
Holzbau in denkmalgeschützter Kirche
Die Besucherzahlen der Gläubigen in den Gottesdiensten der Marienkirche in Essen-Steele waren schon seit Längerem rückläufig. Hier wie an vielen anderen Orten auch sorgen schrumpfende Kirchengemeinden bei gleichzeitig steigenden Unterhaltskosten in Wechselwirkung mit Renovationsstau für dringlichen Handlungsbedarf. Doch was tun mit den denkmalgeschützten Bauwerken, deren flächendeckender Erhalt nicht mehr sicherzustellen ist?

Sonnengruß im Stadel
Wie der Vorgängerbau, nur besser: Dieses Ziel hatten die Architekten Gebauer.Wegerer.Wittmann Architekten BDA vor Augen, als sie den Auftrag erhielten, einen an ein ehemaliges Bauernhaus angebauten Stadel umzubauen. Statt dort Heu und Stroh zu lagern, wollten die Bauherren in den Räumen künftig Yogastunden geben und sich dem Bogenschießen widmen. Auch eine gemauerte Bestandsgarage sollte in das Gebäude integriert werden, ein Wintergarten geschaffen und Lagerflächen eingerichtet. Der Neubau kleidet sich vom Fußpunkt bis zum First komplett in eine vorvergraute Außenhaut aus Weißtannenholz. Unterschiedlich tiefe Latten verleihen der neuen Hülle Struktur und Lebendigkeit. Der alte Stadel lebt in diversen Elementen wie Galerietreppe, Wandverkleidungen und Möbeln materialtechnisch fort, indem hier das Altholz des Vorgängerbaus verwendet wurde.

Holz trifft den Ton
20 Mitgliedsverbände, 15 000 Chöre, rund eine Million Mitglieder: Die Szene, die der Deutsche Chorverband vertritt, ist bunt, vielseitig und riesig. In Berlin hat der Verband nun ein Gebäude erworben und umgebaut sowie erweitert, um darin Aktivitäten und Angebote rund um das Singen zu bündeln und die bundesweite Verbandsarbeit weiterzuentwickeln. Nach dem Wunsch des Bauherrn „will und muss das so getaufte Deutsche Chorzentrum vieles gleichzeitig sein: Veranstaltungsort und Treffpunkt, Aus- und Weiterbildungsstätte, Bibliothek, Musikarchiv und Arbeitsstätte des Deutschen und Berliner Chorverbandes“. Ein musikalischer Kindergarten ergänzt das vielfältige Nutzungsgefüge.

Klein aber fein
Reihenhäuser aus den 1960er- Jahren entsprechen mit ihren eher kleinen Räumen häufig nicht mehr heutigen Wohnkonzepten. So war es auch bei dem Objekt einer Familie in Aachen, die deshalb den Architekten Björn Martenson mit dem Umbau des Objekts beauftragte. Es galt, den Wohnvorstellungen einer jungen Familie passenden Raum zu schaffen. Besondere Herausforderung war dabei, das Projekt mit einem eher kleinen Budget zu realisieren.

Fahrzeuge, Menschen – und mittendrin der Bau
Fußgänger kreuzen, die Straßenbahn fährt vorbei und ein Autofahrer bleibt vor der Ampel stehen. Es brummt, es hupt, es lebt: Momentaufnahme am Tegernseer Platz in München. Hervorragende Verkehrsanbindung nennt sich so etwas in Maklerdeutsch. „Baustellenlogistisch gesehen ist das der absolute Horror“, runzelt Architekt Florian Lichtblau die Stirn. „Die U-Bahn verläuft quasi unter dem Haus, die Trambahn und der Bus halten direkt davor, vom Auto- und Fußgängerverkehr gar nicht zu reden.“ Das Büroteam Lichtblau Architekten wagte es trotzdem und nahm den Auftrag an, zusammen mit dem Ingenieurbüro Bauart und Tröstl Holzbau als Zimmereibetrieb ein mitten im Verkehrsgetümmel stehendes Wohn- und Geschäftshaus zu sanieren, anzubauen und aufzustocken.

Wohnen im Modul
Die Fritz-Kissel-Siedlung ist eine beschauliche Siedlung aus den 1950er-Jahren mit einer lockeren Bebauung aus unterschiedlichen Zeilen und Punkthäusern, vielen Rasenflächen und altem Baumbestand. Die ersten Planungen stammen bereits aus den 1920er- Jahren. Kein Wunder also, dass das Quartier mit seinem einzigartigen Charme seit dem Jahr 2000 unter Ensembleschutz steht.

Tonleiter in Holz
Mit dem Stadtcasino besitzt Basel seit 1876 ein Kleinod, das zusammen mit dem nahe gelegenen Theater, dem Historischen Museum und der Kunsthalle einen kulturellen Hotspot der Stadt bildet. Um dem bestehenden Musiksaal des Gebäudes mehr Freiraum für die benötigte Raumerweiterung zu verschaffen, wurden diverse Möglichkeiten und Varianten untersucht. Die einzige überzeugende Lösung war, den Musiksaal als autonomen, vom 1939er-Casinobau freigespielten Baukörper zu begreifen. Die Erweiterung musste wie selbstverständlich aus dem historischen Kernbau herauswachsen. So war es wichtig, den Erweiterungsbau in der – zumindest für den flüchtigen Blick – gleichen, neobarocken Sprache zu gestalten.

