Digitalisierung in der Baubranche:
Capmo und MBN: Wer nicht dabei ist, wird überholt
Florian Biller, Mitgründer von Capmo, und Mario Wenzel, Niederlassungsleiter von MBN, erklären im Interview mit Baugewerbe-Chefredakteur Kai Ingmar Link, wie man den Anschluss an den Zeitgeist nicht verliert.
Baugewerbe:
Was war der Auslöser für die Gründung von Capmo?
Florian Biller:
Einen direkten Auslöser gab es so nicht. Es ist aber so, dass meine Familie schon immer in der Baubranche verwurzelt war. Meine Großeltern haben Ende der 1950er, Anfang der 1960er ein Bauunternehmen gegründet. Ich selbst habe BWL studiert und aus dieser Erfahrung schnell erkannt, welche Prozesse in der Firma optimiert werden könnten.
BGW:
Was ist das Ziel von Capmo?
Biller:
Wir bieten eine Software für Baustellenmanagement an. Und zwar ganz bewusst nicht für das Backoffice, sondern wirklich für die Baustelle selbst. Das Ziel ist es, alle Prozesse von der Planung bis zum Abschluss der Arbeiten effizienter zu gestalten. Aber nicht nur das, unser ganzheitliches System ist auch darauf ausgelegt, Kosten einzusparen. Alle Projektbeteiligten, intern oder extern, können im System auf die Daten zugreifen und die Arbeiten schnell abschließen. Wichtig ist, dass wir eine Lösung für alle Prozesse anbieten können und keine Silos entstehen lassen. Silos sind schuld, wenn es zu Verzögerungen kommt. Ein Beispiel: Muss für eine Baustelle ein Nachtrag vorgenommen werden, kann ein Mitarbeitender eine Aufgabe auf dem Zeitstrahl einfügen. Der Zeitstrahl, sprich das Projekt, kann nicht weitergeführt werden, bis die Aufgabe erledigt ist.
BGW:
Wo liegen die Schwerpunkte von MBN?
Mario Wenzel:
MBN wurde 1969 gegründet und sind als Generalunternehmer im Schlüsselfertigbau tätig. Im Jahr erwirtschaften wir an all unseren Standorten ein Bauvolumen von circa 400 bis 450 Millionen Euro. Wir bauen das, was der Kunde von uns wünscht. Angefangen vom mehrgeschossigen Wohnungsbau bis zum Spaßbad; zum Beispiel auch das Hundertwasser-Haus in Magdeburg. Aber auch im sozialen Wohnungsbau sind wir tätig. Ein Thema, welches in den vergangenen Jahren und wohl auch in Zukunft immer wichtiger wird, ist der Sektor "Bauen im Bestand".
BGW:
Gab es ein bestimmtes Erlebnis, das Sie dazu bewogen hat, auf Capmo zu setzen?
Wenzel:
Ein Schlüsselerlebnis gab es nicht. Es war vielmehr eine logische Schlussfolgerung aus den im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen. Vor einiger Zeit noch fielen die Verwendung von Excel-Online- Tabellen und das Versenden einer E-Mail bei uns unter das Stichwort Digitalisierung. Wir haben aber schnell festgestellt, dass es andere Tools gibt, die uns besser helfen können. Die Aufgaben und Herausforderungen in der Arbeitswelt geben die Technologien vor.
Es ist wichtig, sich ständig kritisch selbst zu hinterfragen und die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen. Unser Ziel war und ist es, effizienter zu werden. Die Wahl fiel auf Capmo, weil die Bedienung so intuitiv und leicht verständlich ist, wie sie sein muss. Wäre dies nicht der Fall, würde auch niemand die Software nutzen.
Biller:
Das ist ein gutes Stichwort. Damit die Software auch wirklich zielgerichtet genutzt werden kann, beschränken wir uns nicht bloß darauf, das System zu liefern. Um einen ganzheitlichen Service zu bieten, betreuen wir unsere Kunden auch nach Lieferung vollumfänglich. Wir lernen das Personal intensiv an, damit die Implementierung der Software nicht unnötig Zeit frisst, was bei den sowieso schon oft engen Zeitfenstern der Bauunternehmen fatal wäre.
BGW:
Welche Vorteile bietet Capmo seinen Kunden?
