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Artikel und Hintergründe zum Thema

Holzbau Baden e.V.

Johannes Baumgärtner,

Freiwilliges Handwerksjahr als Chance

Der Fachkräftemangel wird im Handwerk immer mehr zum Problem. Gleichzeitig wissen viele Schulabgänger nicht, welchen Beruf sie ergreifen sollen. Das Freiwillige Handwerksjahr könnte ein Problemlöser sein.

Zimmermeisterin Julia Rombach in Action. Auch die Firma Rombach Holzbau bietet jedes Jahr Ausbildungsplätze zum Zimmerer oder Blechner/Klempner an © Rombach Holzbau/Holzbau Baden

Das deutsche Handwerk steht an einem entscheidenden Wendepunkt: Während immer mehr Betriebe händeringend nach Nachwuchs suchen, verlassen zahlreiche Jugendliche die Schule ohne klare berufliche Orientierung. Der Fachkräftemangel verschärft sich dadurch kontinuierlich — besonders in den Bau- und Holzgewerken. Nun könnte eine neue Idee die Wende bringen: das Freiwillige Handwerksjahr (FHWJ).

Was im Koalitionsvertrag bereits angelegt ist, könnte sich zur echten Chance entwickeln — wenn die Politik jetzt Tempo macht und liefert. Damit diese Idee ihr volles Potenzial entfaltet, braucht es jedoch die schnelle politische Umsetzung und eine rechtliche Verankerung im Jugendfreiwilligendienstgesetz. Es ist allerdings höchste Zeit, diese Forderung zu forcieren.

Junge Menschen, Betriebe, Gesellschaft: ein Dreiklang

Erste Modellprojekte zeigen, was möglich ist: Jugendliche arbeiten für ein Jahr in Handwerksbetrieben, lernen verschiedene Berufe kennen, sammeln praktische Erfahrung und entwickeln wichtige Kompetenzen — von Zuverlässigkeit über Teamarbeit bis zu handwerklichem Geschick. Gleichzeitig gewinnen Betriebe frühzeitig Einblick in die Stärken potenzieller Azubis und können passgenauer ausbilden.

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"Das Freiwillige Handwerksjahr kann Brücken bauen, gerade zwischen Jugendlichen, die Orientierung suchen, und Betrieben, die händeringend Nachwuchs brauchen", so Cornelia Rupp-Hafner, Hauptgeschäftsführerin von Holzbau Baden e.V. Der gesellschaftliche Effekt dabei: mehr Wertschätzung für Handwerksarbeit und ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass ohne Handwerk kein Fortschritt möglich ist.

Pilotprojekt Südbaden: Bereit zum Start

Gerade Südbaden könnte zur Vorreiterregion werden. Das Berufsförderungswerk für südbadische Bauwirtschaft und die Mitgliedsverbände von Bau Ausbau Baden e.V. (Holzbau Baden e.V., Ausbau & Fassade e.V., Schreiner Baden e.V.) verfügen über alles, was ein Pilotprojekt braucht: enge Verbindungen zu Ausbildungszentren in Freiburg und Bühl, ein breites Netzwerk an Betrieben und jahrzehntelange Erfahrung in der Nachwuchsarbeit.

Doch damit das Freiwillige Handwerksjahr nicht auf dem Papier stecken bleibt, braucht es dringend eine rechtliche Grundlage. Die Verbände fordern: Aufnahme des FHWJ ins Jugendfreiwilligendienstgesetz (JFDG), Finanzierung analog zu FSJ und FÖJ – inklusive Taschengeld, Sozialversicherung, Fahrtkostenzuschüssen und pädagogischer Begleitung, Förderung alternativer Trägerstrukturen — damit nicht nur Kammern, sondern auch Fachverbände und regionale Bildungswerke aktiv werden können.

Politischer Wille gefragt — und zwar jetzt

Es gilt, sich zu beeileen — die Uhr tickt: Schon heute bleiben zehntausende Lehrstellen unbesetzt. Die Gefahr, dass das Handwerk an Nachwuchsmangel erstickt, ist real. Deshalb haben Holzbau Baden und andere Verbände angekündigt, mit einer Petition an die Bundesregierung zu gehen. "Wir dürfen keine Zeit verlieren. Jeder Jahrgang, den wir verlieren, fehlt uns später doppelt — in den Werkstätten und auf den Baustellen", so die klare Botschaft der Branche.

Wenn das Freiwillige Handwerksjahr kommt, könnte es weit mehr sein als nur ein neues Orientierungsangebot. Es wäre ein Meilenstein: ein Modell, das Engagement und Berufs-orientierung verbindet, Jugendlichen echte Zukunftsperspektiven eröffnet und dem Handwerk neue Luft zum Atmen gibt. Klar ist: Die Politik muss umgehend liefern.

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