Bauen im Bestand
Hortus Ludi - Kerngedanke der Wiederverwendung
Auf dem ehemaligen Schulgelände eines Mädcheninternats im niederländischen Nijmegen sind zwei Wohnbauten entstanden. Das Internat war einer Klosteranlage. Die beiden Wohnbauten reihen sich in das übriggebliebene Ensemble von Internatsgebäude, Kirche und Pfarrhaus ein.
Die Niederlande sind in den vergangenen Jahren immer für eine Holzbau-Überraschung gut. Ein neues Projekt in dieser teils illustren Reihe ist das „Hortus Ludi“ in Nijmegen. Etwas abseits in einer ruhigen Wohngegend gelegen, entstand das Projekt mit elf Wohneinheiten auf einem ehemaligen Schulgelände. Auf dem weitläufigen Areal war einst ein Mädcheninternat beheimatet. Dieses war einer Klosteranlage angeschlossen. Das Ensemble wurde durch eine Kirche, ein Pfarr- und ein Schulhaus ergänzt. Das Schulhaus ist längst verschwunden, in das Internatsgebäude sind mittlerweile hippe Atelierwohnungen eingezogen.
Ein Hortus für die Bewohner
Sicherlich hätte man das gesamte Gelände deutlich dichter bebauen können. Doch die Architekten wichen bewusst von den Vorgaben ab und konnten den Bauherren mit ihrer konsequent durchdachten Idee überzeugen. Sie stellten zwei orthogonal zueinander positionierte Baukörper auf das weitläufige Gelände und durchbrachen dabei die gedachte Straßenflucht absichtlich. Der etwas zurückgesetzte Baukörper schafft Raum für einen geräumigen Eingangsbereiche der Wohnungen. Ein kleines Portalhaus aus Backstein verbindet die beiden langen Baukörper und stellt durch seine Materialwahl einen Bezug zur ehemaligen Bebauung her. Von außen nicht sichtbar, grenzen die drei Baukörper gemeinsam eine riesige Parkanlage im Herzen des Projekts ein. Hier liegt laut den Architekten auch die wahre Seele des Projekts: der Hortus Ludi. „Der Name bezieht sich auf eine Tradition von ummauerten Gärten in der Literatur, den Hortus Catalogi, Contemplationis und Ludi. Gärten zum Sammeln, zum Betrachten, zur Freude und zum Spiel. Wir waren der Meinung, dass der Hortus Ludi, der Garten für Spiel und Verbindung, im Ensemble fehlte und die sinnvollste Ergänzung darstellen würde“, berichtet Nina Aalbers vom Architekturbüro MAKEN. So wurde der Garten zum Herzstück des Projekts, ein gemeinsamer Raum, der allen Bewohnern gehört und von jeder privaten Terrasse aus sichtbar und zugänglich ist. „Die Benennung des Projekts Hortus Ludi war einer unserer ersten Schritte, und sie steht seither im Mittelpunkt des Projekts“, erklärt die Architektin den Ansatz der Planer.
Wiederverwertetes Material
Die elf Wohnungen in den zwei Baukörpern erstrecken sich jeweils über vier Etagen und sind als Townhäuser angelegt. Betreten kann man sie entweder über einen Zugang von der Straßenseite, bzw. einen kleinen Stichweg, oder durch den großen gemeinsamen Garten. Dieser wird für alle Bewohner gleich durch das kleine Portalhaus erschlossen. Dieses soll nicht nur den Kollektivgedanken der Bewohner stärken, sondern trägt auch eine besondere Geschichte in sich: Die Backseiten, aus denen es errichtet wurde, sind recyceltes Material und stammen von einer anderen Baustelle des Bauherrn. Dort wären sie als Bauschutt entsorgt worden, doch so haben sie ein zweites Leben erhalten. Für die Architekten ein Kompromiss, da das vor Ort verbaute Material bereits entsorgt war: „Ursprünglich wollten wir das Pförtnerhaus vollständig aus wiederverwendeten Materialien bauen, die wir vor Ort gefunden hatten. Leider hatte die Gemeinde bereits das Abbruchrecht für das kleine bestehende Gebäude erteilt, ohne von unserer Absicht zu wissen, diese Materialien wiederzuverwenden. Dieser Rückschlag zwang uns zum Umdenken. Wir hielten an unserem Kerngedanken der Wiederverwendung fest und beschafften Materialien von anderen Baustellen des Bauträgers und des Bauunternehmens. Der Geist der Wiederverwendung lebte so weiter, auch wenn die Materialien von anderswo stammen mussten“, beschreibt Aalbers.
Zeitgemäß interpretiert
Die Entscheidung, die Gebäude in Holzbauweise zu bauen, fand beim Bauherren große Unterstützung. Für die Architekten bedeutete dies, viele technische Details konsequent nach den Möglichkeiten des Holzbaus umzusetzen. Einer besonderen Aufgabe nahmen sie sich direkt unter dem Dach an. Ein umlaufender „Fries“ bietet hier zahlreiche Nistmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse – direkt in die Fassade integriert. Viel Detailarbeit steckten die Planer auch in die Aufteilung der Fassaden. Die Anordnung und die Abmessungen der neuen Baukörper orientieren sich an den Größenverhältnissen der bestehenden Klostergebäude. Darüber hinaus interpretiert der Entwurf deren monumentale Fassaden auf zeitgemäße Weise. Was damals in Stein umgesetzt wurde, transferieren die Architekten nun in die Holzbauweise. Die hölzernen Volumen unterscheiden sich in der Materialverwendung von den monumentalen Backsteinbauten, aber die Komposition der Fassade basiert auf den Proportionen, Fensteröffnungen und Gauben des Nachbargebäudes. In einer modernen Interpretation wurde der Rhythmus der horizontalen Linien auch in den Details der unbehandelten Holzfassaden berücksichtigt.
Naturnahes Wohngefühl
Im Inneren der Wohneinheiten ist das Holz überall erlebbar. Die Vorgabe, einen möglichst schlanken Deckenaufbau zu erreichen, führte dazu, dass mitten durch die Wohnungen ein Unterzug läuft, der auf Holzstützen aufliegt, die ebenfalls äußerst präsent in den Wohnungen stehen. Doch genau das macht die Besonderheit des Entwurfs aus. „Die Menschen finden in dem Baumaterial eine Verbindung zur Natur, obwohl sie in einer Stadt leben“, beschreibt der Architekt Ferry in ´t Veld. Das zeigt sich im Hortus Ludi nicht nur außen, sondern auch innen.












