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Artikel und Hintergründe zum Thema

Stefan Ufertinger erklärt:

Stefan Ufertinger,

Gefühle kann man nicht verbieten

In unserem vergangenen Artikel ging es darum, dass Zuhören nicht gleich Verstehen und schon gar nicht Zustimmen bedeutet. Viele signalisieren deshalb kein Verständnis, weil sie Angst haben, dem Inhalt zustimmen zu müssen.

Gefühle sind oft fester Bestandteil von Kommunikation - auf der Baustelle und in allen anderen Lebensbereichen. © Pelemedia (Symbolbild, erstellt mit KI)

Doch selbst wenn wir verstanden haben, passiert häufig der nächste Fehler: Wir bewerten die Emotion des Gegenübers.

Und genau hier beginnt das große Problem. Denn niemand hat allein das Recht zu entscheiden, wie sich ein anderer Mensch fühlen darf – auf der Baustelle nicht und im Privatleben auch nicht.

Gerade auf der oftmals hektischen Baustelle, auf der Zeitdruck, Kosten und Verantwortung aufeinandertreffen, kochen starke Emotionen sehr schnell hoch. Ärger, Frust, Enttäuschung oder Sorge gehören zum Alltag. Entscheidend ist nicht, ob diese Gefühle auftreten – sondern wie wir ihnen im Gespräch begegnen. Diese Entwicklung hat sich in den vergangen Jahren spürbar verstärkt. Schon heute hat sich der Ton in den Bauunternehmen verändert. Gerade die nachrückende, junge Generation in der Baubranche wünscht sich eine offenere und neue Art der Kommunikation.

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Die drei typischen Fehler beim Zuhören

Der Erste ist das Bagatellisieren. Sätze wie "So schlimm ist das doch nicht", "Das passiert halt" oder "Stell dich nicht so an" sind schnell gesagt. Die Intention ist in der Regel gut: Vielleicht wollen wir beruhigen. Vielleicht wollen wir beschwichtigen. Tatsächlich aber sprechen wir so dem anderen das Recht auf seine Emotion ab. Wenn ein Polier sich über Terminverschiebungen ärgert und die Antwort lautet: "Das ist doch nur ein kleiner Verzug", dann bewerten wir nicht die Situation – wir bewerten sein persönliches Empfinden. Das erzeugt eine gewisse Distanz im Gespräch.

Der zweite Fehler ist das Verschlimmern. "Das ist ja eine Katastrophe!" – "Das wird richtig teuer!" Manchmal reagieren wir dramatischer als der Betroffene selbst. Wir meinen es unterstützend, verstärken aber die Emotion unnötigerweise. Statt Stabilität in den fachlichen Austausch hineinzubringen, gießen wir das sprichwörtliche Öl in das bereits lodernde Feuer. Das Gespräch verliert an Sachlichkeit, die Dynamik verschiebt sich in Richtung Eskalation.

Der dritte Fehler, den wir in unserer Kommunikation machen können, ist übertriebene Empathie. "Oh Gott, du Armer!" – "Das ist ja furchtbar!" Auch das kann in einem intensiven und emotional aufgeladenen Gespräch komplett danebenliegen. Zu viel Mitgefühl wirkt schnell wie Mitleid. Und genau das ist nicht immer erwünscht. Unser Gegenüber fühlt sich in solchen Situationen dann schnell nicht ernst genommen, sondern bemitleidet. Wir machen seine Emotion größer, als sie für ihn selbst vielleicht ist, und rücken uns selbst dafür emotional in den Vordergrund.

Subtile Überhöhung

Die Summe dieser Reaktionen haben eines gemeinsam: Sie enthalten eine Bewertung in die eine oder andere Richtung: Entweder wir machen das Gefühl kleiner, größer oder dramatischer. Doch Emotionen sind immer durch unsere subjektive Wahrnehmung geprägt. Jeder Mensch erlebt Situationen immer durch seine eigene, individuelle Wahrnehmungsbrille. Wenn ich sage "Das ist doch nicht schlimm", sende ich im Kern die Botschaft: Deine Wahrnehmung ist falsch. Und das ist wiederum immer ein subtiler Akt der Überhöhung.

Was bedeutet Respekt eigentlich?

Kommunikationscoach Stefan Ufertinger, Gründer von Site Communications. © Site Communications

Respekt bedeutet jedoch, die innere Wirklichkeit des anderen anzuerkennen – auch wenn ich sie nicht teile. Zum Glück stehen uns genau dafür mehrere Werkzeuge zur Verfügung, diese Fehler in der Baustellenkommunikation zu vermeiden. Richtiges Zuhören heißt für uns nicht, zwangsweise inhaltlich zuzustimmen. Es heißt auch nicht, mitleiden zu müssen oder jede Situation mitzudramatisieren. Es bedeutet vielmehr im Umkehrschluss, der Emotion Raum zu geben, ohne sie zu verändern. Das gelingt durch einfache, ruhige Formulierungen. Etwa: "Ich merke, dass dich das ärgert." Möglich ist auch zu sagen: "Das scheint dich wirklich zu beschäftigen." oder "Das klingt nach einer anstrengenden Situation." Mehr braucht es für eine zielgerichtete Baustellenkommunikation oft nicht. Keine Relativierung. Keine Dramatisierung und schon gar keine Bewertung.

Gerade auf der Baustelle ist diese Form der Stabilität ein Zeichen von Professionalität. Wer Emotionen stehen lassen kann, ohne sie zu korrigieren, zeigt Stärke. Zuhören heißt, dem Gefühl einen sicheren Raum zu geben. Das kostet nichts – außer vielleicht das eigene Ego. Und genau darin liegt die eigentliche Kunst respektvoller Kommunikation.

Über Site Communications

Stefan Ufertinger ist Gründer und Geschäftsführer von Site Communications. Zudem ist er allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Verdingungswesen, Leiter Bauwirtschaft bei Afry Austria sowie zertifizierter Lean Construction Manager. Site Communications berät Bauunternehmen in Sachen Kommunikation auf der Baustelle. Durch die gezielte Weiterentwicklung der einzelnen Projektbeteiligten hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die gesamte Baubranche von innen nach außen zu "gesunden".

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