Modulo-System

Martin Schrüfer,

Wertstoffhof in Modulbauweise erweitert

Der Recyclinghof An der Talle ist ein Recyclinghof des Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb Paderborn (ASP). 2008 mit einer einfachen baulichen Ausstattung errichtet, wurde er aufgrund derzunehmenden Frequentierung 2018 ausgebaut. Kernstück bildet heute das Modulo-System.

Quasi ein Lego für Große: Der neue Wertstoffhof nach der Fertigstellung. © Modulo Wertstoffhöfe

Auf dem rund 9.500 Quadratmeter großen Gelände bietet das Modulo-System eine wettergeschützten Annahme der Wertstoffe auf zwei Ebenen. Die Lego-Bauweise mit Betonfertigteilen bietet für den Betreiber dabei einige Vorteile. Im Zentrum der Überlegungen standen bei den Planern neben der Bauzeit vor allem Aspekte der Kundenfreundlichkeit, wie zum Beispiel eine schnelle Abwicklung ohne Wartezeiten sowie eine Überdachung der Anlage. Basierend auf einer wirtschaftlichen Vergleichsberechnung entschied sich der Betreiber für eine Rampenanlage – realisiert mittels der flexiblen Modulbauweise „Modulo“: Insgesamt 78 bei Kleihues in Emsbüren monolithisch hergestellte Fertigteile gelangten mit 37 Lkw-Fuhren auf die Baustelle. Sie wurden vor Ort auf tragfähigem Boden aufgestellt und konstruktiv miteinander verbunden. Die Wandstärken der Elemente betragen 14 cm, die Deckenstärken 23 cm. Alle Elemente wurden mit einer Länge von drei Meter geplant. Die Höhen variieren dabei zwischen 0,50 Meter und 2,60 Meter. Die maximale Spannweite beträgt vier Meter. In Summe bestehen die Elemente aus etwa 700 Tonnen Beton. Der Vorteil der Modulbauweise: Die Montage der Elemente erfolgte in nur fünf Tagen und bereits kurze Zeit später hatte der neue Wertstoffhof bereits ein Dach über dem Kopf.

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Durchdachtes Konzept
Aber wie funktioniert so ein zweigeschossiger Wertstoffhof? Der Kunde zahlt seine Gebühr an einer überdachten Kassenanlage, dort erfolgt auch die Steuerung der Kundenströme durch die Mitarbeiter. Der Nutzer fährt auf der einen Seite der modular aufgebauten Anlage eine Rampe hoch, stellt seinen Pkw ab und entsorgt den Abfall ohne größere Anstrengung in tiefer stehenden Containern. Insgesamt befinden sich an der Modulo-Anlage in Paderborn zehn Containerstellplätze, von denen vier mit Rutschen ausgestattet sind, die ein kundenfreundliches Befüllen der Container ermöglichen. Anschließend fährt der Nutzer auf der anderen Seite wieder herunter. Die Ein- und Ausfahrten sind vom normalen Betriebsverkehr getrennt. Ebenerdig ist ein Bereich mit Schüttboxen für die Anlieferung größerer Mengen eingerichtet. Dank der zwei Ebenen soll künftig gewährleistet sein, dass das in den letzten Jahren häufig auftretende Verkehrschaos ausbleibt.

Werksverkehr von Kundenverkehr getrennt
Die gesamte Verkehrsführung der Anlage ist dabei so ausgelegt, dass der interne Werksverkehr und der Kundenverkehr bis auf wenige Kreuzungsbereiche komplett voneinander getrennt sind. Der vorhandene Recyclinghof besteht aus einer Pflasterfläche, die weitgehend erhalten bleiben konnte. Die neu errichteten Flächen wurden in Asphalt- beziehungsweise neben der Rampenanlage im Bereich der Containerstellflächen in Betonbauweise errichtet. Der Betreiber geht davon aus, dass im Obergeschoss 13 Fahrzeuge gleichzeitig abgefertigt werden können. Bei einer durchschnittlichen Entladezeit von fünf Minuten könnten somit circa 150 Fahrzeuge pro Stunde die Rampenanlage befahren.

Eine weitere Besonderheit: Die Überdachung wurde mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, die zusammen mit Batteriespeichern dazu dient, Strom sowohl für den Betrieb der Anlage, als auch für verschiedene elektrisch betriebene Fahrzeuge zu produzieren.

Fertigteilbauweise bietet Flexibilität
Oft ergeben sich im Laufe der Jahre veränderte umweltbezogene und gesetzliche Anforderungen. Die Fertigteilbauweise bietet hier Flexibilität, denn die Elemente können angepasst, erweitert, umgesiedelt und wiederverwendet werden. Dank der hohlen Unterseite kann die Fläche doppelt genutzt werden. Die Kosten sind laut Unternehmensangaben vergleichbar mit einer konventionellen Bauweise.

Der Beitrag erschien in Baugewerbe 10/20.

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