbauquoten nehmen zu. Dennoch gibt es noch erhebliches Potenzial, insbesondere im Brücken- und Hallenbau. Traditionell dominieren hier Materialien wie Stahl und Beton. Holzbrücken machen derzeit nur einen geringen Anteil am gesamten Brückenbestand in Deutschland aus. Daher ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.
Die Bauwirtschaft erlebt gerade in Deutschland und gar europaweit turbulente Zeiten, mit dem gut aufgestellten Holzbau mittendrin. Ihr Betrieb ist z.B. als BSH-Produzent und Verkleber von Sonderholzarten, oder im Bereich Brücken- und Hallenbau, mehrkanalig aufgestellt. Ist das der entscheidende Vorteil, um die Delle unbeschadet zu überstehen?
Jörg Schaffitzel: Die Bauwirtschaft leidet derzeit sehr stark. Der Holzbau zeigt sich im Vergleich zu anderen Bauweisen allerdings als robust. Unsere breite Ausrichtung – als BSH-Produzent, im Verkleben von Sonderholzarten sowie im Brücken- und Hallenbau – verschafft uns hier zusätzliche Stabilität. Jedoch hatten wir trotz schwacher Baukonjunktur eine ähnliche Verteilung in den Geschäftsfeldern bei gleichbleibender Auslastung. Unsere Diversifizierung hilft generell, flexibel unsere Kapazitäten zu nutzen.
Der private Wohnungsbau lahmt derzeit, während der geförderte öffentliche Bau noch dynamisch unterwegs ist. Läuft am Ende alles auf eine eigene Fördermittelakquise der Holzbaubranche hinaus, oder können auch noch frei finanzierte Projekte am Markt der Zukunft Bestand haben?
Jörg Schaffitzel: Der private Wohnungsbau schwächelt derzeit, während der geförderte öffentliche Bau weiterhin Wachstum zeigt. Für die Holzbaubranche bedeutet dies, dass Fördermittel zwar zunehmend an Bedeutung gewinnen, um Projekte voranzutreiben und im öffentlichen Bereich stärker Fuß zu fassen. Trotzdem bleibt auch der frei finanzierte Markt zukunftsfähig, denn Holz ist nicht nur ein nachhaltiger, sondern auch ein wirtschaftlicher Baustoff. Seine Langlebigkeit, kurze Bauzeiten und die positive Energiebilanz tragen dazu bei, dass sich eine Investition in Holzbau auch ohne Fördermittel amortisieren kann. Mit innovativen, kosteneffizienten Bauweisen und hoher Qualität hat der Holzbau somit auch im privat finanzierten Bereich hervorragende Chancen, langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.
Im Jahr 2020 wurden gewaltige Mengen an deutschem Käferholz um die halbe Welt nach China verfrachtet. Wie stehen Sie der Nutzung von Käfer- oder auch Bläueholz gegenüber?
Jörg Schaffitzel: Käferholz weist zwar Farbveränderungen auf und kann durch Bläuepilze optisch unschön sein, ist aber in seiner Struktur noch stabil. Daher ist konstruktive Nutzung gar kein Problem und kann für eine Vielzahl von Bauanwendungen genutzt werden. Gemäß Brettschichtholz-Merkblatt der Studiengemeinschaft Holzleimbau e.V. dürfen Verfärbungen infolge Bläue unbegrenzt in einer Industriequalität enthalten sein. Bei einer Sichtqualität hingegen dürfen diese Verfärbungen maximal 10 % der sichtbaren Oberfläche betragen. Durch eine gute Materialauswahl, gut geschulte Mitarbeiter und eine gute Materialdisposition achten wir auch bei der Herstellung von Industriequalität auf hohe optische Qualität.
In 2023 und 2024 haben Sie sowohl Abbund- als auch bei den Büroflächen erweitert und damit zugleich in Menschen und Maschinen investiert. Können Sie den personellen Bedarf an Fachplanern und Zimmerern aus der Region decken, oder geht der langfristige Trend eher in Richtung eines weiteren Ausbaus des Maschinenparks, um den Grad der Vorfertigung weiter zu erhöhen?
Jörg Schaffitzel: Unsere Investitionen sind ein klares Bekenntnis zum Handwerk, Personal und zu den Menschen. Maschinen sind unterstützende Werkzeuge – wir setzen bewusst auf die Stärke unserer Fachkräfte, denn sie bringen das Wissen und Können mit, das durch keine Technologie ersetzt werden kann. Dennoch können wir den Fachkräftemangel nicht außer Acht lassen und müssen uns mit maschinellen Investitionen auseinandersetzen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Maschinelle Erweiterungen können aber auch helfen die Attraktivität unserer Arbeitsplätze zu steigern - moderne Technologien bieten die Möglichkeit, monotone oder körperlich belastende Aufgaben zu reduzieren, sodass sich unsere Fachkräfte auf anspruchsvollere und kreativere Aufgaben konzentrieren können. Trotz des technologischen Fortschritts, bleibt der Faktor Mensch für uns im Fokus. Die Qualität unserer Arbeit beruht auf der Erfahrung und dem handwerklichen Geschick unserer Mitarbeiter. Die Expertise unserer Fachleute bleibt die wichtigste Grundlage für unseren Erfolg.
Das Interview führte Marc Wilhelm Lennartz für mikado









