Grabenlos und effizient

Kai Ingmar Link,

Dommel saniert Dortmunder Kanal mit dem TIP-Verfahren

Die Sanierungstechnik Dommel GmbH hat in Dortmund-Asseln einen stark beschädigten Abwasserkanal aus dem Jahr 1938 erfolgreich instand gesetzt – mit dem grabenlosen TIP-Verfahren (Tight-In-Pipe). Die innovative Methode ermöglichte eine komplette Erneuerung der Rohrleitung DN 900, ohne den Straßenraum großflächig aufzureißen oder den Verkehr über längere Zeit zu beeinträchtigen.

Mit dem optimierten Tight-In-Pipe-Verfahren hat die Sanierungstechnik Dommel einen 225 Meter langen Kanalabschnitt im Dortmunder Stadtteil „Am Hagedorn“ saniert. © Dommel Sanierungstechnik

Unter der Straße Am Hagedorn verliefen seit Jahrzehnten Betonrohre, die das Abwasser in Richtung Norden leiteten. Nach einem Tagesbruch und der Diagnose „nicht begehbar, stark deformiert“ war eine offene Bauweise kaum vertretbar. Gemeinsam mit der Gelsenwasser AG, die im Auftrag der Stadt Dortmund die Projektträgerschaft für die Abwasserbeseitigung übernommen hatte, entschied man sich für eine grabenlose Sanierungslösung, die technische Präzision mit nachhaltiger Baupraxis verbindet.

Sanierung mit Blick auf Nachhaltigkeit und Infrastruktur

Die Kanalrohre aus dem Jahr 1938 waren nach fast einem Jahrhundert am Ende ihrer Lebensdauer angekommen. Eine offene Sanierung hätte tiefgreifende Eingriffe in den Straßenraum, die Gehwege und den Baumbestand bedeutet. Zudem lagen im betroffenen Bereich zahlreiche Versorgungsleitungen und Glasfaserkabel, die einen klassischen Aushub deutlich erschwert hätten.

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Die alten Betonrohe aus dem Jahr 1938 waren stark deformiert, nicht begehbar und wiesen erhebliche Schäden wie eindringendes Bodenmaterial © Dommel

Die Dommel-Spezialisten prüften mehrere Verfahren – darunter Schlauchlining und Wickelrohrlösungen –, die jedoch aufgrund unzureichender statischer Eigenschaften ausschieden. Auch ein Einzelrohr-Lining kam nicht in Frage, da der deformierte Kanal in DN 900 nicht mehr begehbar war. Das TIP-Verfahren bot sich als technisch und wirtschaftlich optimale Lösung an, um den Kanal zu erneuern, ohne den Straßenraum dauerhaft zu öffnen.

Das TIP-Verfahren: Präzision unter der Oberfläche

Beim Tight-In-Pipe-Verfahren werden neue Kunststoffrohre in die vorhandene Haltung eingezogen. In Dortmund kamen Vortriebsrohre aus Polypropylen (PP) mit einem Außendurchmesser von 840 Millimetern und einer Wandstärke von 39 Millimetern zum Einsatz. Die Rohre wurden abschnittsweise in die alten Betonrohre geschoben – mit einer speziell entwickelten Einschubeinheit, die bis zu 160 Tonnen Schub- und Zugkraft erzeugt.

Die Gruben wurde gezielt auf das notwendige Maß reduziert und ersparten so viele Kubikmeter Bodenaushub und -transporte. © Dommel

Dommel setzte auf eine modulare Plug-and-Play-Anlage, deren Hydraulikeinheiten flexibel kombiniert werden können. Ein eigens gefertigter, konischer Kaliberkopf glättete die vorhandenen Deformationen im Altrohr und bereitete den Weg für das neue System. Dadurch konnte selbst die große Nennweite DN 900 sicher und passgenau erneuert werden.

