Gerüste + Schalungen
„Wir betreuen jeden Bauunternehmer – ob groß oder klein.“
Ralf Bürger spricht über das Ziel, als Schalungshersteller in Deutschland die Nummer Eins zu werden und darüber, mit welchen Maßnahmen die Doka die Digitalisierung vorantreibt. Und er plaudert aus dem Nähkästchen über seine Zeit in Katar.
Die Deutsche Doka ist einer der großen Schalungshersteller in Deutschland. Was kann Ihr Unternehmen besser als andere? Wie überzeugen Sie einen Interessenten und potenziellen Kunden davon, dass er bei Ihnen kaufen soll?
Ralf Bürger:
Das ist komplex. Wir haben verschiedene Produktgruppen und bieten verschiedene Dienstleistungen an. Wenn Sie beispielsweise hier auf den Hof hinunter gucken, sehen Sie diese gelb-grauen Elemente. Das ist unsere Rahmenschalung Framax Xlife plus. Einseitig bedienbare Schalungen gibt es ja schon, aber so einen Anker gab es vorher und gibt es bis heute sonst nirgends. Der bringt bis zu einem Drittel Zeitersparnis beim Ein- und Ausschalen.
Was uns strategisch abhebt von unserem Wettbewerb in Deutschland, ist mit Sicherheit, dass wir sehr breit aufgestellt sind. Unsere Vertriebsstrategie ist, dass wir nicht nur Großprojekte machen und nicht nur große Kunden betreuen, sondern uns um jeden Bauunternehmer kümmern, egal ob groß oder klein.
Diese Aussage überrascht mich ein bisschen. Wenn man auf Ihre Website geht, sieht man viele internationale Projekte – grosse beeindruckende Referenzprojekte – ein Wasserkraftwerk in Kanada, Windkraftanlagen, der Gotthard Basis Tunnel, der Burj Khalifa in Dubai... Spiegelt sich das nicht in Ihrer Kundenstruktur wider – dass Sie hauptsächlich für die „Großen“ da sind?
Ralf Bürger:
Nein – ganz im Gegenteil.
Den Eindruck könnte man aber bekommen… Ralf Bürger: Ich verstehe, was Sie meinen. Natürlich zeigt man solche Großprojekte wegen ihrer Wirkung auf Foto und Video besonders gerne. Wenn Sie sich hier in meinem Büro umgucken, sehen Sie Bilder von größeren und schwierigeren Projekten an der Wand hängen. Und auch auf der Website finden Sie natürlich vor allem unsere Prestigeprojekte. Aber das ist nicht unser Massengeschäft. Wir liefern auch Schalungselemente an Kleinstfirmen, die Fundamente für Häuser machen und ihren Keller schalen.
Spiegelt sich das dann auch umsatzmäßig wider? Ralf Bürger: Bei der Deutschen Doka machen Großprojekte etwa 35 bis 40 Prozent des Umsatzes aus, die mittleren Projekte 30 Prozent und dann noch die kleinen. Also ganz vereinfacht gesagt ist das Verhältnis Drittel/Drittel/Drittel. Stückzahlenmäßig sieht es natürlich komplett anders aus.
Ein mittelständischer Betrieb in der schwäbischen Alb würde sich also auch an Sie wenden? Ralf Bürger: Absolut, ja. Jedes Bauunternehmen.
Der wäre nicht abgeschreckt von Ihren Großprojekten? Ralf Bürger: Sie sprechen etwas Interessantes an. Auch uns ging es so, dass wir gesagt haben, wir müssen unser Marketing überdenken, damit sich der kleine Bauunternehmer auch angesprochen fühlt, den wir ja tatsächlich eng betreuen. Das hebt uns definitiv von unseren Mitbewerbern ab, dass wir uns eben auch um die (macht mit den Fingern Gänsefüßchen in die Luft) „kleineren“ Kunden kümmern, und zwar quasi direkt vor ihrer Haustür.
Es gibt kleinere Marktbegleiter, die sich neben Ihnen am Markt behaupten – die versuchen mit individuellen Schalungslösungen und engem Kundenkontakt zu punkten. Mal etwas provokant gefragt: Stimmt es, dass Sie eher als Anbieter für die standardisierten Lösungen stehen… Ralf Bürger: Nein. Es ist dabei egal, ob man ein kleines oder großes Projekt macht, es sind meistens Unikate, die am Schreibtisch oder in der Fertigung entstehen. Jedes Bauwerk sieht anders aus, das heißt, es ist immer eine individuelle Lösung für dieses Projekt und diesen Kunden.
