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Baustelle der Zukunft

Kai Ingmar Link,

Peri 3D Construction: Deutschlands erstes öffentlich gefördertes Mehrfamilienhaus im 3D-Druckverfahren

Im nordrhein-westfälischen Lünen entsteht ein Meilenstein im Bereich des 3D-Betondrucks: Das erste öffentlich geförderte Mehrfamilienhaus Deutschlands wird mit dieser innovativen Technologie gebaut. Erstmals werden die Vorteile des 3D-Druckverfahrens mit den Anforderungen der öffentlichen Wohnraumförderung kombiniert.

Die Umsetzung des Projekts erfolgt durch PERI 3D Construction, und dies ist bereits das dritte Bauprojekt des Unternehmens allein in Deutschland in 2023. © Peri 3D Construction

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt dieses Bauprojekt der Wohnungsbaugesellschaft Lünen finanziell. Zum einen werden 400.000 Euro aus dem landeseigenen Förderprogramm "Innovation in der Bauwirtschaft" zur Verfügung gestellt. Zum anderen stehen rund 1,3 Millionen Euro aus dem öffentlichen Wohnraumförderungsprogramm bereit.

Entsprechend den Richtlinien zur Wohnraumförderung wird die Miete pro Quadratmeter auf höchstens 6,00 Euro begrenzt. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf etwa 1,9 Millionen Euro, und das Gebäude soll im Oktober 2024 bezugsfertig sein.

Das Gebäude umfasst das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss, die im 3D-Betondruckverfahren erbaut werden. © Peri

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, betont die Bedeutung dieses Projekts: "Mit dem ersten öffentlich geförderten Mehrfamilienhaus bringen wir in Nordrhein-Westfalen bezahlbaren Wohnraum und innovatives Bauen unter ein Dach. Mit unseren 3D‘s für die Zukunft des Bauens - digital, dynamisch, druckfertig – ermöglichen wir mehr Wohnraum für Menschen mit kleinem Geldbeutel.

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Damit ist und bleibt Nordrhein-Westfalen Vorreiter in Deutschland. Mit dem Pionierprojekt in Lünen zeigen wir, dass öffentlicher Wohnungsbau trotz dieser herausfordernden Zeit schnell, modern und nachhaltig entstehen kann. Nordrhein-Westfalen setzt Maßstäbe beim Bauen und macht weiter Druck für mehr bezahlbaren Wohnraum."

Die Umsetzung des Projekts erfolgt durch PERI 3D Construction, und dies ist bereits das dritte Bauprojekt des Unternehmens allein in Deutschland in 2023. Fabian Meyer-Brötz, Geschäftsführer der PERI 3D Construction GmbH, unterstreicht die Wichtigkeit von Geschwindigkeit, Effizienz und Ressourcenschonung bei der Verwendung von 3D-Druckern im Bauwesen. Dies ist besonders angesichts des steigenden Bedarfs an Wohnraum von großer Bedeutung. Offenheit für echte Innovationen und die Nutzung neuer Bauverfahren wie 3D-Druck sind notwendig, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, betont die Bedeutung dieses Projekts © Peri

In Lünen wird der 3D-Druckprozess von einem kleinen Team um Projektleiterin Lena Zimmer überwacht. Der COBOD BOD2 3D-Drucker benötigt insgesamt etwa 100 Druckstunden, um die Wände zu erstellen. Bei diesem Projekt kommt außerdem ein neues, eigens entwickeltes Sensorsystem zum Einsatz, das wertvolle Echtzeitdaten liefert und die Arbeit vor Ort erleichtert.

Die Anwendung des 3D-Druckverfahrens wird kontinuierlich optimiert, und das Unternehmen nutzt die Erfahrungen aus jedem Projekt, um sowohl die Planungs- und Ausführungsprozesse als auch die verwendete Technologie zu verbessern. In Lünen wird erstmals ein Sensorsystem verwendet, das Echtzeitdaten zum Druckmaterial liefert. Dies ermöglicht eine gleichbleibend hohe Qualität der gedruckten Schichten, unabhängig von Wetterbedingungen und anderen Faktoren. Während die Außenwände im klassischen 3D-Druckstil erstellt werden, werden die Schichten der Innenwände bereits während des Druckvorgangs automatisch geglättet. Dies erleichtert spätere Verputzungsarbeiten erheblich.

Das Gebäude umfasst das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss, die im 3D-Betondruckverfahren erbaut werden. Das Dachgeschoss wird in einer Holz-Hybrid-Bauweise errichtet. Die Gründung, die Sohle und die Filigrandecken werden konventionell erstellt. Die Fassadenstruktur im Erdgeschoss und im Obergeschoss behält die ursprüngliche Betonstruktur bei, während das Dachgeschoss mit Fassadenplatten verkleidet wird.

Die Entwicklung standardisierter Vorgehensweisen auf Basis der gesammelten Erfahrungen wird dazu beitragen, Zukunftstechnologien im Bauwesen weiterzuentwickeln. © Steinhoff Architekten

Der dreistöckige Bau wird auf einem 651 Quadratmeter großen Grundstück im Stadtteil Lünen-Geist errichtet. Er bietet insgesamt sechs Wohneinheiten mit Größen zwischen 61 und 81 Quadratmetern.

Jan Hische, Vorstand und Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Lünen, betont die Bedeutung von bezahlbarem Wohnraum und Innovation im Bauwesen. Das Projekt in Lünen sei ein wichtiger Schritt, um den Bedarf an preiswertem Wohnraum zu decken und gleichzeitig innovative Bautechniken zu nutzen.