Die Baugruben wurden so dimensioniert, dass sie sowohl die Maschinentechnik als auch stabile Widerlager für die Vorschubkräfte aufnehmen konnten. Trotz der komplexen Bedingungen mit querenden Leitungen und engem Bauraum verlief die Sanierung planmäßig und präzise.

Kurze Bauzeit, minimale Beeinträchtigung

Während die Rohre in der Startbaugrube mit bis zu 80 Tonnen in den Kanal geschoben wurden, unterstützte eine 80-Tonnen-Berstanlage den Rohreinbau mit Zugkraft. © Dommel

Der 225 Meter lange Kanalabschnitt wurde in rund acht Wochen vollständig erneuert. Im Anschluss öffnete das Dommel-Team 35 Zuläufe und band sie mithilfe von Einschweißsätteln ebenfalls grabenlos an. Die gesamte Bauzeit betrug rund fünf Monate – bemerkenswert kurz für ein Projekt dieser Größenordnung.

Während der Arbeiten blieb die Straße Am Hagedorn für den Verkehr weitgehend offen. Dank des grabenlosen Ansatzes blieben Lärmbelastung, Staub und Verkehrsbehinderungen auf ein Minimum beschränkt. Die Anwohner profitierten von einer schnellen und sauberen Sanierung, die zugleich die Lebensdauer der Kanalinfrastruktur um Jahrzehnte verlängert.

Langfristig gesicherte Abwasserentsorgung

In einer Zwischenbaugrube wurden zwei Rohrstränge sicher miteinander verbunden. © Dommel

Mit der abgeschlossenen Sanierung ist der Abwassertransport in Dortmund-Asseln für die kommenden Jahrzehnte gesichert. Die neuen Polypropylen-Rohre sind korrosionsbeständig, langlebig und wartungsarm. Durch den gezielten Einsatz des TIP-Verfahrens konnte Dommel eine nachhaltige Lösung umsetzen, die den Anforderungen an Kosteneffizienz, Umweltverträglichkeit und bauliche Stabilität gleichermaßen gerecht wird.

Die neu eingesetzten Rohre sind speziell für hohe Beanspruchungen und schwere Erdlasten konstruiert, sodass die strukturelle Integrität des Kanals über Jahrzehnte hinweg gesichert ist. © Dommel

Für die Gelsenwasser AG und die Stadtentwässerung Dortmund zeigt das Projekt beispielhaft, wie moderne Sanierungstechnologien helfen, bestehende Infrastrukturen zu erhalten, ohne die Oberfläche massiv zu beeinträchtigen. So werden Ressourcen geschont und Verkehrsbeziehungen intakt gehalten – ein entscheidender Vorteil in urbanen Räumen mit dichtem Leitungsnetz.

Grabenlose Sanierung als Zukunftsmodell

Nach der Sanierung mit dem TIP-Verfahren ist der DN-900-Kanal wieder tragfähig und dicht. Auch die Seitenzuläufe wurden grabenlos angebunden. © Dommel

Das Dortmunder Projekt zeigt, wie Dommel durch technologische Innovation und präzises Engineering nachhaltige Lösungen im Bereich der Kanal- und Abwassersanierung realisiert. Das TIP-Verfahren verbindet Wirtschaftlichkeit, Umweltbewusstsein und technische Leistungsfähigkeit – und ist ein Beispiel dafür, wie sich selbst jahrzehntealte Kanalnetze ohne Großbaustellen zukunftssicher erneuern lassen.

Dank des grabenlosen TIP-Verfahrens konnte der Kanal saniert werden, ohne dass die Straße großflächig gesperrt werden musste. Anwohner und Durchgangsverkehr wurden kaum beeinträchtigt und schützenswerte Bäume blieben erhalten. © Dommel

Damit unterstreicht Dommel seine Kompetenz im grabenlosen Tiefbau – und liefert zugleich ein Modell für Kommunen, die ihre alternde Infrastruktur effizient, umweltgerecht und mit minimaler Belastung für Bürger und Verkehr modernisieren wollen.

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