Alternative Antriebe

Kai Ingmar Link,

Liebherr, MAN und Daimler Truck erproben emissionsarmen Praxiseinsatz

Liebherr, MAN und Daimler Truck zeigen im Kieswerk, wie Wasserstoffmotoren schwere Maschinen und Baustellenfahrzeuge emissionsarm antreiben können.

Gemeinsame Sache: Sowohl die Nutzfahrzeuge von MAN und Daimler Truck als auch der Liebherr-Radlader arbeiten allesamt mit einem Wasserstoffmotor. © Liebherr

Wasserstoff auf der Baustelle: Liebherr, MAN und Daimler Truck erproben emissionsarmen Praxiseinsatz

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Arbeitseinsatz kaum vom üblichen Betrieb in einem Kieswerk: Ein Großradlader bewegt Gesteinsmaterial und belädt schwere Baustellenfahrzeuge. Der entscheidende Unterschied liegt im Antrieb. Der Radlader von Liebherr sowie die Fahrzeuge von MAN und Daimler Truck arbeiten mit Wasserstoffmotoren.

Der von der Allianz Wasserstoffmotor initiierte gemeinsame Einsatz zeigt, wie sich Wasserstoff bei anspruchsvollen Arbeiten in der Erdbewegung und im Materialtransport nutzen lässt. Zugleich macht das Projekt deutlich, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit aus einzelnen Testeinsätzen ein regulärer Baustellenbetrieb werden kann.

Drei Wasserstofffahrzeuge im gemeinsamen Arbeitseinsatz

Im Münchner Kieswerk arbeitet der Liebherr-Großradlader L 566 H Seite an Seite mit dem MAN hTGX und einem Entwicklungsträger von Daimler Truck auf Basis des Mercedes-Benz Arocs.

Der L 566 H ist der erste Prototyp eines Großradladers mit Liebherr-Wasserstoffmotor. Beim MAN hTGX handelt es sich um ein Fahrzeug, das bereits bestellbar ist und in Kleinserie gefertigt wird. Daimler Truck beteiligt sich mit einem wasserstoffbetriebenen Entwicklungsfahrzeug.

Anzeige

Die Maschinen übernehmen Aufgaben, die im Kieswerk zum normalen Arbeitsalltag gehören. Der Radlader beschickt Anlagen mit Gesteinsmaterial und belädt die Lkw. Die Fahrzeuge transportieren das Material weiter. Damit wird der Wasserstoffantrieb nicht unter isolierten Testbedingungen, sondern innerhalb eines realitätsnahen Arbeitsprozesses eingesetzt.

Wasserstoffmotor soll ohne besondere Einsatzplanung auskommen

Für Bauunternehmen ist nicht allein entscheidend, ob eine alternative Antriebstechnologie grundsätzlich funktioniert. Sie muss sich auch in bestehende Abläufe integrieren lassen, ausreichende Einsatzzeiten ermöglichen und planbar betankt werden können.

Beim Testeinsatz ist auch ein wasserstoffbetriebener Entwicklungsträger auf Basis des Mercedes-Benz Arocs von Daimler Truck im Einsatz. © Daimler Truck

Nach Angaben von Liebherr kann der wasserstoffbetriebene Radlader vergleichbar mit einer konventionellen Dieselmaschine eingesetzt werden.

„Das Besondere ist, dass unser Radlader genau gleich eingesetzt werden kann wie eine konventionelle Dieselmaschine. Es ist keine spezielle Einsatzplanung notwendig, da der Radlader die ganze Schicht durchhält und danach mit einer Schnellbetankung von 10-15 Minuten wieder einsatzfähig ist“, erklärt Hans Knapp, Leiter der Abteilung Vorentwicklung und Antriebstechnik bei der Liebherr-Werk Bischofshofen GmbH.

Liebherr hatte den Prototyp im Sommer 2024 in Bischofshofen gemeinsam mit einer werkseigenen Wasserstofftankstelle erstmals einem Fachpublikum vorgestellt. Es folgte die Präsentation auf der Bauma 2025. Nach Angaben des Unternehmens wird der L 566 H inzwischen in mehreren Exemplaren bei unterschiedlichen Kunden getestet.

Der Einsatz im Kieswerk ist damit Teil eines schrittweisen Übergangs von der Entwicklung in die betriebliche Erprobung.

Wasserstoff für hohe Lasten und große Energiebedarfe

Nicht jede Antriebstechnologie eignet sich gleichermaßen für jede Maschine und jedes Lastprofil. Liebherr verfolgt deshalb einen technologieoffenen Ansatz.

