Gastbeitrag
Exoskelette: der Arbeitsplatz zum Anziehen
Viele Kerntätigkeiten des Handwerks erledigen immer noch Menschen. Diese Arbeiten stellen aber starke körperliche Belastungen und gesundheitliche Risiken dar.
Bei einer durchschnittlichen Entlastung von rund 20 % beispielsweise bei rückenentlastenden Exoskeletten spürt man den Unterschied direkt. Langfristig betrachtet wird durch den verminderten körperlichen Verschleiß auch der Krankenstand des Betriebes reduziert. Dem Image vom Handwerk, in dem man nicht körperlich unbeschadet bis zur Rente durchkommt, kann man hier aktiv entgegenarbeiten und auch für junge Fachkräfte wieder attraktiver werden.
Um körperliche Entlastung, volle Bewegungsfreiheit und platzsparende Konstruktion zu gewährleisten, sind die Exoskelette im Moment auf eine Art von Tätigkeit ausgelegt – also keine Ganzkörpersysteme: So gibt es Exoskelette, die bei Überkopfarbeiten unterstützen, indem sie das Gewicht der Arme durch eine Konstruktion abstützen und damit ausdauerndes, präzises Arbeiten ermöglichen. Gerade bei Montage- oder Malerarbeiten über Schulterhöhe kann hier profitiert werden.
Für die Entlastung des Rückens gibt es eine ganze Reihe an Systemen. Im Aufbau ähneln diese oftmals einer Art Klettergurt mit mal mehr, mal weniger fester Rückenstütze. So kann je nach Arbeitsvorgang und persönlicher Vorliebe von kompletter Flexibilität bis hin zu ergonomischem Stützen der Wirbelsäule aus der Bandbreite an Systemen gewählt werden. Hier sind vor allem Hebe- und Tragearbeiten sowie lange vornübergebeugte Haltungen im Fokus der Entlastung, was in beinahe allen Gewerken zu finden ist.
Auch die Beine kommen bei der Entlastung nicht zu kurz. Sei es nun langes Arbeiten in Hocke oder einfach eine Sitzunterstützung bei wechselnden Steharbeitsplätzen, auch hier können Rücken und Beinmuskulatur geschützt werden. Typische Einsatzgebiete sind Werkstattarbeitsplätze an mehreren Montage- oder Maschinenplätzen, bei denen Sitzmöglichkeiten nicht möglich oder im Weg sind. Man unterscheidet zwei Varianten: Aktive Exoskelette sind mit Sensorik und Motoren ausgestattet, sodass sie den Menschen in seinen Bewegungsabläufen stark unterstützen und Kräfte umlenken können. Diese Leistungsfähigkeit dieser tragbaren Roboter kommt natürlich mit einer hohen technischen Komplexität und etwas mehr Gewicht für Akkus und Motorik einher.
Passive Exoskelette nutzen die Materialeigenschaften von dehnbaren Bändern, Federn oder Seilzügen, um die auf den Körper wirkenden Kräfte zu reduzieren und umzulenken. Hier können leichte Materialien zum Einsatz kommen, teilweise sind die Systeme komplett aus Textil und passen auch unter Schutzkleidung. So wird ein extrem geringes Gewicht, teilweise nur rund ein Kilogramm, und volle Bewegungsfreiheit gewährleistet. Mehr Informationen zu Exoskeletten und Digitalisierung im Handwerk finden Sie unter www.handwerkdigital.de
Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 07-08_23.












