Konstruktion
Sportzentrum - Doppelschale in Spiralform
Ein wesentlicher Aspekt des Entwurfs für das Sportzentrum für Tai-Chi-Chuan in China ist die klimatische Ausrichtung: Die Spiralform soll helfen, thermische Strömungen zu steuern, Sonnenexposition zu modulieren und Luftströmungen zu kanalisieren.
Das auffälligste Merkmal des Entwurfs ist die biomimetische spiralige Doppelschale – zwei ineinanderlaufende Spiralformen, die an Nautilus-Formen erinnern. Diese Form ist nicht nur ästhetisch-symbolisch: Der Architekt legt sie als strukturgebende Hülle mit einer inneren und äußeren Schale an, zwischen denen technische Systeme, Belüftung und Haustechnik angeordnet werden können. Die Doppelschale folgt parametrisierbaren Kurven, die sich in radialer und aufsteigender Bewegung winden. Durch diese Doppelkrümmung entsteht ein komplexes, geschwungenes Volumen, das zugleich skulptural wirkt und funktionale Anforderungen bedient.
Orientierung nach Sonne und Wind
Ein wesentlicher Aspekt des Entwurfs ist die klimatische Ausrichtung: Die Spiralform soll helfen, thermische Strömungen zu steuern, Sonnenexposition zu modulieren und Luftströmungen zu kanalisieren. Die Glasfassaden werden solarsteuernd und mit integrierten Photovoltaikzellen mit variabler Dichte von Ost nach West ausgeführt, um die Südseite thermisch zu entlasten, elektrische Energie zu erzeugen und die Lichtverhältnisse im Innenraum gezielt zu regulieren.
Um massives Aufheizen des Innenraums zu verhindern, bedient sich der Planer natürlicher Prozesse. Die Form der Doppelschale ermöglicht natürliche Aufwärtsventilation: Warme Luft kann durch den Zwischenraum steigen und über Öffnungen abgeführt werden, wodurch eine passive Lüftung unterstützt wird. In Verbindung mit unterirdisch geführten Lüftungskanälen, die die Luft durch die Umgebungstemperatur des Erdreichs entweder vorheizen oder abkühlen, wird eine temperaturoptimierte Frischluftzufuhr ermöglicht.
Tragwerk und Konstruktive Strategie
Die Wahl der Baumaterialien hat einen entscheidenden Einfluss auf die Nachhaltigkeit und den ökologischen Fußabdruck eines Projekts. Daher wurden umweltfreundliche Lösungen über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg bevorzugt – von der Rohstoffgewinnung über die Nutzung bis hin zum Recycling. Der Architekt setzt
daher bei der Tragstruktur auf CLT. Callebaut referenziert, dass 36 gebogene Balken den Hauptträgerkörper bilden. Diese 36 Bögen sind spiralförmig angeordnet und drehen sich in Relation zueinander jeweils um 6 Grad im Uhrzeigersinn in einer radial-aufsteigenden Bewegung. Diese Bögen sind untereinander durch ein dreidimensionales Netzwerk aus vorgespannten Stahlseilen verbunden. Sie wirken quer zur Ausrichtung der Bögen und tragen zur Stabilität und Aussteifung bei. Die Kombination ergibt ein trianguliertes Tragwerk, das relativ leicht ausfällt und gleichzeitig hohe strukturelle Effizienz bietet. Der höchste Punkt der Struktur erreicht 32 Meter Höhe. Die Wahl der Materialkombination erzielt eine Reduzierung der Materialmengen, was wiederum den grauen Energieaufwand und die CO₂-Bilanz senkt. Der Einsatz von Holz aus der Region, das aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, senkt den Einsatz grauer Energie. Die Kombination aus passiver Lüftung, Vorkühlung der Zuluft im Erdreich und kontrollierten Fassadenöffnungen dient dazu, Heiz-, Kühl- und Lüftungsenergie zu reduzieren.
Nachhaltiges Wassermanagement
Das Projekt integriert ein umfassendes, ökologisches Wassermanagement, das sowohl funktionale als auch gestalterische Aspekte vereint. Durch Regenwasserrückgewinnung über große Teiche und Wasserspeicher wird Niederschlagswasser lokal gesammelt und wiederverwendet. Ergänzend dazu kommen Phytoremediations-Lagunen zum Einsatz, in denen Abwässer auf natürliche Weise durch bepflanzte Klärsysteme biologisch gereinigt werden. Diese vegetationsreichen Lagunen übernehmen eine doppelte Rolle: Sie dienen der Reinigung des Wassers und schaffen zugleich wertvolle Biotope. Die umgebende Landschaft folgt den Prinzipien der Agroökologie und Permakultur. Der Gartenbereich ist nicht nur Zierfläche, sondern ein funktionales, ökologisches System, das Kompostierung, Bodenpflege und lokale Nährstoffkreisläufe integriert. Damit wird eine nachhaltige und regenerative Nutzung des Geländes gewährleistet, die über reine Ästhetik hinausgeht.
Auch die Teichflächen und Wasserspiegel sind mehr als dekorative Elemente: Sie stellen eine physische und visuelle Verbindung zwischen Natur und Architektur her, indem sie das Gebäude reflektieren und so dessen organische Form in der Landschaft fortsetzen. Gleichzeitig sind sie ein aktiver Bestandteil des Wasserhaushalts und tragen zur Regulierung des Mikroklimas bei.
Landschafts- und Grünraumkonzept
Die Architektur ist von Anfang an mit der Landschaft verzahnt. Die Gärten sind radial angelegt und spiegeln die Spiralform. Die zentrale Vortex-Zone (im Zentrum der Spirale) dient als meditativer Gartenraum. Die Landschaftsplanung folgt agroökologischen Prinzipien, d. h. sie zielt auf ökologische Vielfalt, Bodenfruchtbarkeit, Wasserretention und Harmonisierung mit dem lokalen Ökosystem ab. Durch die Verzahnung von Architektur und Landschaft entsteht eine organische Einheit, in der Architektur nicht als abgehobener Baukörper erscheint, sondern als Teil eines lebenden Systems.











