Sanierung

Rita Jacobs,

Energetisches Update und neuer Wohnraum

In München wurden zwei Mehrfamilienhäuser aus den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgestockt und mit serieller Sanierung auf den aktuellen energetischen Stand gebracht. Großformatige Faserzement-Fassadentafeln schaffen eine Hülle, die langlebig, nachhaltig und wirtschaftlich ist.

Nach der Aufstockung und Sanierung mit vorgefertigten Holzfassaden liegt der Energieverbrauch bei 30 bis 50 kWh/m² © James Hardie

Eine Art "Gamechanger" soll es sein, das Prinzip der seriellen Sanierung mit vorgefertigten Holzfassaden nach dem Beispiel des niederländischen "Energiesprong"-Konzeptes. Ziel ist, zunächst große Wohnbestände – vor allem Mehrfamilienhäuser aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren – effizient, schnell und kostengünstig zu modernisieren. Statt eine Summe vieler Einzelleistungen auszuführen, werden für die Objekte seriell skalierbare Lösungen für Fassade und Dach entwickelt und als Gesamtpaket realisiert.

In München wurden zwei Mehrfamilienhäuser aufgestockt und mit serieller Sanierung auf den aktuellen energetischen Stand gebracht © James Hardie

Das Prinzip vereinfacht und beschleunigt die Planungs- und Herstellungsprozesse durch ein hohes Maß an Vorfertigung in den Werkstätten der Holzbauunternehmen und sorgt so auf der Baustelle für eine Reduzierung des bislang sehr hohen Anteils handwerklicher Arbeit. Auf diese Art und Weise wird nicht nur eine nachhaltige, kreislaufwirtschaftsfähige Sanierung zu deutlich geringeren Kosten realisiert, sondern auch eine zeitlich und finanziell bessere Planbarkeit von Maßnahmen erreicht. Zudem profitieren sowohl Bauherren als auch Bewohner – die Maßnahmen werden oft im bewohnten Bestand ausgeführt - von deutlich kürzeren Baustellenzeiten. Eine Fülle von Vorteilen also.

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München macht’s vor

In München, wo Wohnraum bekanntlich besonders knapp und teuer ist, wurden unlängst zwei fünfgeschossige Punkthäuser der Münchener Baugenossenschaft Hartmannshofen e.G. von der B&O Bau Bayern GmbH seriell nach dem Energiesprong-Prinzip saniert und um drei zusätzliche Stockwerke in klimaneutraler Holzmassiv- und Holzrahmenbauweise nachverdichtet. Zu den 50 Bestandswohnungen kommen so 24 großzügige Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von rund 1900 m² hinzu. Der Anbau von Aufzügen ermöglicht zukünftig auch für die Bewohner der Bestandswohnungen einen barrierefreien Zugang zu ihren Wohnungen.

Dank der Förderungen nach dem Förderprogramm München Modell-Genossenschaften profitieren von dieser Maßnahme vor allem Haushalte mit mittlerem Einkommen und mehreren Kindern. Die zusätzlichen Mieteinnahmen leisten zudem einen wesentlichen Beitrag zur Refinanzierung der Sanierungsmaßnahme.

Typische 60er-Jahre-Architektur

Aufstockung und Bauen im Bestand: Rund 1900 m² neue Wohnfläche brachten so manche logistische Herausforderung © James Hardie

Die Fassaden der beiden Münchener Punkthäuser sind typisch für die Siedlungsarchitektur der 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Eine Dämmung wurde auf der in Massivbauweise erstellten Gebäudehüllte bislang nicht aufgebracht. Durch die jetzt realisierte Maßnahme jedoch konnte in Kombination mit einer Wärmepumpe für die Häuser ein klimaneutraler Status erreicht werden. Dazu erhält die Bestandsfassade statt eines klassischen Wärmedämm-Verbundsystems eine neue Hülle aus Holzrahmenelementen, die bereits mit fertig eingebauten Fenstern quasi wie eine Schale vor der Fassade der Bestandsbauten montiert wird. Die vorhandenen Balkone mussten dafür abgeschnitten werden. Sie werden später durch neue, thermisch getrennte, ersetzt.

Die geschosshoch unter idealen Bedingungen in den Werkstätten der Huber & Sohn GmbH & Co. KG aus Eiselfing vorgefertigten Fassadenelemente bestehen aus einem Holzrahmenbau (160 mm) sowie einer Gefachdämmung aus Mineralwolle WLG 035, die dicht zwischen den Ständern verlegt wird. Die Konstruktion wird außenseitig geschlossen mit Fermacell-Gipsfaserplatten (18 mm) und einer Fassadenschutzfolie mit waagerecht aufgebrachter Lattung aus Nadelholz zur abschließenden Befestigung der Fassadenbekleidung. Die Dämmung des Hohlraums zwischen den neuen, vorgesetzten Fassadenelementen und der alten Fassade des Bestandsbaus erfolgt mit 90 mm Mineralwolle WLG 035.

Schwer entflammbare Fassade

Die Ablastung der vertikalen Lasten der Wände erfolgte für jedes der fünf Geschosse über Konsolen am Sockel © James Hardie

Ursprünglich war vorgesehen, die gesamte Fläche der neuen Fassade mit einer Holzschalung auszustatten. Da aber die Nordseite der Gebäude für die Feuerwehr nicht erreichbar war, wurde für diesen Bereich eine schwer entflammbare Fassadenbekleidung gefordert. Die Wahl fiel schließlich auf Hardie Architectural Panel Fassadentafeln mit der Oberflächenvariante gebürsteter Beton.

Die großformatigen Fassadentafeln aus Faserzement (3048 mm x 1220 mm) sind nicht brennbar (Baustoffklasse A2-s1, d0) und können somit für Fassaden in allen Gebäudeklassen eingesetzt werden. Die Oberflächen sind pflegeleicht, witterungsbeständig und mit einem lichtbeständigen Farbfinish ausgestattet, so dass langlebige Lösungen realisiert werden können, die nachhaltig sind. Dazu sorgen geringe Wartungskosten über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes für hohe Wirtschaftlichkeit.

Umweltbewusstes Bauen

Zudem erfüllen die Fassadentafeln die Anforderungen an nachhaltiges Bauen. Hersteller James Hardie verwendet für seine neue Produktgeneration "Plank" und "Panel" einen Faserzement mittlerer Dichte. Das reduziert die CO2-Emissionen erheblich. Die nachhaltigen Eigenschaften dieser Fassadenlösungen wurden mit der Environmental Product Declaration (EPD) zertifiziert. Die EPD gewährleistet, dass die Fassadentafeln an allen Gebäuden installiert werden können, die gemäß der Gebäudezertifizierungssysteme von DGNB, BNB, BREEAM und LEED bewertet werden sollen.

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