Wasserstoff wird insbesondere für schwere und anspruchsvolle Einsätze betrachtet, bei denen hohe Energiebedarfe und größere Reichweiten erforderlich sind. Als Vorteile nennt der Hersteller robuste Komponenten und die Speicherfähigkeit des Energieträgers.

Nach umfangreichen Untersuchungen identifizierte das Entwicklungsteam des Liebherr-Werks Bischofshofen Wasserstoff als geeignete Alternative zum Dieselantrieb für schwere Fahrzeuge mit hohem Energiebedarf.

Beim Einsatz von grünem Wasserstoff ermöglichen Wasserstoffmotoren nach Angaben aus dem Projekt einen weitgehend CO2-freien Betrieb bei sehr geringen Stickoxidemissionen. Gleichzeitig sollen sie einen hohen Wirkungsgrad erreichen.

Damit positioniert sich der Wasserstoffmotor nicht als Universallösung für jede Baustelle, sondern als mögliche Option für Einsatzbereiche, in denen hohe Lasten, lange Betriebszeiten und schnelle Betankung zusammenkommen.

Vom Prototyp bis zum bestellbaren Fahrzeug

Der L 566 H ist der erste Prototyp eines Liebherr-Großradladers mit Wasserstoffmotor. © Liebherr

Der gemeinsame Arbeitseinsatz zeigt zugleich, wie unterschiedlich weit die Entwicklung bei Baumaschinen und Nutzfahrzeugen fortgeschritten ist.

Während sich der Liebherr-Radlader noch im Entwicklungsstadium befindet, ist der MAN hTGX bereits bestellbar und wird in einer Kleinserie gefertigt. MAN sieht das Fahrzeug neben dem batterieelektrischen MAN eTGX als zweite emissionsfreie Antriebsalternative.

Für den praktischen Einsatz ist entscheidend, dass sich das Fahrzeug für den Fahrer möglichst wenig von bekannten Lösungen unterscheidet.

Peter Albrecht, Senior Manager Engineering Vehicle & External Engines der MAN Truck & Bus SE, erklärt: „Das Fahrverhalten des Motors ist vergleichbar mit dem des Dieselmotors. Wir haben auch die entsprechenden Assistenzsysteme und Getriebe-Automatismen wie im konventionellen Dieselfahrzeug.“

Auch Daimler Truck erprobt den Wasserstoffmotor unter realen Einsatzbedingungen. Der Entwicklungsträger auf Basis des Mercedes-Benz Arocs soll sich flexibel für den Baustellenbetrieb einsetzen lassen.

Mirco Conitz, Lead Engineer H2 ICE der Daimler Truck AG, ergänzt: „Unser Entwicklungsträger auf Basis des Mercedes-Benz Arocs arbeitet zudem leiser als sein dieselbetriebenes Pendant.“

Die Aussagen verdeutlichen, woran die Hersteller ihre Entwicklungen ausrichten: Alternative Antriebe müssen nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch bei Fahrverhalten, Bedienung und Arbeitsleistung in den bestehenden Betrieb passen.

Kooperation verbindet Maschinen, Fahrzeuge und Infrastruktur

Der gemeinsame Einsatz wurde durch die Allianz Wasserstoffmotor ermöglicht. Der 2021 gegründete Verbund bringt Automobilunternehmen, Zulieferer, Ingenieure unterschiedlicher Fachrichtungen und Forschungsinstitute zusammen.

In einem Kieswerk bei München belädt der mit Wasserstoff betriebene Radlader effizient und leistungsstark einen H2-Lkw. © Liebherr

Das Kieswerk dient dabei als gemeinsame Praxisfläche für Maschinen und Fahrzeuge verschiedener Hersteller. Der Versuch zeigt, dass eine emissionsarme Baustellenlogistik nicht nur vom einzelnen Fahrzeug abhängt. Sie entsteht durch das Zusammenspiel von Baumaschinen, Transportfahrzeugen, Betankung und abgestimmten Arbeitsprozessen.

Die Kooperation von Liebherr, MAN und Daimler Truck macht zugleich sichtbar, dass sich technologische Entwicklungen über Unternehmensgrenzen hinweg verbinden lassen. Gemeinsame Tests können Erkenntnisse liefern, Schnittstellen sichtbar machen und die Übertragung in die Praxis unterstützen.

Fehlende Infrastruktur bleibt der zentrale Engpass

So deutlich der Testeinsatz die technische Einsatzfähigkeit zeigt, so klar benennt das Projekt auch die offenen Voraussetzungen.

