Konstruktion
Hortus Ludi - Alles dreht sich um Nachhaltigkeit
Die Gebäude des Bauprojektes Hortus Ludi verzichten auf teure Kellergeschosse und fußen auf einer Stahlbetonplatte. Während die unbehandelte Holzfassade von einer senkrechten 18 mm starken Lattung aus Kiefer bestimmt wird, besteht die tragende Konstruktion komplett aus CLT.
Was die Häuser von außen versprechen, halten sie auch in ihrer Konstruktion: Holz ist das bestimmende Mittel der Wahl. Die senkrechte, mehrfach horizontal unterteilte Kieferlattung prägt den Eindruck des Gebäudes. Hellgrüne Holzfensterrahmen bietet einen angenehmen, nicht zu starken farblichen Kontrast zur Fassade und haben einen besonderen Hintergrund: Sie orientieren sich an der Farbe der Fensterrahmen der ehemaligen Klosteranlage.
Die Gebäude verzichten auf teure Kellergeschosse und fußen auf einer Stahlbetonplatte. Während die unbehandelte Holzfassade von einer senkrechten 18 mm starken Lattung aus Kiefer bestimmt wird, besteht die tragende Konstruktion komplett aus CLT. Der Wandaufbau sieht eine 12,5 mm starke Fermacell-Platte als innere Sichtebene vor. Dahinter verbirgt sich in den Außenwänden eine 120 mm starke CLT-Platte, die mit 180 mm Steinwolle gedämmt ist. Vor der Dämmlage befinden sich eine wasserabweisende Schicht ein druckimprägnierte, schwarz lackierte Tragschicht für das Fassadenmaterial und die feuerhemmend behandelte Holzverkleidung. Der Deckenaufbau aus CLT-Elementen ist ebenfalls möglichst einfach und schlank gehalten. Dies führt zu Sichtholzdecken, die den natürlichen Charakter des Hauses unterstreichen. Die Deckenkonstruktion erfordert einen Träger und Stützen mitten im Raum, um den geforderten schlanken Aufbau zu ermöglichen.
Nistboxen unter dem Dach
Die ungewöhnlichsten Details befinden sich jedoch in Traufhöhe. Insgesamt 127 Nistboxen für verschiedene Tiere wurden in die Fassade integriert und sind von außen nur als umlaufender Fries mit quadratischen Ornamenten zu sehen. Hinter der kleinen Öffnung in der Mitte befinden sich ovale und runde Einfluglöcher unterschiedlicher Größe – von 28 bis 35 mm – die sich optimal an die Anforderungen von Schwalben, Blaumeisen, Kohlmeisen und Spatzen anpassen. Eine Besonderheit sind die schlitzartigen Einfluglöcher für die Fledermäuse. Hinter der nur 20 mm hohen, länglichen Aussparung befindet sich eine 30 mm schmale und 65 cm aufgehende Höhle – das perfekte Fledermausdomizil. Die Nistkästen wurden zügig erobert: Noch bevor die ersten Menschen ihre Wohnungen bezogen hatten, hatten die Tiere das Haus schon besiedelt. Futter finden sie im besten Fall gleich über der „Haustür“: Die begrünten Schrägdächer begünstigen nicht nur das Klima im Haus, sondern bieten auch eine naturnahe Anmutung. Die Dachform mit dem „Flachdach“ oberhalb der schrägen Flächen folgt übrigens auch einem Vorbild und nimmt die Dachform des alten Schulgebäudes auf.
Blick ins Innere
Der Blick auf die Grundrisse der Häuser offenbart einige interessante Ansätze. Mit dem klassischen Reihenhaus hat die Wohnungsaufteilung nur die Grundzüge gemein. Der Eingangsbereich bietet gleich neben der Tür Raum für, wie sollte es in den Niederlanden auch anders sein, Fahrräder. Auch eine Garderobe kann hier ihren Raum finden. Vom Vorraum zugänglich ist auch ein WC. Der „Rest“ des Erdgeschosses ist ein riesiger, offener Raum mit einer Galerie zum Obergeschoss auf der Straßenseite. In dieser Etage finden Küche, ein Essbereich und eine offene Treppe, die ins erste OG führt, Platz. Ein wenig privater geht es eine Etage höher zu: Die Wohnzone setzt sich hier fort mit einem guten Ort für Couch, Lesesessel oder einen Arbeitsbereich. Erst im zweiten Obergeschoss befinden sich drei Schlafzimmer, ein Bad und ein separates WC. Auch unter dem Dach ist Platz genug für ein großzügiges Studio, einen kleineren Raum und ein Bad.
Spezielle Bewohnerschaft
Eines sehen die Architekten sehr klar in der Bewohnerschaft: Hortus Ludi ist ein Ensemble für Menschen, die gezielt eine neue Art des Bauens und Wohnens gesucht haben: dem Gedanken der Kreislaufwirtschaft verbunden, klimaanpassungsfähig und mit der Natur in Einklang lebend. Um einen Überblick über die konkreten Folgen des Holzbaus zu erhalten und den künftigen Bewohnern auch belastbare Zahlen an die Hand zu geben, haben sie das Bureau Bouwfysica beauftragt, GPR-Berechnungen durchzuführen. Das Verfahren bewertet die Nachhaltigkeit von Gebäuden zur Identifizierung von Verbesserungspotenzialen im Entwurfsprozess. Diese Berechnung liefert eine GPR-Punktzahl für Gebäude basierend auf verschiedenen Kriterien, darunter Energieeffizienz, Umweltleistung, Gesundheit, Nutzungsqualität und Zukunftswert. Diese Berechnung stellt dem Projekt ein gutes Zeugnis aus: Hortus Ludi spart 76 551 kg CO2-Emissionen pro Haus im Vergleich zu traditionell gebauten Häusern ein. Dies entspricht dem CO2-Ausstoß, der entsteht, wenn man mit einem Pkw 209 Runden (19 pro Haus) um die Erde fährt – ein Ergebnis, das nicht nur die Bewohner überzeugt.
Gebaute Nachhaltigkeit
Der Nachhaltigkeitsgedanke zeigt sich auch in den Außenanlagen. Auch hier dreht sich alles um Nachhaltigkeit. Von begrünten Dächern und Rigolen für die allmähliche Versickerung von überschüssigem Regenwasser bis hin zu einem Bepflanzungsplan, der das Wachstum einheimischer Arten fördert. Tatsächlich war das Leben in der Natur der Ausgangspunkt für die gesamte Gestaltung. Die Architektin Nina Aalbers blickt noch einmal auf den Anfang der Entwurfszeit zurück: „Wir haben uns bei der ersten Besichtigung des Grundstücks sofort in den friedlichen Ort zwischen den alten Bäumen verliebt. Es ist eine Art magischer, versteckter Ort in der Stadt, der die Natur atmet. Diese Qualität wollten wir zum Leitmotiv machen.“











