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Artikel und Hintergründe zum Thema

Baugewerbe ∞ Site Communications

Stefan Ufertinger,

Maximen des Dialogs

Viele gutgemeinte Gespräche scheiten daran, dass das gemeinsame Ziel nicht treffend formuliert beziehungsweise nicht genau ausgedrückt wird. Um Dialoge klarer zu gestalten, verweist Autor Stefan Ufertinger auf fünf Maximen des Kommunikationsexperten René Borbonus.

Der britische Philosoph Paul Grice hat sein Kooperationsprinzip zur Grundlage gelingender Kommunikation erhoben. © Site Communications

Dialoge haben fast immer ein gemeinsames Interesse. Ob auf der Baustelle, im Büro oder im privaten Alltag – Menschen treten in Gespräche, um etwas gemeinsam zu erreichen: ein Problem lösen, Informationen austauschen, eine Entscheidung treffen. Und doch scheitern viele Dialoge daran, dass dieses gemeinsame Ziel in der Kommunikation nicht oder nur unzureichend zum Ausdruck gebracht wird. Missverständnisse, falsche Deutungen und unklare Botschaften führen dazu, dass die Kooperationsbasis verdeckt bleibt.

Kooperation als stillschweigende Grundlage

Der britische Philosoph Paul Grice hat sein Kooperationsprinzip zur Grundlage gelingender Kommunikation erhoben. Bei den meisten Äußerungen gibt es eine implizite Bedeutung. Diese muss sich der Empfänger oft selbst erschließen. Dafür benötigt es jedoch die entsprechende Haltung, dies tun zu wollen. Dies nennt Grice das Kooperationsprinzip. Ohne dieses gegenseitige Bemühen um Kooperation würden Dialoge im Chaos enden. Gerade in stressigen Situationen auf der Baustelle zeigt sich, wie wichtig es ist, das Kooperationsprinzip bewusst zu leben und nicht nur vorauszusetzen.

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Kommunikation auf mehreren Ebenen

Die Herausforderung: Kommunikation findet immer auf mehreren Ebenen statt. Da ist das Gesagte – die Worte an sich. Doch hinzu kommen Tonfall, Körpersprache, Kontext und Beziehungsebene. Wer sich dessen bewusst ist, kann sich beim Zuhören bewusst entscheiden, auf welcher Ebene er eine Aussage verstehen möchte. Und wer spricht, trägt Verantwortung, seine Botschaften so zu formulieren, dass sie möglichst wenig missverständlich sind.

Gerade im hektischen Alltag auf der Baustelle kann dies den Unterschied machen zwischen einer Eskalation und einer konstruktiven Lösung. Wer die Vielschichtigkeit berücksichtigt, baut Brücken statt Mauern.

Die fünf Maximen des Dialogs

Um Dialoge klarer und respektvoller zu gestalten, hat der Kommunikationsexperte René Borbonus fünf Maximen formuliert. Sie können als Leitlinien für gelingende Kommunikation verstanden werden:

1. Maxime der Angemessenheit – sagen Sie so viel wie nötig und so wenig wie möglich, damit Ihr Gegenüber Sie richtig verstehen und Ihre Absichten nachvollziehen kann.

2. Maxime der Aufrichtigkeit – äußern Sie nur, was Sie selbst für richtig und wahr halten.

Stefan Ufertinger ist Gründer und Geschäftsführer von Site Communications. © Site Communications

3. Maxime der Sachbezogenheit – beschränken Sie sich mit Ihren Aussagen auf Themenrelevantes und lassen Sie alles andere weg.

4. Maxime der Eindeutigkeit – bemühen Sie sich um eine klare Ausdrucksweise, indem Sie vage, mehrdeutige, ablenkende, manipulative oder andere verschiedene Formulierungen meiden.

5. Maxime der Empathie – bemühen Sie sich stets darum, Ihre Gesprächspartner zu sehen.

Kooperation als Grundhaltung

Kooperation als Grundhaltung bedeutet also, dass wir Dialoge nicht als Bühne für Durchsetzung verstehen, sondern als Raum, in dem gemeinsames Verständnis wächst. Sie setzt voraus, dass wir uns bewusst auf das gemeinsame Ziel beziehen und unsere Sprache daran ausrichten. Gerade auf der Baustelle, wo unterschiedliche Interessen, Zeitdruck und Stress aufeinandertreffen, kann diese Haltung den entscheidenden Unterschied machen.

Denn am Ende ist Kommunikation nicht nur Austausch von Worten – sie ist der Kitt, der Projekte zusammenhält. Und dieser Kitt wird umso stabiler, je mehr wir uns an die Maximen des Dialogs halten. Wer Kooperation in der Kommunikation lebt, schafft nicht nur bessere Ergebnisse, sondern auch ein respektvolles Miteinander, das den Alltag erleichtert und Konflikte reduziert.

Über Site Communications

Stefan Ufertinger ist Gründer und Geschäftsführer von Site Communications. Zudem ist er allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Verdingungswesen, Leiter Bauwirtschaft bei Afry Austria sowie zertifizierter Lean Construction Manager. Site Communications berät Bauunternehmen in Sachen Kommunikation auf der Baustelle. Durch die gezielte Weiterentwicklung der einzelnen Projektbeteiligten hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die gesamte Baubranche von innen nach außen zu "gesunden".

Dieser Artikel erschien zuerst in der November-Ausgabe des Baugewerbe Magazins.

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