Obenauf gab’s Holz und Infrarot
Die Kreisstadt Aichach liegt inmitten des Zentrums der Metropolregion München – Augsburg – Ingolstadt. Auf dem ehemaligen Milchwerkareal in Aichach wird ein bis dato Dreigeschosser als Gewerbe- und Bürogebäude genutzt. Im Obergeschoss sind die „Energiebauern“ beheimatet, die Solar- und Windkraftanlagen projektieren und betreiben. Dem seit Jahren andauernden Boom folgend, hatte sich deren Raumbedürfnis schrittweise erhöht. Dabei kristallisierte sich eine statisch relativ einfach zu lösende Aufstockung in leichter Holzbauweise bei fortlaufendem Betrieb auf dem mineralischen Altbestand als Mittel der Wahl heraus.

Zwei Etagen Holz
Im April 2014 tönt ein Knall durch die Wiener Mariahilfer Straße. Eine Gasexplosion lässt die oberen zwei Stockwerke des Eckhauses einstürzen, das Dach ist komplett zerstört. Rauch und Staub quellen durch die umliegenden Straßenzüge. Das Gebäude ist nach der Explosion unbewohnbar. Wenige Wochen später verschaffen sich die Architekten Isabella Wall und Günther Trimmel einen Eindruck von den Überresten des Gründerzeithauses. Eine gleichmäßige, zwei Zentimeter dicke Staubschicht bedeckte die Räumlichkeiten. Überall schlug den Architekten deutlich entgegen, wie plötzlich die Bewohner aus dem Haus flüchteten. „In einer Wohnung stand das Reindl noch auf dem Herd“, berichtet Trimmel. „Es war schon eine sehr merkwürdige Situation“, gibt er weiter zu bedenken. Die Wucht der Detonation versucht Wall zu verdeutlichen: „Massive Wände aus Ziegel haben sich durch die Druckwelle einfach zehn Zentimeter verschoben.“

Neues Leben eingehaucht
Im Jahr 1158 wurde die Stadt München erstmals urkundlich erwähnt. Gut Freiham im Westen der bayerischen Metropole ist noch ein paar Jahre älter: Schon 1136 taucht der Name Villa Frihaim in einem Schriftstück von Papst Innozenz II. auf. 1390 war daraus das Dorf Freiham geworden, mit 15 kleinen Bauernhäusern, einer Kirche und einem Pfarrhof. Im Mittelalter veränderte sich die Ansiedlung erneut. Schriftliche Aufzeichnungen aus dem Jahr 1564 bezeichnen Freiham nicht mehr als Dorf, sondern als wirtschaftliches Gut. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich dieses zu einem Mustergut entwickelt, das mit modernster Technik in den schönsten Gebäuden glänzen konnte.

Alt und Neu
Auf einem Grundstück in Freudenstadt, auf dem vormals ein gut 100-jähriges Schwarzwälder Bauernhaus seinen Platz hatte, entstand ein neues Einfamilienhaus – das „Haus am Mühlenbach“. Die alte Sandsteinmauer des ehemaligen Bauernhaus-Wohnteils im Erdgeschoss wurde als Erinnerung in das neue Ensemble integriert.

Leises Leichtgewicht
Auf dem Hanggrundstück eines denkmalgeschützten Gebäudes in der Innenstadt von Geislingen liegend, steht der Neubau über bestehenden Garagen im unteren Grundstücksbereich. Die Garagen waren laut Stadtbauamt so massiv, dass eine Bebauung kein Problem darstellte – einer der Gründe, weshalb Bauherr Thomas Becker zusammen mit seinem Geschäftspartner Harald Glöggler Gebäude und Grundstück erwarb. Ihre Idee: auf dem verkehrsgünstig gelegenen Grundstück einen Viergeschosser in Holz errichten. Den Entwurf für den Mehrgeschosser gaben die Bauherren bei Architekt Raimund Stolz in Auftrag. Sein Entwurf sah bereits die heutige Gebäudestruktur mit vier Geschossen, Holzfassaden, zwei Wohnungen à 50 und 55 m² pro Geschoss und einer Erschließung über Laubengänge vor.

Kellerwerft in Überlingen
Sieben Überlinger, die dem klassischen Segel- und Bootssport nahestehen, gründeten 2015 den Förderverein Yachtsport Überlingen e. V. (FYÜ) und stellten dem Gemeinderat ihren Plan vor, die historische Kellerwerft als „Gläserne Werft“ am alten Standort wiederzubeleben und um einen Gastronomie- und Clubbereich zu erweitern. Denn erweitert werden im klassischen Sinne durfte das morsche Holzhaus, das 1912 erbaut und 1914 nach einem Brand wieder aufgebaut wurde, nicht. Es war vorgeschrieben, die frühere Kubatur auf dem originalen Grundriss zu belassen, lediglich kaum sichtbare Veränderungen der Maße waren gestattet. Die Bauherrschaft und ihre zahlreichen Förderer mussten sich laut Erbbaurechtsvertrag mit einer etwas größeren Höhe bescheiden.

