Interview
Wohnturm in Wiesbaden - Statik und Schallschutz gerecht werden
An prominenter Stelle in „Kastel Housing“ platziert, war der erste Neubau des neuen Wohnquartiers im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kastel als „Leuchtturmprojekt“ ausgeschrieben: Nach Vorgabe der Wiesbadener Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) und der Wohnungsbaugesellschaft der Landeshauptstadt (GWW), die das Quartier im Zuge der Konversion eines ehemaligen Kasernengeländes entwickelt hatten, sollte der sechsgeschossige Holz-Hybrid-Quader als architektonisches Signet für den Klimaschutz stehen.
mikado sprach mit Gerhard Wagner und Helmut Zeitter vom Ingenieurbüro Wagner Zeitter, wie sie Architektur und Brandschutz zusammenbringen.
Herr Wagner, Herr Zeitter, das Projekt Wohnturm orientiert sich ja bereits stark an der Regeln der Musterholzbaurichtlinie 2024?
Helmut Zeitter: Obwohl Letztere ja zum Planungszeitraum in Hessen noch keine Gültigkeit hatte. Tatsächlich ist es uns gelungen, eine Bauaufsicht der Stadt Wiesbaden zu motivieren, sich vorab inhaltlich mit der neuen Richtlinie auseinanderzusetzen. So waren wir hier die ersten, die ein Gebäude danach umsetzen konnten. Das hat uns zähe Diskussionen und viel Aufwand gekostet. Formal mussten wir etwa für Brandschutzdetails den Weg über die vorhabenbezogene Bauartgenehmigung gehen. Aber das Ergebnis macht uns stolz, dass wir an diesem Projekt mitwirken konnten.
Gab es Reibungspunkte zwischen Architektur und Brandschutz?
Zeitter: Durchaus, denn die Idee durchlaufener Lisenen ist kein Konzept, das von der Musterholzbaurichtlinie abgedeckt wäre. Hier hat der Brandriegel Vorfahrt vor der Lisene, die deshalb unterbrochen wurde. Man musste dann gleich in hoher Detailtiefe denken und zum Beispiel Tropfkanten einplanen. In anderen Bereichen gingen Brandschutz und Architektur konform, etwa beim Verzicht auf eine Außentreppe dank Anleiterbarkeit. Wegen der schwierigen Aufstellflächen war das allerdings auch nicht eben trivial.
Brachte der Wechsel zur Vorfertigung erheblichen Aufwand?
Gerhard Wagner: Das war überschaubar, weil sich die ZMH-Manufaktur intensiv in die Entwicklung von Details einbrachte. So entstand eine sehr kooperative Zusammenarbeit, von der beide Seiten durch viel Erkenntnisgewinn profitierten. Bei den HBV-Elementen kam der Hersteller mit seinem Fachwissen noch dazu.
Bringt hier die Vorfertigung Probleme beim Schallschutz?
Wagner: Verbunddecken sind generell schwer einzuschätzen, zumal es hier wenig geprüfte Werte und Untersuchungen gibt. Schalltechnisch sind sie in jedem Fall nicht so gut wie Massivdecken, wobei der kritische Punkt meistens der Trittschall ist. Erst recht, wenn der Beton wie im Wohnturm eher schlank ausfällt. Auch über die Nebenwege findet der Schall leichter seinen Weg. In Kastel hatten wir den Vorteil, dass wir die Trennwände mit Trockenbauschale an die massiven Stahlbeton-Unterzüge von Deckenflanken anschließen konnten. Da hatten wir genügend Masse, auch der Betonboden mit getrenntem Estrich war hilfreich, ebenso die massiven Unterzüge zwischen den Außenwänden. Bei den Außenwänden waren die Vorsatzschalen außerdem immer durch die Trennwände unterbrochen.
Herr Wagner, Herr Zeitter, wir danken für das Gespräch.
Einen ausführlichen Beitrag zum Wohnturm lesen Sie ab dem 10. Februar in unserer mikado-Ausgabe 0102.2026.