Die Schalung wird aber auch wiederverwendet? Ralf Bürger: Sie sprechen die Tatsache an, dass wir modulare Standard-Schalungen haben. Das ist wie ein Baukasten-Prinzip: Die gleichen Teile werden jedes Mal anders zusammengesetzt. Und wenn es ganz kompliziert wird – wenn die Geometrie des Gebäudes komplex ist, also konvex und geschwungen, da müssen wir maßgeschneiderte Schalungen herstellen, wie ein ganz normaler Zimmereibetrieb. Da werden Hölzchen auf Hölzchen zusammengeschustert und eine Schalung hergestellt, die man nur für dieses eine Mal verwenden kann. Das sind maßgeschneiderte Schalungen.
Das ist dann was Besonderes?
Ralf Bürger:
Ja – das ist was Besonderes – das bieten auch nicht alle Schalungshersteller an. Um auf Ihre Frage vom Anfang nach dem USP zurückzukommen: Wir haben mit das dichteste Niederlassungsnetz in Deutschland, verglichen mit allen anderen Schalungsherstellern. Wir haben 65 Vertriebsmitarbeiter und rund 150 Ingenieure, die nur planen. Wir sind also ganz nah am Kunden.
Haben Sie selbst noch direkten Kundenkontakt? Ralf Bürger: Das kommt nicht allzu oft vor. Aber bei größeren Projekten übernehme ich die Projekt-Ownerschaft, da gibt es automatisch Berührungspunkte. Auch Baustellenbesuche ganz an der Basis gehören da dazu.
Sie betonen in Ihrer Firmenhistorie Ihre Wurzeln. Doka ist von einem kleinen Zimmereibetrieb zu einem internationalen Konzern gewachsen. Spürt man, dass die Doka ein ursprünglich österreichisches Unternehmen ist? Ralf Bürger: Mit Sicherheit. Von den über 6.600 Mitarbeiter sitzen 2.000 in Österreich, wo die Produktionsstätte ist. Wir waren letztes Jahr zum Geburtstag des Eigentümers eingeladen, der im August 80 geworden ist. Man spürt, dass es ein Familienunternehmen ist.
Zum einen sagen Sie, Sie sind ein Familienunternehmen, andererseits sind Sie mit über 6.000 Mitarbeitern ein Konzern. Haben Sie Konzernstrukturen? Ralf Bürger: Definitiv, wir haben Konzernstrukturen. Wir sind Management-geführt. Aber das Gefühl ist immer noch da. Weil Alfred Umdasch das immer noch versprüht und die Gründerfamilie nach wie vor aktiv ist. Wir versuchen, das auch intern zu vermitteln. Die Zusammenarbeit ist familiär.
Welche Ziele haben Sie sich als Unternehmen für 2018 gesetzt? Ralf Bürger: Wir als Deutsche Doka haben das ganz klare Ziel, dass wir mit unseren Dienstleistungen mit Abstand Marktführer werden.
Werden? Ralf Bürger: Umsatzmäßig ist es momentan ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem anderen namhaften Schalungshersteller, den Sie sicher auch kennen.
Und die haben die Nase vorn? Ralf Bürger: Naja – es ist wie gesagt ein Kopf-an-Kopf-Rennen und wir glauben, dass wir in den letzten eineinhalb Jahren ein Stück gewonnen haben. Und unser Ziel ist definitiv, die Nummer eins zu werden.
Und wie wollen Sie das erreichen? Ralf Bürger: Mit einer ganz klaren Strategie.
Und wie sieht die aus? Ralf Bürger: Lassen Sie es mich so sagen. Wir haben dieses Jahr ein Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr von 25 Prozent. Wahrscheinlich sogar eher mehr. Sie wissen ja selbst, dass die Baubranche boomt. Der Boom hat Mitte 2016 begonnen. Wir profitieren von der Konjunktur. Der Markt ist etwa um 8 Prozent gewachsen, wir sind um 25 Prozent gewachsen. Das ist eine signifikante Steigerung.
Und wie ist Ihnen das gelungen? Ralf Bürger: Wir haben Marktanteile gewonnen, weil wir den Vorteil hatten, durch unser enges Niederlassungsnetz lieferfähig zu sein, Kapazitäten hatten und Projekte abwickeln konnten. Wir konnten auch größere Spitzen abfedern, wo mittlere und kleine Unternehmen schnell an ihrer Grenze geraten. Wir haben die Manpower, Kapazitäten, Beratung, Ingenieure und eben auch das Material.
Das heißt, Sie sind gut aufgestellt.
