Nachwuchs
Zeppelin - Berufsschulabsolventen für den Baumaschinenservice
Der Fachkräftemangel zählt zu den zentralen Herausforderungen im Baugewerbe. Insbesondere im technischen Service für Baumaschinen steigt der Bedarf an qualifiziertem Personal kontinuierlich. Gleichzeitig erreichen in den kommenden Jahren zahlreiche erfahrene Fachkräfte das Rentenalter. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Unternehmen Zeppelin ein klares Ziel: Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Servicetechniker auf rund tausend steigen.
Der Bedarf ist hoch. Aktuell betreuen 825 Servicemitarbeiter einen Bestand von mehr als 60 000 Baumaschinen im Markt. Parallel investiert das Unternehmen bereits stark in die Nachwuchsförderung. Rund 225 Auszubildende befinden sich derzeit in der Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker. Dennoch reicht die klassische Nachwuchsgewinnung allein nicht aus, um den zukünftigen Personalbedarf zu decken.
Mit einem neuen Pilotprojekt geht das Unternehmen deshalb einen zusätzlichen Weg. Erstmals wurden rumänische Berufsschulabsolventen in die Niederlassung Böblingen eingeladen, um praktische Einblicke in den Arbeitsalltag des Baumaschinenservice zu erhalten und mögliche Perspektiven für einen Berufseinstieg auszuloten.
Europäische Fachkräftepotenziale rücken stärker in den Fokus
Die Suche nach qualifizierten Fachkräften führt viele Unternehmen mittlerweile über nationale Grenzen hinaus. Während Rekrutierungsstrategien in Drittstaaten häufig mit erheblichen bürokratischen Hürden verbunden sind, bietet der europäische Arbeitsmarkt deutlich günstigere Rahmenbedingungen. Arbeitnehmerfreizügigkeit und die Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen erleichtern die Zusammenarbeit innerhalb der EU.
Im Rahmen des Pilotprojekts arbeiteten sieben rumänische Berufsschulabsolventen des Technologischen Gymnasiums für Angewandte Wissenschaften in Arad zwei Wochen lang in der Werkstatt der Niederlassung Böblingen mit. Organisiert wurde die Zusammenarbeit über eine europäische Matching-Strategie des Bildungsnetzwerks Eucontact und flankiert durch Fördermittel des EU-Programms Erasmus+.
Ziel des Projekts war es, jungen Fachkräften aus strukturschwächeren Regionen Europas praktische Erfahrungen in einem technisch anspruchsvollen Serviceumfeld zu ermöglichen – und gleichzeitig Unternehmen aus industriestarken Regionen beim Aufbau von Fachkräfteperspektiven zu unterstützen.
Praxisorientierter Einblick in den Baumaschinenservice
Während ihres Aufenthalts in Böblingen durchliefen die rumänischen Berufsschulabsolventen mehrere Stationen im Werkstattbetrieb. Neben dem klassischen Servicebereich erhielten sie Einblicke in die Schlosserei, die Schlauchfertigung und die Lackierhalle. Jeder Teilnehmer wurde von einem erfahrenen Techniker begleitet und konnte entsprechend seiner Ausbildung aktiv mitarbeiten.
Die Struktur des Programms orientierte sich bewusst an realen Arbeitsabläufen im Service. Dadurch konnten die Teilnehmer nicht nur theoretische Kenntnisse vertiefen, sondern auch praktische Fähigkeiten im Umgang mit Baumaschinen und Werkstatttechnik erweitern. Für die Werkstattteams bedeutete dies zwar zusätzlichen organisatorischen Aufwand, gleichzeitig entstand jedoch ein intensiver fachlicher Austausch.
Moderne Servicekonzepte verändern die Anforderungen
Der technische Service im Baumaschinenbereich entwickelt sich zunehmend weiter. Neben klassischen Reparatur- und Wartungsarbeiten spielen digitale Diagnosemethoden eine immer größere Rolle. So analysieren bei Zeppelin sogenannte Remote-Techniker bereits aus der Ferne Fehlermeldungen und Betriebsdaten von Maschinen. Auf Basis dieser Informationen können mögliche Schäden frühzeitig erkannt und Wartungsmaßnahmen geplant werden.
Diese Entwicklung verändert auch die Anforderungen an zukünftige Servicetechniker. Neben mechanischen und hydraulischen Kenntnissen gewinnen digitale Kompetenzen und systematisches Fehlerverständnis an Bedeutung. Qualifizierte Nachwuchskräfte werden daher für viele Bauunternehmen zu einem strategischen Erfolgsfaktor.
Unterschiedliche Ausbildungssysteme als Chance für Kooperationen
Ein zentraler Hintergrund des Projekts liegt in den unterschiedlichen Ausbildungssystemen innerhalb Europas. Während Deutschland stark auf das duale Modell mit enger Verzahnung zwischen Betrieb und Berufsschule setzt, erfolgt die Ausbildung in vielen europäischen Regionen überwiegend schulisch. Praktische Erfahrungen sammeln Absolventen häufig erst nach ihrem Abschluss.
Gerade in strukturschwächeren Regionen fehlt es zudem häufig an Unternehmen, die entsprechende Praxisphasen anbieten können. Für Bau- und Maschinenbauunternehmen eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit europäischen Bildungseinrichtungen.
Durch frühzeitige Kontakte während der Ausbildung können Unternehmen potenzielle Fachkräfte kennenlernen und gleichzeitig praktische Qualifizierung unterstützen. Für Absolventen entsteht dadurch eine konkrete berufliche Perspektive innerhalb des europäischen Arbeitsmarkts.
Integration als Erfolgsfaktor im internationalen Team
Internationale Zusammenarbeit ist im technischen Service längst Alltag. Auch der Standort Böblingen gilt innerhalb des Unternehmens als besonders vielfältig. In Werkstatt, Außendienst und spezialisierten Servicebereichen arbeiten Mitarbeiter aus insgesamt elf Nationen zusammen.
Damit internationale Projekte erfolgreich verlaufen, spielen neben fachlichen Fähigkeiten auch sprachliche und kulturelle Aspekte eine wichtige Rolle. Entsprechend wurden die Teilnehmer des Pilotprojekts im Vorfeld interkulturell vorbereitet und während ihres Aufenthalts begleitet. Zusätzlich unterstützten gemeinsame Freizeitaktivitäten den Austausch zwischen den Teams.
Erste Ergebnisse des Pilotprojekts
Aus Sicht des Unternehmens verlief das Pilotprojekt erfolgreich. Drei der teilnehmenden rumänischen Berufsschulabsolventen erhielten bereits eine Zusage für eine spätere Tätigkeit im Servicebereich. Damit leistet das Projekt einen ersten Beitrag zur langfristigen Personalstrategie.
Für die Bau- und Maschinenbranche zeigt das Beispiel aus Böblingen vor allem eines: Die Fachkräftesicherung wird zunehmend europäisch gedacht. Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, internationale Ausbildungswege und praxisnahe Pilotprojekte könnten künftig eine größere Rolle spielen, wenn es darum geht, qualifizierte Servicetechniker für die steigenden Anforderungen im Baumaschinenservice zu gewinnen.












