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Artikel und Hintergründe zum Thema

Baugewerbe EXKLUSIV

Stefan Ufertinger,

"Wer fragt, der führt"

Gute Fragen können ein Schlüssel für eine harmonische und erfolgreiche Zusammenarbeit auf der Baustelle sein. Denn wer fragt, zeigt Interesse und Respekt – laut Kommunikationsprofi Stefan Ufertinger die Basis für ein kollegiales Miteinander.

Ein gutes Gespräch besteht aus mehr als Sprechen – es lebt vom Zuhören und Nachfragen. © Pelemedia (Symbolbild)

"Wer fragt, der führt" – dieser Satz ist auf der Baustelle mehr als ein Spruch. Fragen sind kein Zeichen von Unsicherheit, sondern Ausdruck von Respekt. Sie zeigen Interesse, schaffen Verbindung und öffnen Türen in Gesprächen, die sonst verschlossen bleiben würden. Auf der Baustelle, wo der Ton oft rau ist und klare Anweisungen dominieren, haben Fragen einen besonderen Wert. Denn wer fragt, hört zu – und wer zuhört, versteht mehr.

Warum Fragen respektvoll sind

Respekt beginnt mit Interesse. Und Interesse zeigt sich am besten durch Fragen. Wer fragt, signalisiert: "Deine Meinung ist mir wichtig." Gerade im oft hektischen Baustellenalltag ist dies keine Selbstverständlichkeit. Fragen unterbrechen das Muster von Vorwurf, Rechtfertigung und Verteidigung. Sie schaffen Raum für gemeinsame Lösungen – vorausgesetzt, sie werden echt und offen gestellt.

Warum Fragen erfolgreiche Gespräche ermöglichen

Ein gutes Gespräch besteht aus mehr als Sprechen – es lebt vom Zuhören und Nachfragen. Fragen helfen, den anderen wirklich zu verstehen. Sie bringen Klarheit in unklare Situationen, entwirren Missverständnisse und machen unausgesprochene Erwartungen sichtbar. Wer fragt, gewinnt Einblick – und damit die Chance, gezielter zu reagieren. Auf der Baustelle kann dies den Unterschied machen zwischen einem unnötigen Streit und einem gemeinsamen Lösungsweg.

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Offene, geschlossene und manipulative Fragen – der feine Unterschied

Nicht jede Frage ist hilfreich. Offene Fragen beginnen mit "wie", "was" oder "wozu". Sie laden zur Reflexion ein, fördern das Denken und ermöglichen echte Gespräche. Beispiel: "Wie ist dein Eindruck vom heutigen Ablauf?"

Geschlossene Fragen lassen nur "ja" oder "nein" zu. Sie sind sinnvoll, wenn es um klare Entscheidungen oder Fakten geht. Beispiel: "War der Beton rechtzeitig da?"

Vorsicht ist bei manipulativen Fragen geboten. Diese zielen nicht auf Erkenntnis, sondern auf Zustimmung oder Rechtfertigung: "Findest du nicht auch, dass der Polier das vermasselt hat?" Solche Fragen stellen keine Verbindung her, sondern treiben Keile zwischen Beteiligte.

Die Falle der unechten Fragen

Stefan Ufertinger ist Gründer und Geschäftsführer von Site Communications. © Site Communications

Manche Aussagen tarnen sich als Fragen, sind aber in Wahrheit versteckte Vorwürfe. Beispiel: "Musst du das immer so kompliziert machen?" oder "Willst du wirklich, dass das wieder schiefgeht?" Diese Pseudo-Fragen sind keine Einladung zum Dialog, sondern ein Angriff im Fragegewand. Sie erzeugen Widerstand statt Verbindung und führen zu Rechtfertigung statt Lösung.

Wie Fragen helfen, Baustellen erfolgreicher zu gestalten

Wer fragt, führt – aber nicht durch Macht, sondern durch Klarheit. Eine Führungskraft, die fragt, zeigt Offenheit, Lernbereitschaft und Respekt. Fragen fördern Eigenverantwortung, binden das Wissen aller Beteiligten ein und helfen, komplexe Situationen differenziert zu betrachten. In einer Welt, in der Projekte immer komplexer werden und Zusammenarbeit der Schlüssel zum Erfolg ist, sind Fragen das Werkzeug der Zukunft.

Sie ermöglichen es, Konflikte früh zu erkennen, Lösungen gemeinsam zu entwickeln und das Potenzial im Team zu heben. Kurz gesagt: Wer gute Fragen stellt, baut nicht nur Gebäude – sondern auch Vertrauen.

Probieren Sie es aus: Ersetzen Sie beim nächsten kritischen Gespräch ein Statement durch eine Frage. Sie werden überrascht sein, was dann passiert.

Über Site Communications

Stefan Ufertinger ist Gründer und Geschäftsführer von Site Communications. Zudem ist er allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Verdingungswesen, Leiter Bauwirtschaft bei Afry Austria sowie zertifizierter Lean Construction Manager. Site Communications berät Bauunternehmen in Sachen Kommunikation auf der Baustelle. Durch die gezielte Weiterentwicklung der einzelnen Projektbeteiligten hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die gesamte Baubranche von innen nach außen zu "gesunden".

Dieser Gastbeitrag erschien zuerst in der Oktober-Ausgabe des Baugewerbe Magazins. 

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