Zinkdach
Gebaut für Jahrhunderte
Die »New Library« des Magdalene College in Cambridge /England ist auf eine Nutzungsdauer von mindestens 400 Jahren ausgelegt. Die zwölf Dächer sind mit Zinkblech gedeckt.
Der modulare Aufbau der Bibliothek wird beim Blick von oben besonders deutlich. Jedes der zwölf Einzeldächer besitzt vier verglaste Giebel
© VM Zinc /Paul KozlowskiDie Nachhaltigkeit steht bei vielen Bauprojekten im Zentrum, selten jedoch richtet sich der Blick dabei Jahrhunderte in die Zukunft. Bei der neuen Bibliothek des Magdalene College in Cambridge war genau dies der Fall: Das Gebäude wurde mit dem Ziel entworfen, dass es mindestens die nächsten 400 Jahre überdauert.
Das Magdalene College ist Teil der Universität von Cambridge. Es wurde vor fast 600 Jahren als Benediktiner-Herberge gegründet und rund 100 Jahre später in ein Lehrinstitut umgewandelt. Heute zählt es zu den eher kleineren Colleges von Cambridge. Es beherbergt mit der Pepys Bibliothek aber eine umfangreiche Sammlung seltener Bücher und Manuskripte. Wie bei vielen Universitätsgebäuden in Cambridge prägen Ziegelfassaden und Steildächer das Bild. Dennoch entwickelt die „New Library“ ein eigenständiges Erscheinungsbild, nicht zuletzt durch eine einfallsreiche Kombination von Ziegelfassaden, Eichenholzfenstern und Zinkdächern.
Kleine Einzeldächer
Das Gebäude setzt auf einen modularen Aufbau, der beim Blick von oben sofort ins Auge fällt: Dächer und Schornsteine bilden wiederkehrende Elemente, die die quadratischen Backsteinvolumen als eigenständige Module sichtbar werden lassen. Die Dachlandschaft gliedert sich in zwölf Einzeldächer, deren Flächen mit Titanzinkblech von VM Zinc gedeckt sind. Jedes dieser Dächer besitzt vier verglaste Giebelseiten und bildet so eine Dachlaterne mit vier Oberlichtern. Diese sind so angelegt, dass sie eine Blendung durch direkten Lichteinfall in die Lesebereiche vermeiden. Durchbrochen wird die Dachfläche von deutlich über den Dachfirst hinausragenden Schornsteinen. Doch diese sehen nur äußerlich wie ihre historischen Gegenstücke aus, tatsächlich dienen sie hier als passive Lüftungssäulen zum Austausch der Raumluft.
Die neue Bibliothek setzt auf diverse Strategien, um den Energieverbrauch des wärmegedämmten Gebäudes zu minimieren. Dazu zählen eine ausgeprägte Nutzung der natürlichen Belichtung sowie eine passive Belüftung: Durch Öffnungen in der Fassade wird Frischluft zugeführt, während warme und verbrauchte Luft durch die Lüftungskamine und Öffnungen im Dach wieder abgeführt wird. Wenn das Gebäude beheizt wird, werden die Öffnungen im Dach und in den Schornsteinen automatisch durch Wärme- und CO2-Senoren gesteuert.
Zink im Zwölferpack
Die zwölf quadratischen Einzeldächer bestehen aus je vier Giebeln, die jeweils direkt ineinander übergehen. Die einzelnen Dachflächen sind mit einer Neigung von 45 Grad ausgeführt und besitzen eine Doppelstehfalz-Deckung in der vorbewitterten Oberfläche Quartz-Zinc. Die kleinen Zinkdächer wurden von der Firma All Metal Roofing Ltd. aus Waltham Abbey verlegt. Der Fachbetrieb nutzte dafür Zinkblech in einer Materialdicke von 0,7 mm. Die Zinkscharen wurden mit einem Achsabstand von 530 mm verbaut. Auch die Firstkappen und Kehlen wurden in der gleichen hellgrauen Oberfläche ausgeführt, sodass die insgesamt rund 1000 m² großen Dächer mit einem stimmigen Gesamtbild aufwarten. Sie sind als nicht belüftete Warmdächer ausgeführt, mit einem entsprechenden Aufbau inklusive einer Dampfsperre aus Aluminiumfolie und Bitumen. Die darauf liegende 90 mm dicke Dämmschicht wurde mit einer atmungsaktiven Membran abgedeckt. Den Abschluss nach außen bilden dann die Zinkscharen, die hier in der Variante Quartz-Zinc Plus eingesetzt wurden. Diese besitzt eine spezielle Beschichtung auf der Unterseite, die vor vorübergehender Feuchtigkeit schützt.
Die erwartete Lebensdauer der neuen Bibliothek gibt den Baustoffen viel Zeit, um zu altern. Die Verblendziegel werden nachdunkeln und die Fensterrahmen zu einem silbrigen Grau verwittern, das sich dann weniger stark von den Zinkdächern abhebt. So wird das Gebäude sich im Laufe der Jahre weiter an die alte Bausubstanz des Magdalene College angleichen.










