Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH)
Koalitionsvorschläge belasten Dachdeckerhandwerk in schwieriger Zeit
Ulrich Marx, Hauptgeschäftsführer des ZVDH, sieht die Pläne der Bundesregierung, insbesondere die Einführung einer steuer- und abgabenfreien Entlastungsprämie für Beschäftigte, kritisch. „Die geplante Entlastungsprämie kommt zur Unzeit. Angesichts explodierender Materialpreise und einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage ist diese Maßnahme für viele Dachdeckerbetriebe schlicht nicht finanzierbar.“
Die Ergebnisse einer aktuellen ZVDH-Umfrage unter rund 7000 Innungsbetrieben verdeutlichen die prekäre Situation: Bei den Materialkosten kämpfen so gut wie alle Betriebe (98 Prozent) mit stark gestiegenen Einkaufspreisen – teilweise betragen die Aufschläge 30 Prozent, in Einzelfällen sogar bis zu 50 Prozent, vor allem bei Wärmedämmstoffen und Abdichtungsbahnen. Zudem kommt es zu Lieferengpässen, erste Dachdeckerbetriebe melden bereits Kurzarbeit an. Verschärft wird die Lage durch eine außergewöhnlich lange Winterzeit, so dass Baustellen viele Wochen stillstanden. „Statt die Betriebe weiter zu belasten, brauchen wir dringend strukturelle Entlastungen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks sichern. Andernfalls sind Arbeitsplätze und die Substanz unserer Betriebe gefährdet“, macht Marx deutlich.
Der ZVDH unterstützt die Kritik der Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): Die geplante Prämie wälzt die Verantwortung für die Entlastung der Bürger einseitig auf die Unternehmen ab. Marx betont: „Die Bundesregierung ignoriert die Realität: Viele Betriebe arbeiten bereits an der Grenze der Wirtschaftlichkeit. Statt kurzfristiger Maßnahmen brauchen wir langfristige Lösungen – von der Ausweitung des Energieangebots über den verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien bis hin zu tragfähigen Sozialversicherungen.“
Der ZVDH fordert die Koalition auf, die geplante Entlastungsprämie zu überdenken und stattdessen mehr Kraft in eine echte Energiewende zu investieren. „Nur so können wir unabhängiger und weniger anfällig für externe Krisen werden“, so Marx. „Wir benötigen schnell wirksame Entlastungen für Betriebe und Unternehmen, Stichwort Solidaritätszuschlag. Auch die angekündigte Einkommensteuerreform ist ein wichtiger Schritt, um gezielt Personenunternehmen zu entlasten“. Auch sei die Senkung der Stromsteuer für alle ein probates Mittel, das schnell umgesetzt werden sollte, erklärt Marx weiter.
Angesichts der aktuellen teils sehr deutlichen Preiserhöhungen für Bedachungsartikel hat der ZVDH in einem Offenen Brief an die Geschäftsführungen von Industrie und Bedachungsfachhandel sowie deren Verbände appelliert, Preissteigerungen bei Materialien und Logistikkosten in angemessener und fairer Weise an die Betriebe des Dachdeckerhandwerks weiterzugeben.
„Das Dachdeckerhandwerk verfolgt mit großer Sorge die aktuell zu beobachtenden, teils erheblichen Preissteigerungen bei zahlreichen Bedachungsmaterialien und Lieferkosten. Viele unserer Betriebe sehen sich dadurch kurzfristig mit erheblichen wirtschaftlichen Belastungen konfrontiert, da bereits kalkulierte und beauftragte Leistungen unter veränderten Rahmenbedingungen ausgeführt werden müssen. Dies führt in der Praxis nicht selten zu nicht mehr auskömmlichen Ergebnissen.
Uns ist bewusst, dass gestiegene Energie, Rohstoff und Transportkosten die gesamte Lieferkette betreffen und auch auf Seiten von Industrie und Handel zu Mehrbelastungen führen. Gleichzeitig stellen wir fest, dass Preisanpassungen für unser Handwerk nicht immer in ihrer Höhe und zeitlichen Entwicklung nachvollziehbar sind. Vor diesem Hintergrund appellieren wir an Hersteller und Fachhandel, Preissteigerungen mit Augenmaß und in angemessener Relation zu den tatsächlichen Kostenentwicklungen weiterzugeben.
Transparenz, Nachvollziehbarkeit sowie verlässliche und ausreichende Ankündigungsfristen sind dabei von zentraler Bedeutung, damit Handwerksbetriebe ihre Leistungen weiterhin seriös kalkulieren und gegenüber ihren Auftraggebern verantwortungsvoll vertreten können. Die Stabilität unserer Branche basiert seit jeher auf einem partnerschaftlichen Miteinander entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dieses Vertrauen gilt es gerade in herausfordernden Zeiten zu bewahren. Wir bitten Sie daher, bei Preisanpassungen die Auswirkungen auf das ausführende Handwerk angemessen zu berücksichtigen und durch eine faire und nachvollziehbare Preispolitik zu einer stabilen Zusammenarbeit beizutragen.“
Unterzeichnet wurde der Brief vom ZVDH-Präsidenten Dirk Bollwerk, den drei ZVDH-Vizepräsidenten Jan Voges, Dirk Sindermann und Felix Schneider sowie dem ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx.