Der alte Turm und das neue Haus
Ein denkmalgeschützter Turm, mitten in Köln-Mülheim. Erbaut 1895, ein Überrest eines einst kompletten Kirchengebäudes. Das Hauptschiff der alten Lutherkirche fiel den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Längst hatte sich die Welt um das Gelände herum weitergedreht, doch diese Wunde blieb mitten im sich verändernden Stadtumfeld über Jahrzehnte bestehen. Zwischen Lutherturm und Luthernotkirche klaffte eine große Lücke. Nun wurde sie mit einem sensiblen Bauvorhaben geschlossen.

Energetische Sanierung: Innendämmung
Der sanfte Weg: Judo im Heizhaus
Eine kalte Halle, ein gemeinsamer Traum vom eigenen Trainingszentrum und kaum Budget: Als die 25 Mitglieder des Judo Holzhausen e.V. 2015 ein ursprünglich als Heizhaus genutztes Lager in Leipzig erwerben konnten, waren ihnen die Herausforderungen des Projekts nicht bewusst. Der Ende der 60er Jahre in DDR-Typenbauweise errichtete Betonbau war nicht gedämmt und zudem dreiseitig von zum Teil leer stehenden barackenartigen Nachbargebäuden eingehaust. Im Innenraum waren die Temperaturen frostig. Die Räume zu heizen, ohne sie zuvor gedämmt zu haben, hätte nicht nur das Budget des Vereins extrem belastet. Dies hätte auch das Gegenteil der heutzutage gewünschten nachhaltigen und energieeffizienten Bauweise bedeutet. Die Wände von außen zu dämmen, war jedoch nicht möglich, da die angrenzenden Gebäude ringsum den Zugang zu den Außenmauern der Halle versperrten.

Hoch gestapelt
Die Innsbrucker Museumstraße hat schon viel gesehen. In der alteingesessenen Einkaufsstraße reiht sich Altbau an Altbau und Geschäft an Geschäft. So auch das Haus mit der Nummer 14, in dem sich früher einmal ein Textilgeschäft befand. Vor einigen Jahren wurden die Geschäftsräume im Erdgeschoss komplett saniert. Doch die drei Etagen plus Dachgeschoss darüber blieben vorerst unangetastet. Doch was von außen kaum wahrnehmbar war: Unter den Dachbalken schlummerte ein wahrer Schatz. Zu sehen war er freilich nicht. Nur wer einen geübten Blick auf die Nachbarbebauung warf, konnte erkennen, dass die umliegenden Gebäude erheblich höher waren.

Innerstädtische Nachverdichtung
Hölzerne Krönung
Freitag am späten Nachmittag: Sie haben Gäste eingeladen, hatten unter der Woche wegen vieler Termine aber keine Muße für den Einkauf. Also müssen Sie schnell los. Da wünscht man sich dann, dort zu wohnen, wo auch die Läden sind. In der Regel sind das aber keine besonders attraktiven Wohnlagen. Im Kopenhagener Stadtteil Vanløse gibt es hierfür eine Lösung: Seit 2017 kann man auf dem Dach eines Einkaufszentrums wohnen – der Name des Kopenhagener Wohnbebauungsprojekts: „Tagkronen“.

Aufwerten im ganz großen Stil
Deutschlands Großstädte sind aufgrund ihrer immer weiter steigenden wirtschaftlichen Attraktivität und der allgemeinen Lebensqualität beliebte Wohnorte. Der ältere Teil der Bevölkerung profitiert von der vorhandenen Infrastruktur und der Dichte an gesundheitlicher Versorgung, aber auch für junge Familien sind die vielfältigen Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten, die Großstädte wie Frankfurt bieten, äußerst attraktiv. Mit dem erheblichen Zuzug vom Land in die Ballungszentren hält der Wohnungsbau seit Jahren nicht Schritt, die Folge: permanent steigende Mieten. Die Städte und Kommunen stehen vor der dringenden Herausforderung, trotz des Mangels an Bauland bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, vorzugsweise ohne Ausweisung immer neuer Baugebiete, um die Städte nicht weiter zu zersiedeln.

Fassade als Hingucker
Ende 2016 begannen die Vorarbeiten zur Sanierung und Erweiterung des Hotels Pfösl. Bei dem umfangreichen Bauvorhaben wurde das bestehende Gebäudeensemble komplett umgestaltet. Die zusätzliche Modernisierung des gesamten Spa-Bereichs krönt jetzt ein neues Schwimmbad mit 25 Meter Sole-Infinity-Pool. Ebenfalls neu sind drei ungewöhnliche Chalets am Waldrand – aus heimischen Hölzern gebaut. Besonderer Blickfang ist aber ohne Zweifel die neue Holzfassade – die das gesamte Gebäude zu einem modernen Hingucker macht.