Ralf Bürger:
Richtig. Wir kümmern uns seit Jahren um alle Kunden und sind nicht auf eine Kundengruppe fokussiert. Wenn die Konjunktur in eine andere Richtung geht, ist es wichtig, breit aufgestellt zu sein. Wir wickeln im Jahr zwischen 10.000 und 12.000 Projekte ab und kooperieren beispielsweise auch über die Landesgrenzen hinaus.
Das heißt, Sie sehen 2018 relativ entspannt entgegen? Können Sie trotzdem etwas mehr über Ihre Pläne sagen? Ralf Bürger: Wir haben eine relativ klare Strategie, aber die verraten wir aus Wettbewerbsgründen natürlich nicht.
Wollen Sie weiter wachsen? Ralf Bürger: Wir investieren in Personal, in noch mehr Vertriebsmitarbeiter. Wir werden auch mehr technische Mitarbeiter einstellen, die auch vertrieblich unterwegs sind.
Sie haben in der Vergangenheit Firmen übernommen wie zum Beispiel das holländische Technologieunternehmen BIAIS. Sind weitere Übernahmen geplant? Ralf Bürger: Nach meinem Kenntnisstand nicht, nein.
Das Thema Digitalisierung wird auch für die Baubranche immer wichtiger. Allerdings hört man immer, die Baubranche hinkt in Sachen Digitalisierung hinterher. Andere Branchen seien schon weiter. Stimmen Sie dem zu? Ralf Bürger: Die hinkt sicher hinterher. Die Baubranche ist etwas konservativer. Digitalisierung ist auch ein bisschen ein Modewort geworden. Nichtsdestotrotz – Stichwort BIM – wird einiges passieren, um den gesamten Bauprozess schon ganz früh in der Entwicklung und der Planung zu erfassen. Heute ist jedes Bauwerk ein Unikat, es wird immer wieder neu geplant und kalkuliert, ohne auf ältere Projekte zurückzugreifen. Durch BIM wird man hier effizienter werden.
Was unternehmen Sie im Bereich Digitalisierung? Ralf Bürger: Wir machen im Wesentlichen zwei Dinge. Das eine betrifft den Bereich Planung, und geht in Richtung Informationsmanagement, worum im Wesentlichen ja auch bei BIM geht. Das andere liegt im Bereich Services. Ein Beispiel ist unser Online Shop, den wir im Mai letzten Jahres gelauncht haben. Das ist ein Mosaikstein. Ein anderer ist etwa Concremote, eine Technologie, mit der wir in den Bauprozess eingreifen, obwohl wir nur Schalungslieferant sind. Der Unternehmer erfährt „Wann kann ich ausschalen, wie schnell kann ich umsetzen?“ Sensoren messen die Temperatur und berechnen den Reifegrad des Betons. Mit Concremote helfen wir auf der Baustelle, Zeit zu sparen. Oder wenn die Zeit keine Rolle spielt, können wir sagen „Du kannst in dem Fall eine andere Betonrezeptur nehmen.“ Damit helfen wir, Kosten zu sparen, weil man nicht den teuren Beton verwenden muss, der schneller abbindet.
Wird der Einsatz dieser Technologie bald zum Standard gehören? Ralf Bürger: Das dauert sicher noch eine Weile, weil es eine neue Methode ist. Wir setzen auf die innovativen Bauleiter und Geschäftsführer. Sobald die davon überzeugt sind, dann wird das auch schnell gehen und sich weiter durchsetzen.
Wenn man Ihren Berufsweg anschaut, merkt man, dass Sie sich in verschiedenen Kulturen bewegt haben – für Doka waren Sie in England und in Katar. Erzählen Sie uns kurz, was Sie dort gemacht haben. Ralf Bürger: In beiden Ländern war ich als Geschäftsführer tätig, in UK war es eher eine kurze Episode. In Deutschland bin ich nun seit einem Jahr. Zuvor war ich knapp über vier Jahre in Katar Geschäftsführer der Landesgesellschaft.
Das ist ja ein ganz anderer Kulturkreis. Wie war es, als Sie wieder hierher kamen? Ralf Bürger: Ich vermisse Katar ein bisschen. Es hatte einen Hauch von Abenteuer. Das brauche ich irgendwie. Ich war vorher noch nie im Mittleren Osten. In der Firma arbeiteten 24 Nationalitäten und alle sprechen schlechtes Englisch, auch der Geschäftsführer (schmunzelt) – das ist eine riesige Herausforderung.
Haben Sie dort etwas vermisst, was Sie hier schätzen? Ralf Bürger: Dort wird natürlich viel improvisiert und man ist unbürokratischer unterwegs. Manchmal habe ich dann doch die strukturierte Arbeitsweise, die hier vorherrscht, vermisst.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bürger.











