Biberdach
Deckung mit 4000 Bibern von Erlus
Der Besitzer eines Wohnhauses in der Tübinger Altstadt entschied sich aufgrund historischer Fotos und Skizzen zum Wiederaufbau eines Zwiebelturms, der mit roten Bibern gedeckt wurde.
Der neue Turm von oben: Die Deckung besteht aus 4000 Bibern, und in der Kugel befinden sich eine Tageszeitung, Geld sowie eine Liste aller Handwerker
© ErlusSeit Kurzem thront an einem der Wohnhäuser in Tübingen ein neuer Zwiebelturm. Dieser wurde auf Wunsch des Bauherrn nach alten Plänen und Fotos neu errichtet. Wie es zu dieser Kuriosität mit Holzvorfertigung bei der Firma Peetz-Bedachungen kam, ist interessant. „Gefertigt Tübingen 1911“ steht in geschwungenem Schriftzug unter der alten Bleistiftskizze. Sie zeigt das sechsstöckige Wohn- und Geschäftshaus in Tübingen, am Eck ab dem zweiten Stockwerk sind Erker zu sehen, die oben am Dach in einem Zwiebelturm münden. „Wahrscheinlich wurde der Zwiebelturm in den 1930er-Jahren entfernt“, erzählt Jürgen Höritzer. Vor ihm auf dem Schreibtisch liegen historische Aufnahmen des Gebäudes und Skizzen mit Zwiebelturm. Der Geschäftsführer von Peetz-Bedachungen ist Dachdecker- und Klempnermeister sowie Betriebswirt und betreute das Projekt in der Tübinger Altstadt. „Es kommt nicht oft vor, dass sich ein Bauherr – nachdem er alte Skizzen und Fotos gefunden hat –, wünscht, dass ein Turm, der keinen zusätzlichen Wohnraum bringt, wiederaufgebaut wird.“
Die Grate des Zwiebelturms wurden zwar gemörtelt, aber die eigentliche Gebrauchstauglichkeit wird erst durch die Nocken sichergestellt
© ErlusDer Eigentümer des Wohn- und Geschäftshauses beauftragte die Firma Peetz Bedachungen mit einem „schlüsselfertigen Zwiebelturm“. Der vier Meter hohe Zwiebelturm erhielt einen klassischen Aufbau mit Holzschalung, Unterdeckbahn sowie Konter- und Traglattung. Die rund 4000 naturroten 18/38er Biberschwanzziegel in Rundschnitt von Erlus – darunter auch 1000 konvexe – wurden alle auf die Traglatten gehängt und mit 4,5-mm-Holzschrauben zusätzlich gesichert. „Wir legten aufgrund der Erfahrung mit Hagelschäden im Raum Tübingen viel Wert darauf, zumindest 14,5 mm dicke Biber zu verwenden, die 40-mm-Hagelkörner abkönnen.“
Auszug aus dachbaumagazin 09.2024