Wenzel:
Uns haben die Software und der Service geholfen, Baustellen schnell und effizient durchzuführen. Was nicht einfach ist, da wir sehr viele unterschiedliche Baustellen betreuen. Somit war eine Grundvoraussetzung, dass die Software die Bandbreite der Aufgaben abdecken kann.
Biller:
Wie auf Baustellen üblich, kommen auch bei unserer Software immer neue Bausteine hinzu. So erhalten unsere Kunden ein individuelles Paket für das optimale Baustellenmanagement.
BGW:
Wie genau funktioniert die Software von Capmo? Sprich, welche Features werden auf welche Weise genutzt?
Biller:
Alle Pläne, BIM-Modelle, Dokumente und Fotos werden jederzeit an einem Ort auf dem neuesten Stand gehalten. Dies hilft, Fehler aufgrund veralteter Informationen zu vermeiden. Mit Capmo haben alle Projektbeteiligten Zugriff auf den aktuellen Projektstatus und können ihn auch eigenständig aktualisieren. Kunden erkennen durch die Terminplanung von Capmo frühzeitig, wann sich ein Projekt verzögern könnte und sie eingreifen sollten. Mit dem Bauzeitenplan können Kunden alle Zeiten genau vorplanen und Projektbeteiligte rechtzeitig informieren, damit Bauprojekte erfolgreich abgeschlossen werden. Mit Projektvorlagen können für beliebig viele Projektarten Aufgaben definiert werden. Bei Erstellung neuer Projekte werden diese automatisch angelegt.
Erledigte Aufgaben aus Checklisten können mit nur einem Klick als Bericht exportiert und automatisch in Capmo abgelegt oder per Mail versendet werden. Kosten von Mängeln, Nachträgen, Schäden und Aufgaben dokumentieren Sie bequem direkt in Capmo. Die Kosten von Mängeln und Kosten, die in Verbindung mit Fristüberschreitungen stehen, sehen Sie auf nur einen Blick. Weitere Detailinformationen erhalten Sie per Mausklick.
BGW:
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Digitalisierung des Baugewerbes erfolgreich umgesetzt werden kann?
Wenzel:
Der Handlungsrahmen muss stimmen. Aussagen wie "Das haben wir schon immer so gemacht" helfen uns nicht weiter. Wichtig ist, auch auf junge Mitarbeiter zu hören, die einen neuen Spirit mitbringen und für sich selbst eigene Werte definiert haben. Dazu gehören auch neue Technologien, die sie schon aus Studium und Ausbildung kennen. Bei MBN haben wir schnell festgestellt, dass wir auf diesem Wege große Projekte schneller erledigen können. Anhand dieser messbaren Erfolge konnten wir intern die Akzeptanz steigern.
Biller:
Die Akzeptanz ist auch unser Ansatzpunkt. Anhand von erfolgreichen Anwenderfällen zeigen wir Bauunternehmen auf, welche Vorteile die Digitalisierung bietet. Zum Beispiel durch Baupläne, die sogar mobil auf der Baustelle verfügbar sind. Das und die Tatsache, dass wir mit Capmo ein System für alle Prozesse bieten können, überzeugt dann in der Regel.
BGW:
Was antworten Sie jemandem, der sagt, die Digitalisierung wird überbewertet?
Biller:
Es gibt immer andere Wege. Hätte mein Opa damals gesagt, er erledigt alle Arbeiten ohne Kran oder Bagger, hätte das auch funktioniert. Aber nicht besonders effizient. Und so verhält es sich auch mit der Digitalisierung. Wer nicht dabei ist, wird früher oder später überholt.
Wenzel:
Wir haben gesehen, wie wir Prozesse effizienter gestalten können. Es ist einfach wichtig, am Puls der Zeit zu bleiben, sonst verpasst man wichtige Entwicklungen. Denn die Digitalisierung wird in jedem Fall voranschreiten.
BGW:
Vor welchen Hürden stehen Unternehmen bei der Digitalisierung?
Wenzel:
Eine Frage ist natürlich, wie die Datensicherheit und der Zugang zu diesen Daten gestaltet wird. Es ist immens wichtig, Vertrauen in die Sicherheit zu schaffen.
Biller:
Die Baubranche ist eine der am wenigsten digitalisierten Industrien. Die Branchen hängt um den Faktor fünf hinterher. Hier schlummert noch sehr großes Potenzial.
BGW:
Vielen Dank für das Gespräch!
Dieses Interview erschien zuerst in Ausgabe 11_23.













