Interview mit Eurostair
Dieter Hrab: "Spindeltreppen dominieren den Markt der Fluchttreppen"
Holger Möbus: Herr Hrab, Sie waren bereits an der Planung von mehr als 1.000 Fluchttreppen beteiligt. Warum werden in Deutschland mittlerweile mehr Spindeltreppen als gerade Treppen verkauft? Liegt das wirklich nur am attraktiven Design?
Dieter Hrab: Nein, ganz sicher nicht. Das Design spielt zwar eine Rolle, aber die Entscheidung für Spindeltreppen ist in erster Linie wirtschaftlich und technisch motiviert. Wir sehen schon seit einigen Jahren ein deutliches Nord-Süd-Gefälle: In Skandinavien sind Spindeltreppen seit Jahrzehnten die bevorzugte Lösung für Flucht- und Rettungswege, sehr oft sogar als Hauptzugang. In Deutschland hat sich dieser Trend mit etwas Verzögerung durchgesetzt, andere Nachbarländer waren etwas schneller. Heute erkennen unsere Architekten und Planer zunehmend die Vorteile von Spindeltreppen sowohl in Bezug auf Kosten, Technik als auch Nachhaltigkeit.
Möbus: Welche Vorteile sind das konkret?
Hrab: Viele waren lange Zeit skeptisch, insbesondere wegen der früheren Vorschriften in Deutschland. Doch mit den europäischen Normen hat sich viel verändert. Bei öffentlichen Ausschreibungen sehen wir inzwischen, dass Spindeltreppen in vielen Fällen bevorzugt werden.
Der wirtschaftliche Vorteil beginnt bereits mit der kompakten Bauweise der Spindeltreppe, die in vielen Fällen weniger als die Hälfte einer geraden Treppe kostet. Die Fertigung in modernen und automatisierten Produktionsstätten gewährleistet nicht nur eine hohe Präzision der modularen Bauteile, sondern reduziert auch Produktionskosten und Montagezeit auf der Baustelle. Zudem führt der Einsatz von hochfestem Stahl zu einer deutlich leichteren Konstruktion, was die Montage zusätzlich erleichtert und die Ökobilanz des Bauprojekts verbessert.
Ein weiterer Punkt ist die Digitale Planung mit modernen 3D-Konfiguratoren, so lassen sich Spindeltreppen ganz einfach in Echtzeit modellieren und kalkulieren. Ein besonders leistungsfähiges Tool bietet beispielsweise die Firma Eurostair online kostenlos an. Dadurch können Schlossereibetriebe sehr schnell wirtschaftliche Spindeltreppen anbieten. Wie Sie wissen, haben ja leider in den letzten Jahren die Schlossereibetriebe aufgrund der Zeitaufwendigen Planung und Produktion immer mehr Abstand von Spindeltreppen und Spindeltreppentürmen genommen.
Dann wäre da die Platzersparnis, die Spindeltreppen benötigen deutlich weniger Grundfläche als gerade Treppen und sind daher ideal für enge Innenhöfe oder nachträgliche Anbauten.
Auch der reduzierte Fundament- und Befestigungsaufwand ist ein Pluspunkt der Spindeltreppen. Die Montage geht dank ausgereifter und modularer Bauweise einfach und schnell vonstatten, was wiederum die Baustellenkosten senkt.
Nicht zuletzt sind Spindeltreppen auch architektonisch attraktiv, ein Hingucker. Mit verschiedenen Geländerausführungen und farbiger Pulverbeschichtung lassen sie sich individuell an das Gebäude anpassen.
Die Lieferzeiten sind ebenfalls kurz, da viele Komponenten bereits fertig auf Lager liegen. Gerade wenn sich Entscheidungen in der Projektphase verzögern, kann eine schnelle Umsetzung nach Auftragserteilung entscheidend sein.
Zudem bieten Spindeltreppen normgerechte Lösungen für Fluchtwege. Vorgeprüfte Komponenten nach EU-Standard erleichtern die statische Berechnung und beschleunigen die Genehmigungsphase.
Auch praktische Aspekte wie die gute Entwässerung oder die pflegeleichte Gestaltung des Bodenbereichs unter der Treppe werden von Bauherren geschätzt.
Das heißt nicht, dass gerade Treppen überholt sind. Aber aktuell zeigt sich, dass Spindeltreppen bei den meisten Fluchttreppenprojekten die wirtschaftlich und funktional bessere Wahl darstellen.
Möbus: Vielen Dank für diese ausführlichen und fundierten Einblicke, Herr Hrab.
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