Architekt Lothar Steinhoff betont die Bedeutung dieses Projekts für die Bauwirtschaft. Die Entwicklung standardisierter Vorgehensweisen auf Basis der gesammelten Erfahrungen wird dazu beitragen, Zukunftstechnologien im Bauwesen weiterzuentwickeln.

Architekt Lothar Steinhoff betont die Bedeutung dieses Projekts für die Bauwirtschaft. © Peri

Der für den 3D-Druck verwendete Beton von Heidelberg Materials ist ein hochmoderner Baustoff, der zu 100 Prozent recycelbar ist und etwa 55 Prozent weniger CO₂ enthält als herkömmlicher Zement. Dieser Baustoff eignet sich ideal für den 3D-Druck und ermöglicht die Erstellung von Bauteilen mit hoher Formstabilität und effizientem Materialeinsatz.

Der für den 3D-Druck verwendete Beton von Heidelberg Materials ist ein hochmoderner Baustoff, der zu 100 Prozent recycelbar ist und etwa 55 Prozent weniger CO₂ enthält als herkömmlicher Zement. © Peri

Dr. Jörg Dietrich, Leiter Engineering & Innovation und Leiter Produktmanagement bei Heidelberg Materials Deutschland, betont die Möglichkeit, nachhaltigen und bezahlbaren Wohnraum schnell und effizient zu schaffen.

Hintergrund des 3D-Drucks:

Dr. Fabian Meyer-Brötz, Geschäftsführer der PERI 3D Construction GmbH, unterstreicht die Wichtigkeit von Geschwindigkeit, Effizienz und Ressourcenschonung bei der Verwendung von 3D-Druckern im Bauwesen. © Peri

1. Innovationsförderung im Baubereich: Das Bauprojekt in Lünen wird im Rahmen der Nordrhein-Westfalen-Initiative "Innovation in der Bauwirtschaft" von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen unterstützt. Dieses Förderprogramm wurde erstmals im Haushalt 2020 ins Leben gerufen. Die Zielsetzung des Programms ist, im Baubereich den Grundstein für innovative Zukunftstechnologien zu legen und die technologischen sowie wirtschaftlichen Chancen weiterzuentwickeln. Für das Jahr 2023 stehen landesweit 4,5 Millionen Euro zur Verfügung, um praxisorientierte Forschungsvorhaben, Wissenstransfers, Modellprojekte und innovative Bauverfahren zu fördern. Anträge zur Förderung können das ganze Jahr über gestellt werden.

2. Erfahrungen und Standards entwickeln: Das geförderte Projekt in Lünen hat zum Ziel, praktische Erfahrungen und Erkenntnisse bei der Errichtung eines Gebäudes mithilfe des 3D-Betondruckverfahrens zu sammeln. Diese Erkenntnisse sollen als Grundlage dienen, um zukünftige Projekte zu planen und ökonomisch zu bewerten. Auf Grundlage dieser Erfahrungen sollen standardisierte Verfahren entwickelt werden, die beispielsweise für Genehmigungsverfahren, die Bauvorbereitung und die Bauausführung gelten. Diese Standards werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, um Planern, Fachfirmen, Bauherren und vielen anderen Akteuren zu nutzen.

3. Funktionsweise des 3D-Drucks im Bauwesen: Beim 3D-Druck im Bauwesen wird in der Regel 3D-druckfähiger Mörtel oder Beton auf Zementbasis verwendet. Dabei wird der Baustoff durch eine Düse in Schichten aufgetragen, wobei die Schichtdicken im Bereich von Zentimetern liegen. Der 3D-Drucker zeichnet sich durch seine Flexibilität und schnelle Einsatzbereitschaft aus, was zu einer Reduzierung der benötigten Ressourcen führt. Im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise, bei der viele verschiedene Bauteile auf der Baustelle zu einem Wandelement zusammengefügt werden müssen, ergibt sich durch den 3D-Druck eine erhebliche Zeitersparnis und eine Vereinfachung der Bauabläufe. Um die finanziellen und zeitlichen Vorteile des 3D-Drucks zu bewerten, sind Pilotprojekte unerlässlich.

Die Anwendung des 3D-Druckverfahrens wird kontinuierlich optimiert, und das Unternehmen nutzt die Erfahrungen aus jedem Projekt, um sowohl die Planungs- und Ausführungsprozesse als auch die verwendete Technologie zu verbessern. © Peri

Die öffentliche Wohnraumförderung:
Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen fördert mit der öffentlichen Wohnraumförderung gezielt den Wohnungsbau. Für den Zeitraum von 2023 bis 2027 stehen insgesamt neun Milliarden Euro zur Verfügung, um Menschen mit niedrigem Einkommen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Allein im Jahr 2023 sind 1,6 Milliarden Euro vorgesehen, um dem Bedarf an Wohnraum gerecht zu werden.

Für das Bauprojekt in Lünen ist ein Wohnberechtigungsschein Voraussetzung für die Anmietung einer Wohnung.

Dr. Jörg Dietrich, Leiter Engineering & Innovation und Leiter Produktmanagement bei Heidelberg Materials Deutschland, betont die Möglichkeit, nachhaltigen und bezahlbaren Wohnraum schnell und effizient zu schaffen. © Peri

Die Kombination von 3D-Druck und öffentlicher Wohnraumförderung in Lünen markiert einen bedeutenden Schritt hin zu bezahlbarem Wohnraum und innovativem Bauen, während gleichzeitig die Herausforderungen des Wohnungsmarktes bewältigt werden.

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