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Artikel und Hintergründe zum Thema

Schloss Bad Homburg

Kai Ingmar Link,

Sommerresidenz mit Liapor-Blähton saniert

Viele Jahre nutzte der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. das Bad Homburger Schloss als Sommerresidenz. Er wohnte im dortigen Königsflügel, dessen Holzbalkendecken jetzt mit Liapor-Blähton saniert wurden. Sie tragen dazu bei, dass dieses einzigartige Zeugnis wilhelminischer Wohnkultur der Nachwelt erhalten bleibt.

Im Königsflügel des Bad Homburger Schlosses wurden die Holzbalkendecken mit Liapor-Blähton saniert. © Wikimedia/Dirk Schmidt

Aktivurlaub? Wellnessurlaub? Kulturreise? Diese Begriffe waren im Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts noch völlig unbekannt. Damals machte man schlicht keinen Urlaub, sondern fuhr - wenn man es sich leisten konnte - allenfalls in die sogenannte Sommerfrische. Das waren oft mehrwöchige Aufenthalte auf dem Land, die vor allem die Aristokratie in ihren so genannten Sommerresidenzen verbrachte. Dazu gehörte auch Kaiser Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser, der sich in der warmen Jahreszeit regelmäßig im Bad Homburger Schloss aufhielt und dort mit seiner Gemahlin Auguste Viktoria im sogenannten Königsflügel residierte. Das Schloss selbst wurde zwischen 1679 und 1686 als Landgrafenschloss Bad Homburg erbaut und stellt eine der ersten frühbarocken Residenzanlagen dar. Bis 1866 residierten hier die Landgrafen. Danach ging es in preußischen Besitz über und diente Kaiser Wilhelm II. als Sommerresidenz.

Statische Sanierung
Auch wenn viel von der historischen Bausubstanz des Schlosses dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen ist: Am besten erhalten sind bis heute die kaiserlichen Appartements im Königsflügel. Um dieses faszinierende Zeitzeugnis der Nachwelt zu erhalten, begannen vor gut zehn Jahren umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten in den Wohn- und Repräsentationsräumen des Königsflügels. Einen Schwerpunkt der Maßnahmen, die unter der Bauherrenschaft des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen, Niederlassung Mitte, durchgeführt wurden, bildete die Decke zwischen dem zweiten und dritten Obergeschoss. „Hier galt es, die vorhandene Holzbalkendecke statisch zu ertüchtigen. In diesem Zuge wurden zahlreiche Deckenbalken repariert beziehungsweise erneuert“, erklärt Nils Brune, verantwortlicher Projektleiter bei der Kramp & Kramp GmbH + Co KG. Dazu mussten die vorhandenen Deckenfüllungen entfernt und die freigelegte Balkendecke anschließend fachgerecht saniert werden.

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Hauptvorteil: geringes Gewicht
Nach der Sanierung der Holzbalkendecke stellte sich die Frage, wie die Zwischenräume am besten verfüllt werden können. Planer und Bauherr entschieden sich bewusst für eine Trockenschüttung aus Liapor-Blähton. "Die Verfüllung mit losem Liapor-Blähton war aus statischer und bauphysikalischer Sicht ideal, da sie sehr leicht ist und die darunter liegende Konstruktion entlastet, um weitere Rissbildungen in den historischen Decken zu minimieren", so Nils Brune. Der Liapor-Blähton wurde vom Liapor-Werk in Pautzfeld hergestellt und geliefert. Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Firma Kramp & Kramp GmbH + Co KG aus Lemgo-Lieme. Im Schloss wurden ca. 40 m³ Liapor-Trockenschüttung F3 (Körnung 4-8 mm) lose als ungebundene Blähtonschüttung eingebaut. Damit wurden die sanierten Holzbalkendecken in einer mittleren Schichthöhe von etwa zehn Zentimetern aufgefüllt. Nach dem erforderlichen Höhenausgleich mit einer Holzunterkonstruktion wurden die Böden wieder mit den historischen und neuen Dielen belegt.

Entscheidend für das Liapor-Blähtongranulat waren das geringe Gewicht sowie der schnelle, einfache Eintrag. © Kramp & Kramp

Schneller und sauberer Einbau
Das geringe Gewicht der Blähtonschüttung erleichterte auch den Einbau. Die gesamte Liapor-Blähtonmenge wurde von Hand in Säcke eingebracht, da die örtlichen Gegebenheiten eine Befüllung mit Silo-Lkw und Einblasschlauch nicht zuließen. Der trockene Zustand der Liapor-Blähtonkugeln ermöglichte zudem ein sehr schnelles und effizientes Arbeiten, da die Schüttung lediglich eingebracht und wieder entfernt werden musste. "Der Einbau ging zügig und sauber vonstatten, der Liapor-Blähton hat sich auch bei diesem Projekt wieder bestens bewährt", berichtet Nils Brune.

Jahrhunderte im Fokus
Ein weiterer Grund für die Wahl der losen Liapor-Blähtonschüttung war die Tatsache, dass es sich um einen natürlichen, rein mineralischen Baustoff handelt. Dieser passt von seinen bauphysikalischen Eigenschaften ideal zu der jahrhundertealten Bausubstanz und weist eine ebenso lange Lebensdauer auf. Kürzlich konnten alle Sanierungsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen werden. Die gesamte Schlossanlage mit dem 13 Hektar großen Schlosspark ist seitdem wieder ganzjährig für alle Besucher geöffnet und eine neue Ausstellung im Schloss bietet derzeit einzigartige Einblicke in dieses bedeutende Stück Zeitgeschichte.

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