Mehrgeschossiger Holzbau
Nachverdichtung mit Holzhochhaus
Mitten in Innsbruck entsteht das erste Holzhochhaus Tirols. Nun ist es mit sieben Obergeschossen vielleicht nicht ganz so hoch, wie man es für ein Hochhaus erwarten würde, und doch ist es ein Novum in der Stadt.
Der Neubau wird die städtebauliche Situation an dieser Stelle entscheidend verbessern
© DIN A 4 ArchitektenFür den Neubau machte ein architektonisch umstrittenes, immer wieder umgebautes und erweitertes Gebäudeensemble Platz. Wohl auch deshalb waren die Ansprüche der Bauherren an das neue Gebäude von Beginn an hoch: Dort sollte kein übliches Finanzgebäude entstehen, sondern das erste vollständig nachhaltige Bürogebäude aus Holz im Stadtzentrum.
Der zu 100 Prozent ökologische Bau verfügt über eine begrünte Fassade und 625 Quadratmeter Dachgarten. Er erfüllt den Klimaaktiv-Gold-Standard. In der im Sommer oft vollkommen überhitzten Innsbrucker Innenstadt mit geringem Grünanteil soll der Bau in seiner unmittelbaren Umgebung nebenbei für ein besseres Mikroklima sorgen. Ab Ende 2024 soll die neue Zentrale bis zu 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen gesunden und barrierefreien Arbeitsplatz bieten. Zusätzlich wird im Erdgeschoss die erste Changing-Place-Sanitäranlage Österreichs für Menschen mit komplexen Behinderungen eingerichtet. Damit will die Tiroler Versicherung ein starkes Zeichen für mehr Inklusion setzen.
Die Lage der neuen Zentrale der Tiroler Versicherung hielt für Bauzeit und Konstruktion einige Herausforderungen bereit. Gleich nachdem die Entscheidung im Architekturwettbewerb gefallen war, stand man vor der Frage, wie diese Idee nun in Holzbauweise zu realisieren sei. Um zu einer Lösung zu kommen, bedurfte es des gesammelten Fachwissens von Architekten, Holzbauern und Statikern. Dabei entstand ein Hybrid, der Holz- und Massivbauweise klar trennt.
Die sieben Etagen aus Holz ruhen auf einem „Sockel“ aus drei Geschossen Stahlbeton. Die unteren beiden Geschosse bieten Platz für die Tiefgarage und eine Reihe von Lager- und Technikräumen. Das Erdgeschoss ist ebenfalls in Stahlbeton gefertigt und bietet als tragender Tisch eine gute Basis für die darüberliegenden Holzgeschosse. Das Gebäude ist der erste großformatige Holzbau in der Innsbrucker Innenstadt, weshalb ihm in Sachen technischer Ausstattung, Brand- und Schallschutz besonderes Augenmerk zukam.
Da das Gebäude nach OIB (Österreichisches Institut für Bautechnik) als Hochhaus (OK FFB 7.OG =23,35 m) eingeordnet ist, standen Planende und Ausführende vor vielen Herausforderungen: Einige Bauteile waren aus brandschutztechnischer Sicht nicht für diesen Typ zugelassen und mussten umfangreich geprüft werden. Gleich zwei Brandversuche galten der Fassade und den Pflanzkästen für die Fassadenbegrünung. Da es für die geplante Fassade noch keinen Brandversuch nach ÖNORM B3800-5 gab, musste ein Fassadenbrandversuch bei der MA39 in Wien durchgeführt werden — eine teure, aber sinnvolle Investition, die sich nun zur Genehmigung der PV-Fassade im Innenhof nochmals auszahlte, da auf ihre Ergebnisse zurückgegriffen werden konnte.
Die Holzkonstruktion ist als Skelettbau mit vorgehängter hinterlüfteter Fassade konzipiert. Alle Bauelemente wurden vorgefertigt auf die Baustelle transportiert. Träger und Stützen wurden aus BauBuche gefertigt, um von der höheren Festigkeit und damit der geringeren Dimensionierung zu profitieren. Die Deckenelemente lieferte Theurl aus Osttirol, da hier besonders hochwertige Sichtholzqualitäten gefordert waren. Die Fassadenelemente wurden werkseitig bei Holzbau Saurer vorgefertigt und inklusive der montierten Fenster auf die Baustelle gebracht. Die Faserzementplatten mussten auf der Baustelle montiert werden.
Auszug aus mikado 09.2024










