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Artikel und Hintergründe zum Thema

Baustellenerfassung

Kai Ingmar Link,

OpenSpace: "Der Fokus liegt auf der Thematik"

Den Überblick über den Baufortschritt zu behalten ist nicht leicht: Marcel Martin von OpenSpace erklärt, wie es einfacher und schneller gehen kann.

Baugewerbe: Herr Martin, warum braucht es eine 360°-Realitätserfassungssoftware wie OpenSpace überhaupt?

OpenSpace setzt auf einfach nutzbare, schnelle und digitale 360°-Realitätserfassung. © OpenSpace

Marcel Martin: Eine stichhaltige Baudokumentation ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für jedes Bauvorhaben. Fehler können echtes Geld kosten, auch daher sollte die Dokumentation so schnell und umfassend wie möglich umsetzbar sein. Digitale Lösungen für dieses Problem sind ja schon länger vorhanden. Es haperte nur an der Anwendbarkeit. Deswegen hat sich 2017 in den USA OpenSpace gegründet. Die Expansion nach Europa fand im Jahr 2020 statt, und seit 2021 gibt es uns auch in Deutschland.

BGW: Wie genau erleichtert OpenSpace die Arbeit auf der Baustelle?

Marcel Martin, Regional Manager DACH bei OpenSpace. © OpenSpace

Martin: Im Prinzip bieten wir die klassische Baustellenerfassung an. Nur eben digital. Die 360°-Kamera erfasst die gesamte Baustelle. Dieses Video speichert die App automatisch in der Cloud. Aus dem Video werden dann auch 360°-Bilder angelegt. Das Programm ordnet die Bilder dem jeweiligen Grundriss zu. Der Ist-Zustand der Baustelle ist dann in der Regel nach 15 Minuten auf einer einheitlichen Plattform gespeichert. Man kann sich die fertige Ansicht in etwa wie Google Streetview vorstellen, nur eben von Ihrer Baustelle. Gleichzeitig erleichtert OpenSpace es den Verantwortlichen, auf dem Grundriss Notizen anzulegen. Die Frage "Wo ist das Bild geschossen worden?" entfällt. Die jeweilige Position kann ganz leicht eingetragen und im Plan festgehalten werden. Auch, weil Detailaufnahmen von bestimmten Punkten der Baustelle möglich sind. Die Mitarbeitenden müssen also nicht erst umständlich den Plan ausdrucken, sondern können alle Daten digital notieren.

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BGW: Wie läuft die Erfassung der Baustelle mit OpenSpace also genau ab?

Martin: Ein Mitarbeitender, zum Beispiel die Bauleiterin oder der Bauleiter, befestigt eine handelsübliche 360°-Kamera auf dem Helm. Über den WLAN-Hotspot der Kamera wird das Smartphone mit der OpenSpace-App mit der jeweiligen Kamera verbunden. Nach einer einmaligen Verortung am Grundrissplan via Tap kann die Baustelle sofort begangen werden, während die Kamera läuft. Das Video wird automatisch in die Cloud hochgeladen und gesichert. Bleiben die Mitarbeitenden in einem Raum stehen, ist die App in der Lage, zusätzlich ein 360°-Bild des Raumes zu schießen. Auch diese gesammelten Daten werden automatisch in den jeweiligen Plan eingespielt. Die Erstellung manueller Feldnotizen über die App ist dabei jederzeit möglich. Ein Beispiel: Ist in einer Ecke ein Riss im Mauerwerk, wird einfach ein Bild geschossen. Eintragen, was genau das Problem ist, wer den Riss bemerkt hat und Stichworte eingeben wie "Riss" oder "Brandschutz" – abhängig davon, welche Informationen wichtig sind. Das Bild im Plan speichern – fertig. In kurzer Zeit ist so die vollständige Baudokumentation abgeschlossen.

BGW: Können Plan und Notizen nur in der App bearbeitet werden oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

Martin: Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Am einfachsten ist es, Ansprechpartner oder beispielsweise Nachunternehmer einfach per E-Mail zu Ihrem OpenSpace-Projekt hinzuzufügen. Sie können hier natürlich auch verschiedene Berechtigungen festlegen und bestimmen, wer wie viel Einsicht und Bearbeitungsrechte bekommen soll. Zusätzliche Zugänge kosten Sie bei OpenSpace übrigens niemals extra, wir raten also immer, diese Funktion zu nutzen. Das geht natürlich nicht nur über den Computer, sondern auch über Smartphone, Tablet und Co. Die Kollegen, die auf die Daten Zugriff haben, erkennen das Problem und können den Riss reparieren oder die nächsten Handlungsschritte planen. Je nachdem, welches Vorgehen für die Situation erforderlich ist. Sind die gefragten Experten gerade auf einer anderen Baustelle tätig, ist das kein Problem. Dank des Zugriffs auf die gesammelten Informationen ist es nicht unbedingt nötig, extra anzureisen. Sprich: OpenSpace ermöglicht auch virtuelle Ferndiagnosen.

Außerdem gibt es auch die Möglichkeit, alle Notizen mitsamt Fotos, Prioritäten und Kategorien in einen PDF-Report umzuwandeln und zu exportieren. Dieses Dokument kann jederzeit mit externen Partnern geteilt werden, auch wenn diese keinen Zugriff zu OpenSpace haben. Einer unserer Kernwerte heißt nicht umsonst: Simplify everything. Denn seit der Gründung ist es unser Anspruch, die lückenlose Dokumentation der Baustelle zu vereinfachen und als Konsequenz zu beschleunigen.

BGW: Welche Rolle spielt die Digitalisierung für das Jahr 2023 und darüber hinaus?

Martin: Digitalisierung ist für die Betriebe des Baugewerbes unabdingbar, schon allein um wettbewerbsfähig zu sein und Fachkräfte an das eigene Unternehmen binden zu können. Gleichzeitig ist der Wunsch nach eigenständigen Softwarelösungen der einzelnen Betriebe sehr groß. So geht die Umsetzung der Digitalisierung im Baugewerbe immer stärker vonstatten. Der Fokus der Unternehmen liegt also auf der Thematik. Das ist auch wichtig. Schon allein wegen des drohenden Zeit- und Geldverlustes: Früher hat es oft Tage gedauert, bis eine Baustelle wirklich ordentlich und lückenlos dokumentiert war. Heute geht das mithilfe von OpenSpace in 30–40 Minuten.

BGW: Welche Hürden sehen Sie momentan für eine erfolgreiche Digitalisierung der Baubranche?

Martin: Die Politik hat die Digitalisierung weit oben auf die Prioritätenliste gesetzt, aber in den Themen kommt sie nur selten vor. Ein wichtiger Schritt wäre es, wenn der öffentliche Bereich komplett digital würde. Dann kämen die anderen Sektoren in Zugzwang, sich ebenfalls zu transformieren. Außerdem ist Software als Begriff für viele immer noch nur schwer greifbar. Auch wenn sie wissen, dass sie davon profitieren, fehlt bei einigen Unternehmen noch der Bezug dazu. Somit steigen wieder bestimmte Ängste nach oben. Folglich rückt bei vielen dann scheinbar Altbewährtes wieder in den Vordergrund. Genau deshalb ist es auch so wichtig, die Nutzung der Software so einfach wie möglich zu machen. Jeder auf der Baustelle soll digitale Tools benutzen können und auch einen wirklichen Mehrwert sehen. Und genau darauf fokussieren wir uns bei OpenSpace – einfach nutzbare, schnelle und digitale 360°-Realitätserfassung.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 5/23

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