Ingenieurholzbau
Reitstall - Reithalle - Pension: Bauen für Mensch und Tier
Der Reitstall Gut Angerhof in Ludenhausen bei Landsberg/Lech vereint Wohnbereiche für Mensch und Pferd mit landwirtschaftlichen Gebäuden sowie einer Reithalle. Für die Anlage kommen Stützen und Binder in Kombination mit Wänden und Dachflächen aus Kreuzlagenholz (KLH) zum Einsatz.
Als das Münchner Architekturbüro adpa den Auftrag erhielt, einen ehemaligen Bauernhof in einen Reitstall zu verwandeln, betraten die Planer Neuland. Die Bauherren – beide Ingenieure – wollten mit der Gut Angerhof getauften Anlage eine innovative und besonders Tiergerechte Stallung errichten. Mit dem Projekt sollten ganz neue Wege gegangen werden. Daher empfanden die Bauherren genau diese Teamkonstellation als ideal. Es folgte eine intensive Konzeptphase, in der etablierte Bauweisen, sowie wissenschaftliche Erkenntnisse zum Tierwohl, zu einer neuen Idee geformt wurden.
Vom Großbau zur dezentralen Anlage
Die anfängliche Idee der Bauherren, alle Pferdeboxen in einem einzigen, großen Neubau unterzubringen, wich daher schon bald einem dezentralen Konzept, das Tierwohl, betriebliche Abläufe, die ideale Wegführung und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringt. "Dabei muss die Versorgung der Tiere genauso gut funktionieren wie der landwirtschaftliche und pferdesportliche Betrieb", erklärt adpa Architekt Matthew Dueck. Die entscheidende Erkenntnis für das letztlich gewählte Konzept: Pferde brauchen keine geschlossenen Räume – nur die Reiter wünschen sich ringsum Wände und ein Dach – das Tierwohl profitiert vom Außenklima. Zwar habe sich das Landwirtschaftsamt – hier zuständig, da sich die Anlage im Außenbereich befindet – "anfänglich schwergetan, sich unsere dezentrale Stallidee vorzustellen, stimmte nach intensiver Diskussion jedoch einstimmig zu", denken die Architekten zurück.
Klare Struktur für reibungslose Abläufe
An der nördlichen Grundstücksgrenze bilden die landwirtschaftlichen Nutzgebäude den funktionalen Rücken des Ensembles: Dieser beginnt mit an die Parkzone angrenzenden Reithalle. Sie wurde zur Hälfte in das Gelände eingegraben, um die erforderliche Kopffreiheit für Pferd und Reiter zu garantieren, ohne das Bauwerk massig erscheinen zu lassen. Es folgt der Longierzirkel im ehemaligen Güllesilo, einem der auf dem Gelände vorgefundenen Bestandsbauten. Die innen gereinigte Betonhülle wurde dazu mit einem Eingang versehen und mit einer unterspannten Holzkonstruktion überdacht. Ein Kuhstall – ebenfalls ein Bestandsbau – wurde hingegen vollkommen zurückgebaut, abtransportiert und andernorts wiedererrichtet. Den nächsten Baukörper stellt nun die neue Heutrocknungshalle dar. Im Osten trocknet das Gras, der westliche Part dient als Futterlager. Eine in Höhe der Trauflinie entlanglaufende Kranbahn bewegt das Heu je nach Trocknungsgrad in die verschiedenen Abschnitte. Die an die Versorgungsstraße angrenzende, neue Maschinenhalle beherbergt landwirtschaftliche Geräte und Traktoren.
Tierwohl im Mittelpunkt
Südlich der Reithalle begrüßt ein Aufenthalts- und Bürogebäude mit Reiterstüberl und Teeküche, Umkleiden und Sanitärräumen sowie einem Loungebereich zum Innenhof für Reiter und Pferdebesitzer. Weiter geht der Weg zum Zentralgebäude der Stallanlage. Hier werden die Pferde vor- und nachbereitet und Sättel und Decken in speziellen Kammern aufbewahrt. Mehrere Stallflügel mit 40 Einzelboxen und daran angeschlossenen, offenen Paddocks docken sternförmig an diesen Bereich an. Ein Gruppenstall für 20 Pferde mit Auslauffläche im Freien fungiert als Bindeglied zwischen zwei Flügeln. Entsprechend der Nutzungsart erhielten dieser und das Zentralgebäude mehr Raumhöhe als die Einzelställe. Geschwungene, begrünte Dächer binden alle Bauten sanft in die Landschaft ein und übernehmen den Witterungsschutz. Breite, an drei Seiten offene Stallgassen dienen der Erschließung, Belüftung und Bewegungsfreiheit.
Noch im Bau: Wohnungen für Mitarbeiter und Feriengäste
Den Campus ergänzen mehrere Koppeln, ein Außenreitplatz sowie ein weiteres Gebäudeensemble im Nordwesten der Anlage: die Heizzentrale mit Hackschnitzelanlage plus Werkstatt, die in einem umgestalteten Bestandsstadel untergebracht sind. Direkt daneben steht das ehemalige Bauernhaus der Hofanlage. Es wird derzeit saniert und in kleinere Wohneinheiten umgebaut. In die angrenzende Tenne werden dann mehrere Ferienwohnungen eingegliedert. Die Fertigstellung dieses Bauabschnitts ist für das dritte Quartal 2026 geplant.
Holzbau mit System
Sämtliche Neubauten und auch die Sanierung bzw. der Ausbau der Tenne sind bzw. werden in Holzbauweise errichtet. Während für die Reithalle und die landwirtschaftlichen Nutzgebäude Skelettbauweise teilweise mit Brettstapeldecken kombiniert wurde, setzen das Aufenthalts- und Bürogebäude, das Zentralgebäude, die Ställe und der Tennenausbau auf eine Bauweise in Vollholz, genauer gesagt, auf Wände und Dachflächen aus KLH. Insgesamt 4000 m² in Industriesicht ISI, der größte Teil davon als KLH Dachplatten, wurden auf Gut Angerhof verbaut. Wo notwendig, wurde mit Glas, Metall und Beton ergänzt. "Hohe Trag-und Aussteifungskraft, schnelle Bauweise, hoher Vorfertigungsgrad, schlanke Wandquerschnitte", erklärt Dueck die Materialwahl.
Auch die ab Werk gelieferten fertigen Oberflächen der Wände und Decken spielten für die Wirtschaftlichkeit der Anlage eine große Rolle. So konnten ohne teure Zusatzarbeiten beispielsweise geschliffene Sichtholzwände im Empfangsbereich gestaltet werden. "Zudem entstehen bei KLH-Wänden und -Decken keine Hohlräume, in die Ungeziefer eindringen könnten, eine große Herausforderung im landwirtschaftlichen Umfeld. Das macht die ganze Anlage wartungsarm."