Damit Wasserstoffmotoren auf Baustellen und im Schwerlastverkehr breiter genutzt werden können, braucht es ein flächendeckendes Wasserstoff- und Transportnetz. Hinzu kommt die Forderung nach einem wirtschaftlich tragfähigen Wasserstoffpreis.

Ohne ausreichende Betankungsmöglichkeiten bleibt die Einsatzplanung auf bestimmte Standorte oder klar abgegrenzte Projekte beschränkt. Die Technik allein reicht daher nicht aus, um Wasserstoff dauerhaft in den Baustellenbetrieb zu bringen.

Für Bauunternehmen wird die Entscheidung für einen Wasserstoffantrieb damit nicht nur von Maschinenleistung, Reichweite oder Betankungsdauer abhängen. Ebenso entscheidend sind die regionale Versorgung, die Kosten des Energieträgers und die Verlässlichkeit der Infrastruktur.

Technisch möglich, strukturell noch nicht flächendeckend

Der gemeinsame Einsatz von Liebherr, MAN und Daimler Truck zeigt, dass Wasserstoffmotoren bereits heute anspruchsvolle Aufgaben in der Erdbewegung und im Materialtransport übernehmen können. Die Fahrzeuge arbeiten unter realitätsnahen Bedingungen und sollen sich bei Einsatzdauer, Fahrverhalten und Arbeitsleistung an konventionellen Dieselmaschinen orientieren.

Für schwere Maschinen mit hohem Energiebedarf, großen Reichweiten und kurzen Betankungsfenstern kann Wasserstoff damit eine relevante Antriebsoption sein. Der Praxistest belegt jedoch zugleich, dass eine emissionsarme Baustelle nicht allein durch neue Motoren entsteht.

Erst wenn Fahrzeuge, Baumaschinen, Betankung, Wasserstoffversorgung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zusammenpassen, kann aus dem demonstrierten Einsatz ein skalierbares Modell für die Bauwirtschaft werden. Für Bauunternehmen und Flottenbetreiber bleibt deshalb neben der technischen Entwicklung vor allem eine Frage entscheidend: Wie schnell entsteht die Infrastruktur, die einen verlässlichen Einsatz über einzelne Pilotprojekte hinaus ermöglicht?

Die Zukunft der Baubranche: Elektrische Antriebe und innovative Lösungen

Alternative Antriebe sind nur eine Initiative der Baubranche, trotz Krise neue Wege für eine nachhaltige Zukunft zu finden. Elektro-Motoren, Wasserstoffmotoren und Hybridantriebe werden immer mehr entwickelt, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und CO2-Neutralität zu erreichen. Doch damit stößt der Innovationsgeist der Branche noch lange nicht am Ende.

Neue Wege aus der Baukrise

Deutschland steht im Jahr 2025 vor einer seiner tiefgreifendsten wirtschaftlichen Herausforderungen: der anhaltenden Baukrise. Was sich schon in den Vorjahren abzeichnete, hat sich nun zu einem Flächenbrand entwickelt – mit dramatischen Folgen für Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte und den sozialen Zusammenhalt. Bauunternehmen bremsen Investitionen, Projekte werden gestrichen, Mieter suchen vergeblich nach bezahlbarem Wohnraum. Die Krise ist nicht länger ein Problem einzelner Branchen – sie ist ein gesamtgesellschaftliches Thema geworden.

Chancen für die Bauwirtschaft

Die Baubranche durchlebt derzeit eine ungewöhnlich Krise, die viele Unternehmen mit Sorgen und Unsicherheit erfüllt. Die Ursachen sind vielfältig: Angefangen bei einer schwächelnden Konjunktur bis hin zu politischen Unsicherheiten. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Aufträge zu erfüllen und gleichzeitig die Zukunft ihrer Mitarbeitenden zu sichern. In dieser Zeit der Krise möchte das Baugewerbe Magazin die Stimme der Bauunternehmen stärken und hat die Aktion BauZukunft ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist es, den Unternehmen ein Forum zu bieten, um ihre Wünsche und Forderungen an Politik und Gesellschaft zu kommunizieren.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Baugedanken

Im Rückenwind

Seit langer Zeit spüre ich in der Bauwirtschaft wieder so etwas wie Bewegung. Nicht das hektische Zittern einer Branche im Krisenmodus, sondern ein vorsichtiges Anlaufen eines Motors, der lange im Leerlauf stand.

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren