Sanierung
Grabenlose Kanalsanierung in Backnang
Die Sanierung von Mischwasserkanälen im innerstädtischen Bestand zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben der kommunalen Infrastruktur. Enge Platzverhältnisse, hohe Verkehrsbelastung und ein kontinuierlicher Betrieb der Entwässerungssysteme lassen kaum Spielraum für konventionelle Bauweisen. In Backnang entschied sich die Stadtentwässerung daher bewusst für eine grabenlose Kanalsanierung. In der Stuttgarter Straße wurde ein stark geschädigter Abschnitt eines Mischwasserkanals mithilfe des TIP-Verfahrens erneuert. Die Ausführung übernahm die Sanierungstechnik Dommel GmbH.
Auf einer Länge von rund 104 Metern wurden drei Kanalhaltungen aus Steinzeug mit Nennweiten DN 300 und DN 350 saniert. Trotz des schlechten baulichen Zustands der Altrohre blieb die vorhandene Trasse vollständig erhalten. Die hydraulische Leistungsfähigkeit des Kanals konnte nahezu unverändert gesichert werden – ein entscheidender Faktor im stark frequentierten Stadtzentrum von Backnang.
Schadensbild und Rahmenbedingungen als Entscheidungsgrundlage
Die untersuchten Mischwasserkanäle wiesen ein breites Spektrum an strukturellen Schäden auf. Dazu zählten Rissbildungen, punktuelle Undichtigkeiten, Rohrbrüche, Versätze sowie Wurzeleinwüchse und verfestigte Ablagerungen. Hinzu kam die innerstädtische Lage mit hoher Verkehrs- und Fußgängerfrequenz, die umfangreiche Tiefbaumaßnahmen wirtschaftlich und organisatorisch kaum zuließ.
Vor diesem Hintergrund fiel die Wahl auf die grabenlose Sanierungstechnik Dommel und das Tight-In-Pipe-Verfahren. Bereits im Vergabeverfahren legte der Auftraggeber großen Wert auf eine klar definierte Ausführungsqualität. Kritische Arbeitsschritte wurden vertraglich präzisiert und während der Bauphase konsequent überwacht. Nach einer beschränkten Ausschreibung erhielt Dommel im Frühjahr 2025 den Auftrag, die Umsetzung erfolgte im Sommer desselben Jahres.
TIP-Verfahren als technische Lösung für komplexe Kanalgeometrien
Das TIP-Verfahren, auch als Einzelrohrlining ohne Ringraum bekannt, bindet die bestehende Rohrsubstanz aktiv in das neue statische System ein. In Backnang kamen selbsttragende Polypropylenrohre zum Einsatz, die passgenau in die Altleitungen eingebracht wurden. Durch das enge Anliegen an der vorhandenen Rohrwand bleibt der Querschnitt nahezu vollständig erhalten – ein wesentlicher Vorteil gegenüber anderen grabenlosen Verfahren.
Eine vorgeschaltete Kalibrierung stellte sicher, dass vorhandene Deformationen und Versätze zurückgeformt wurden. Auf diese Weise konnte der kreisrunde Rohrquerschnitt wiederhergestellt werden, selbst dort, wo die Altrohre nicht nur verformt, sondern auch unregelmäßig verlaufend eingebaut waren. Die eingesetzten TIP-Rohre sind statisch eigenständig tragfähig und für eine technische Nutzungsdauer von deutlich über mehreren Jahrzehnten ausgelegt. Ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber chemischen und mechanischen Belastungen prädestiniert sie für den Einsatz in Mischwasserkanälen.
Anschlussintegration unter laufendem Betrieb
Ein wesentlicher Bestandteil der Maßnahme war die fachgerechte Anbindung bestehender Hausanschlüsse. Mehrere Anschlüsse wurden direkt an die neu eingebauten Rohre integriert. Dabei kamen sowohl Harzinjektionsverfahren als auch verschweißte Sattelverbindungen zum Einsatz, abhängig von Nennweite und Bestandssituation. Einzelne Anschlüsse blieben bewusst unangebunden, da ihre Erneuerung in einem späteren Bauabschnitt in offener Bauweise vorgesehen ist.
Sämtliche Anschlussarbeiten erfolgten unter Kamerabeobachtung und wurden dokumentiert. So konnte sichergestellt werden, dass die Dichtheit und Funktionalität des sanierten Systems unmittelbar nach Abschluss der Arbeiten gegeben war.
Vorbereitung, Qualitätssicherung und Betriebssicherheit
Der Erfolg grabenloser Sanierung steht und fällt mit der Vorbereitung. In Backnang wurden die Kanäle vorab intensiv gereinigt, Ablagerungen und Hindernisse mechanisch entfernt und der Leitungsverlauf vollständig freigelegt. Zusätzlich mussten die Gerinne in den Schächten zurückgebaut werden, um den Einbau der TIP-Module zu ermöglichen. Nach Abschluss der Sanierung stellte Dommel die Schächte in Klinkerbauweise wieder her und sicherte so die ursprüngliche Geometrie und hydraulische Leistungsfähigkeit.
Während der Bauphase blieb das Kanalnetz durch eine exakt abgestimmte Abflusslenkung vollständig in Betrieb. Leistungsstarke Pumpen, verschiebesichere Schlauchbrücken und eine kontinuierliche Überwachung verhinderten Rückstaus und Beeinträchtigungen angrenzender Grundstücke. Auch unter diesen Bedingungen konnte die Sanierung zügig und kontrolliert umgesetzt werden.
Baukoordination im innerstädtischen Umfeld
Die Sanierung erfolgte unter laufendem Verkehr. Punktuelle Sperrungen einzelner Fahrspuren, Abbiegebeziehungen und Parkflächen waren notwendig, konnten jedoch zeitlich begrenzt und präzise koordiniert umgesetzt werden. Für Anwohner und Gewerbetreibende blieben die Einschränkungen dadurch überschaubar.
Das Projekt in Backnang zeigt exemplarisch, wie sich moderne grabenlose Kanalsanierung mit dem TIP-Verfahren auch unter komplexen Rahmenbedingungen bewährt. Die Kombination aus technischer Leistungsfähigkeit, kurzer Bauzeit und minimalen Eingriffen in den Stadtraum macht das Verfahren zu einer zukunftsfähigen Lösung für die Erneuerung von Mischwasserkanälen. Für Kommunen und Bauverantwortliche liefert die Maßnahme ein praxisnahes Beispiel dafür, wie nachhaltige Sanierung wirtschaftlich und betriebssicher umgesetzt werden kann.












