Baumanagement 2026
Kai in der Baustellenlogistik
Baustellen sind das Herzstück handwerklicher Arbeit. Worauf es im Baustellenmanagement ankommt, weiß Dr. Martina Schneller vom Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk:
Sie sind Orte, an denen Planung auf Praxis trifft, Materialströme auf Terminpläne stoßen und Menschen auf Maschinen und Materialien angewiesen sind. Doch während jeder Mitarbeitende im Handwerk täglich Höchstleistungen bringt, bleiben Abläufe oft anfällig für Reibungsverluste: fehlendes Material, verspätete Anlieferungen, unklare Zuständigkeiten, doppelte Wege und fehlende Informationen.
Baustellenlogistik umfasst weit mehr als den reinen Materialtransport. Sie ist das Rückgrat jeder Baustelle und die Summe aller Prozesse rund um Materialbeschaffung, Anlieferung, Lagerung, Abfallentsorgung, Maschinenkoordination und dem Informationsfluss. Eine funktionierende Baustellenlogistik entscheidet darüber, ob ein Arbeitstag produktiv verläuft. Material, Personal, Termine und Aufgabenerledigung müssen exakt zusammenspielen – und das unter ständig wechselnden Bedingungen.
In der Praxis sieht das jedoch häufig anders aus: Das benötigte Material ist nicht vollständig, kommt verspätet an oder liegt auf einer anderen Baustelle. Werkzeuge sind nicht da oder defekt. Mitarbeitende stehen bereit, können aber nicht arbeiten, weil Material oder Werkzeuge fehlen, die Bauaufgabe sich verändert hat oder die Vorarbeiten noch nicht erledigt sind. Hier könnte Kai zum Einsatz kommen: Die baulogistischen Aufgaben sind sehr heterogen und vielseitig. Sie können jedoch grundlegend in die nachfolgend aufgelisteten Handlungsfelder eingruppiert werden, die mit Kai optimiert werden können:
Die Baustelleninfrastruktur basiert in der Planung auch heute auf Erfahrungswerten aus abgeschlossenen Projekten, jedoch nur der erstellenden Person. Mit Hilfe von Kai kann auf alle vorhandenen Unternehmensdaten zugegriffen werden und die Planung deutlich optimiert werden und die Baustelleneinrichtungspläne automatisiert generiert werden. Zurzeit wird die Baustelleneinrichtungsplanung meist nur zu Beginn eines Projekts erstellt und beinhaltet unter anderem die Positionierung und Größe von Lagerflächen. Im Verlauf ändern sich häufig die Gegebenheiten auf der Baustelle, dies findet selten Umsetzung in der Nutzung von Lagerflächen. Durch die Verwendung von Kamerasystemen mit integrierter KI-Bilderfassung ist es möglich, den aktuellen Status der Lagerflächen in Echtzeit zu erkennen, aber auch neue Lagerflächen für Materialien zu identifizieren und die Platzierung prozessoptimiert vorzuschlagen. So kann, dank Kai, die Planung regelmäßig aktualisiert und optimiert werden.
Ein weiteres Einsatzgebiet von Kai mit KI-gestützten Kamerasystemen wäre der Ressourceneinsatz. Hier erkennt Kai, welche Ressourcen sich auf der Baustelle befinden, in welcher Menge und an welchem Ort. Darüber hinaus können Materialien bestimmten Bauabschnitten, Gewerken oder Zeitfenstern zugeordnet werden. So entsteht ein digitales Abbild der realen Baustelle. Verantwortliche erhalten verlässliche Informationen darüber, welches Material verfügbar ist, wann es eingesetzt wird und ob ein Nachschub notwendig ist.
Ein weiteres Handlungsfeld von Kai auf der Baustelle ist der Materialtransport. Derzeit transportieren Fachkräfte Materialien vom Lagerplatz zum ihren Einsatzort. Zukünftig kann Kai in Form eines KI-gesteuerten Transportroboters eingesetzt werden. Der Roboter nimmt die Materialien eigenständig auf und bringt diese zum jeweiligen Verbringungsort. Kai als Transportmittel bewegt sich autonom über die Baustelle, erkennt Hindernisse, passt die Route an und liefert das Material wie gewünscht ab. Neben der Versorgungslogistik kann auch die Entsorgungslogistik von Kai übernommen werden.
Ordnung und Sauberkeit auf der Baustelle werden derzeit durch regelmäßige Baustellenbegehungen sichergestellt. Abfallverunreinigungen wie Materialreste, Verpackungsmüll oder Essensabfälle werden dokumentiert und den jeweiligen Verursachern zur Beräumung zugewiesen. Zukünftig kann diese Aufgabe durch KI-gestützte Bildaufnahmen automatisiert erfolgen. Kai erkennt den Abfall und kann diesen dokumentieren und eindeutig zuordnen. Und er kann bei der Kontrolle der Beräumung unterstützen. Passend zum Transportroboter kann Kai als KI-gesteuerter Saugroboter eingesetzt werden. Zuhause haben wir die meist schon rumfahren. Mithilfe von Kamera- und Sensorsystemen können sie aber auch die Baustelle kontinuierlich von Staub und Schmutz befreien und tragen so zur Arbeitssicherheit und zu besseren Arbeitsbedingungen bei. Auch die Entsorgungsbehälter lassen sich intelligent überwachen. Anstatt Füllstände bei Begehungen zu kontrollieren, kann Kai den aktuellen Füllgrad visuell, dank KI-gestützter Kamerasysteme, erfassen und frühzeitig einen neuen Entsorgungsbehälter bestellen. Und dies sogar in Verbindung mit den anstehenden Bauprozessen vorhersagen.
Wenn wir dann schon Kai als KI-gestütztes Kamerasystem auf der Baustelle haben, um die Baulogistik abzudecken, dann kann Kai auch gleich noch die Baufortschrittskontrolle übernehmen. Kai kann den Ist-Zustand über die auf der Baustelle aktive Robotik erfassen und diese mit dem Sollzustand aus der Planung abgleichen. Abweichungen werden kenntlich gemacht, aber auch der Baufortschritt wird für alle Beteiligten transparent.
Der Erfolg von Kai steht und fällt mit der Qualität der vorhandenen Daten. Auch wenn Sie im Moment noch nicht mit Kai aktiv arbeiten möchten, sollten Sie darauf achten, dass Ihre Daten korrekt, gut organisiert und für potenzielle KI-Anwendungen leicht zugänglich vorhanden sind.













