Recycling-Baustoff: Neue Flachdach-Dämmplatte aus PET-Flaschen

Jessica Stütz,

»Unser großer Vorteil ist die Nachhaltigkeit.«

Beim Bau von Gebäuden wird immer häufiger versucht, die Baustoffe so zu verarbeiten, dass sie später beim Rückbau wieder sortenrein getrennt und recycelt werden können. Um die Umweltfreundlichkeit dieses Ansatzes zu steigern, bieten sich Bauteile aus gut verfügbaren Recyclingstoffen an – wie die Flachdach-Dämmplatten der Pflüger TOB GmbH, die aus PET-Flaschen hergestellt werden.

Ulli Pflüger ist der geschäftsführende Gesellschafter der Pflüger TOB GmbH und beschäftigt derzeit 50 Mitarbeiter

© Pflüger TOB GmbH

dachbaumagazin: Herr Pflüger, wie ist Ihnen die Idee gekommen, aus PET-Flaschen Dämmplatten fürs Flachdach zu produzieren?

Ulli Pflüger: Wir haben die Recyclingprodukte aus PET-Flaschen schon seit Gründung der Pflüger TOB GmbH im Jahr 2014 bei anderen Produkten im Einsatz, ursprünglich wurden daraus vor allem die Wandungen der Rotorblätter von Windkraftanlagen hergestellt. Das Problem war lange Zeit, Platten mit niedrigen Dichten herzustellen, die für die Dämmung von Flachdächern geeignet sind. Statt Dichten von 100 bis 200 kg/m2 können wir nun Platten mit 48 kg/m2 produzieren und sind seit 2022 mit unserer Flachdachdämmung auf dem Markt. Der große Vorteil ist die Nachhaltigkeit: Die Platten haben ein um 83 Prozent geringeres Global Warming Potential (GWP) als EPS-Dämmplatten, was wir durch entsprechende EPDs auch seriös und nachvollziehbar beweisen können. Preislich sind wir allerdings in einer anderen Liga als EPS unterwegs und deswegen vor allem für Planer und Bauherren interessant, die für diese Nachhaltigkeit auch mehr Geld investieren wollen.

dachbaumagazin: Wie werden aus leeren PET-Flaschen neue Dämmplatten?

Ulli Pflüger: Die Flaschen werden europaweit gesammelt und dann im ersten Schritt zu sogenannten »Flakes« zerkleinert. Diese werden anschließend zu Granulat weiterverarbeitet, woraus dann im Extruder unter Beigabe eines Aufschäummittels der Dämmstoff entsteht. Zum Schluss durchläuft das Material noch eine Kühlstrecke und wird auf das gewünschte Maß formatiert.

dachbaumagazin: Welche Eigenschaften haben diese Dämmplatten?

Ulli Pflüger: Sie haben eine hohe Druckfestigkeit von 165 kPA, eine sehr geringe Wasseraufnahme, einen konstanten Lambda-Wert über die gesamte Lebensdauer sowie das bereits erwähnte, sehr niedrige GWP.

»Unsere Dämmplatten haben ein um 83 Prozent niedrigeres GWP als EPS.«

dachbaumagazin: Für welche Einsatzbereiche ist das Produkt geeignet?

Ulli Pflüger: Momentan haben wir Platten für die normale Flachdachdämmung sowie eine Gefälledämmung im Angebot. In diesem Jahr werden Dämmplatten für Umkehrdächer dazukommen, und in der Zukunft ist auch eine Perimeterdämmung geplant.

dachbaumagazin: Wie sieht es mit dem späteren Recycling der Recycling-Platten aus?

Ulli Pfüger: Auch wenn wir jetzt gerade erst die ersten Flachdach-Dämmplatten in der Praxis verbaut haben, haben wir natürlich auch schon an Rückbau und Recycling gedacht: Gebrauchte Platten werden von uns zurückgenommen, granuliert und zu neuem Dämmstoff verarbeitet, wie wir es derzeit übrigens auch schon mit den Produktionsresten machen. Der technische Prozess fürs Recycling steht also. Es gibt aber auch eine andere Möglichkeit, zurückgebaute PET-Dämmung zu verwenden, und die ist deutlich nachhaltiger: Die Platten lassen sich nämlich einfach noch einmal verbauen, da die Druckfestigkeit und der Lambda-Wert laut Tests langfristig konstant bleiben. Wir empfehlen dem Handwerk daher die Verlegung ohne Verklebung, also mit mechanischer Befestigung oder unter Auflast.

dachbaumagazin: Wo können Dachdeckerbetriebe die neuen PET-Dämmplatten beziehen?

Ulli Pflüger: Die gibt es momentan nur im Direktvertrieb bei uns oder über unseren Vertriebspartner, den Abdichtungshersteller Mogat.

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