Steildach
Spezielle Biber für eine spezielle Dachlandschaft
Für die Dachsanierung der Stadtresidenz Landshut, einem Prachtbau aus der Renaissance, wurden Sonderbiber mit einem individuellen Brand in einer beeindruckenden Dicke von 22 mm angefertigt.
Luftbild der Stadtresidenz Landshut (von links): Marstall, Ländgasse (mit Kran), Küchenbau mit Blechdach, Italienischer Bau, Atrium und Deutscher Bau
© Erlus und Staatliches Bauamt LandshutDas Baudenkmal in der Landshuter Altstadt verlangte der Bauleitung viel Arbeit ab: Mehrere Bauabschnitte, Spezialkräne und kaum Platz für die Baustelleneinrichtung. Ein straffer Zeitplan war nötig, damit die Gebäude der Stadtresidenz pünktlich zur Landshuter Hochzeit Ende Juni 2023 fertiggestellt werden konnten. Vor allem die Dächer des italienisch anmutenden Bauwerks, das im Auftrag von Herzog Ludwig X. um 1540 errichtet wurde, hatten unter Umwelt- und Wettereinflüssen gelitten.
„Bei der Stadtresidenz Landshut inklusive der Hofstallung handelt es sich um einen denkmalgeschützten Gebäudekomplex des Freistaates Bayern“, erklärt Architekt Wilhelm Zett. „Die Planungsaufgabe bezüglich der Dachdeckung lautete, alle ziegelgedeckten Dächer denkmalgerecht zu sanieren und neu zu decken. Da es sich zum Teil um sehr hochwertig ausgestattete Räumlichkeiten handelt, wurden über allen Gebäuden Wetterschutzdächer gebaut. Die Traufhöhen der Gebäude liegen bei rund 20 m. Die Baustellenlogistik in der Altstadt samt Fußgängerzone und die Forderung eines Portalkrans in der Ländgasse stellten da schon eine gewisse Herausforderung dar.“
Seit 2020 sanierte das Staatliche Bauamt Landshut im Auftrag der Bayerischen Schlösserverwaltung die Stadtresidenz. Zuerst wurden dabei die Dachstühle des Italienischen Baus, der Übergang über die Ländgasse und das sogenannte Küchengebäude saniert. Vor allem Wasser hatte das Dach in den letzten Jahrhunderten beschädigt.
Brandschutz in der Altstadt
Die Besonderheiten bei der Ausführung des Dachs waren der Brandschutz und die Bauphysik, denn beide erforderten sehr viel Detailarbeit. Bei vielen Dächern wurden die historischen hölzernen Saumrinnen mit Kupferblech ausgekleidet. Auch das Kupferblechdach des Küchenbaus samt Dachstuhl aus dem Jahr 1780 konnte vollständig erhalten und saniert werden. Die Hinterlüftung des Dachraums und der Konterlattenebenen hatte höchste Priorität, allerdings natürlich unter Abwägung der brandschutztechnischen Forderungen. Vorgabe der Denkmalpflege war hier unter anderem ein aufgemörtelter Reiter, der auch als Lüfter funktioniert.
Eine besondere Herausforderung stellte der aktuelle Brandschutz dar: Da im ausgehenden Mittelalter weder Abstandsflächen noch die Betrachtung der Gesamtkonstruktion eine Rolle spielten, waren die Dächer einfach nur mit Ziegeln gedeckt. Gemäß den aktuellen Brandschutzanforderungen wurden die Gebäudetrenndächer zwischen dem Deutschen Bau und den Flügelbauten mit einer 25 mm dicken, glasfaserbewehrten Leichtbetonplatte als Unterlage der Vordeckung aus 0,7 mm dickem Kupferblech ausgeführt. Die Konterlatten (4 x 6 cm) wurden aus dem gleichen Material geschnitten wie die identisch dimensionierten Traglatten und die Traufbohlen. Letztere mussten aus Gründen der besseren Betretbarkeit mit einem Kupfer-U-Winkel eingefasst werden. Abschließend erhielten sämtliche Dachflächen eine neue, historisch anmutende Handschlagziegeldeckung. Damit konnte das Erscheinungsbild der Dachflächen vollständig erhalten bleiben, aber dennoch eine bis zu 5 m breite traufseitige Brandschutzschürze nach den aktuellen Anforderungen der bayerischen Bauordnung für Gebäudeklasse 5 (Sonderbauten) erreicht werden.
22 mm dicker Sonderbiber
„Wir haben bei der Wahl des richtigen Biberschwanzes berücksichtigt, dass hier aufgrund einer direkten Wärmequelle in Form der angrenzenden Isar häufige Frost- und Tauwechsel auf dem Dach zu erwarten sind“, erklärt Abteilungsleiterin Kathy Dörr vom Staatlichen Bauamt Landshut. Die Entscheidung für den Ergoldsbacher Sonderbiber von Erlus fiel nach reichlicher Überlegung und Bemusterung in Zusammenarbeit mit Experten der Bayerischen Schlösserverwaltung. Zu Planungsbeginn wurde ausführlich über das künftige Erscheinungsbild der Dachlandschaften mit der Denkmalpflege gesprochen, erinnert sich Architekt Wilhelm Zett. Auf den Dächern waren Biberdeckungen verschiedenster Arten und Dicken vorhanden. Ziel war es, eine einheitliche Deckung zu schaffen, die eine gewisse Lebendigkeit in Form und Farbe hat – und nicht das Erscheinungsbild eines Neubaus.
„Unsere größte Angst war, dass durch die Dachsanierung eine monotone, absolut ebene Dachfläche entsteht. Durch die Lebendigkeit des Sinterbrands bei 1200 °C und die bei dieser Brenntemperatur entstehende klinkerharte Qualität mit einer Wasseraufnahme von unter fünf Prozent waren wir uns aber sicher, den richtigen Ziegel gefunden zu haben.“ Auch die immer häufiger in Landshut auftretenden Hagelereignisse führten zur Materialdicke von historischen Handschlagbibern aus Feldbrandmeilern. Mit den ausgewählten 22 mm erreicht man heute die Hagelwiderstandsklasse 5 Plus.










