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1. Süddeutscher Holzbau Kongress: „Bauen Sie Ihre Kompetenz im Nicht-Wohnbau aus“

Zur Premiere vom 1. Süddeutschen Holzbau Kongress kamen 454 Teilnehmende nach Fellbach bei Stuttgart. Am 25. und 26. Juli 2023 spannte der Info-Bogen von der wirtschaftlichen Branchenanalyse bis zu konkreten Antworten darauf – Projekte, Praxiserfahrungen, Prognosen.

Mit insgesamt 454 Teilnehmenden und 57 Ausstellern vor Ort war der 1. Süddeutsche Holzbau Kongress ein großer Erfolg (Fotos: mikado)

„Im Sanierungsbereich ist 2023 ein verlorenes Jahr,“ analysierte Martin Langen, Geschäftsführer B+L Marktdaten (Bonn) am ersten Veranstaltungstag. Gleichzeitig prognostizierte er aber, dass er von einer deutlichen Aufhellung in der Baubranche ausgehe. Seine Einschätzung: Die Sanierung zieht demnächst wieder an und kann den rückläufigen Neubau wieder etwas kompensieren. Für den schwachen Neubau machte Langen vor allem die Streichung der KfW-Förderungen verantwortlich: „Die KfW-Förderungen waren doch sozusagen als Eigenkapital eingeplant!“

Für die aktuell schwache Lage im Neubau machte Martin Langen, Geschäftsführer B+L Marktdaten, vor allem die Streichung der KfW-Förderungen verantwortlich

Langen geht für 2023, obwohl er eine Belebung des Immobilienmarktes seit Mai 2023 erkannte, davon aus, dass das die erzielbaren Preise ebenso rückläufig sein werden, wie die verbauten Mengen. Das könnte sich ändern, wenn Mitte 2024 die Bauzinsen wieder sinken, denn davon geht man bei Bonner Forschungsinstitut aus. Beim seriellen Bauen erwartet B+L Marktdaten einen Boom – der allerdings auch von Überkapazitäten geprägt sein dürfte, da große Spieler große Mengen in den Markt geben werden.

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Die größten Chancen erkennt das Institut aktuell im Objektbau. Seine klare Empfehlung an die Holzbauer: „Bauen Sie Ihre Kompetenz im Nicht-Wohnbau aus!“ Allerdings sollten die Zimmerer hier vorsichtig an ihre Partner am Bau herangehen, denn Martin Langen rechnet mit so mancher Insolvenz in den kommenden Jahren: „Seien Sie mit Vorleistungen vorsichtig – wir werden wieder mehr Pleiten erleben!“

Weg von der Wegwerf-Mentalität

Während im Verlauf des Dienstags bei den einzelnen Vortragsblöcken beispielsweise die Themen „Neue Wege beim nachhaltigen Bauen“, „Konstruktiver Schallschutz“, „Modulare Aufstockungen“ oder „Immobilienwirtschaft und Holzbau“ von den Referenten informativ und verständlich aufbereitet wurden, lag der Fokus am Mittwoch unter anderem auf den Themen „Zirkuläres Konstruieren und Bauen“, „Decken für den Holz(haus)bau“ sowie „Klimagerechtes Planen und Bauen“.

Patrick Bergmann (Madaster, Berlin) ging in seinem Vortrag auf die „Wegwerf-Mentalität“ in der Immobilienbranche ein

Zum Auftakt ging Patrick Bergmann (Madaster, Berlin) auf die „Wegwerf-Mentalität“ in der Immobilienbranche ein. Allein im Jahr 2020 betrug die Menge an Bau- und Abbruchabfällen in Deutschland 229,4 Millionen Tonnen – die Immobilienbranche ist bekanntlich einer der größten Abfallproduzenten weltweit. Wie die Branche durch Recycling und Kreislaufwirtschaft dieser Tatsache entgegenwirken kann, zeigen unter anderem die Niederlande durch nachhaltiges Bauen und der Sanierung unter dem Gesichtspunkt der Ressourcenschonung und Abfallvermeidung mit Hilfe des Cradle-to-Cradle-Prinzips.

Bergmann stellte den Kongressbesuchern Madaster vor – eine globale Online-Plattform mit Ursprung in den Niederlanden, die den zirkulären Einsatz von Produkten und Materialien in der Bauwirtschaft ermöglicht. Die Plattform gibt Eigentümern/Bauherren die Gelegenheit, Daten ihrer Immobilien zu speichern, zu verwalten, anzureichern und auszutauschen. Inzwischen ist Madaster in sechs Ländern aktiv, über 3500 Gebäude wurden bereits erfasst, bereits 120 Partner nutzen die Plattform in Deutschland. Bergmann hob hervor: „Alle am Bau Beteiligten – die ganze Kette – müssen sich an der Kreislaufwirtschaft beteiligen, sonst werden wir die Klimaziele nicht erreichen.“

Verwitterung bei Holzfassaden einplanen

Hermann Kaufmann (HK Architekten, Schwarzach) zeigte den Kongressbesuchern zahlreiche Fotos von Holzfassaden – kurz nach deren Fertigstellung und nach mehrjähriger Verwitterungsphase

Ein weiteres Highlight der Veranstaltung war der Vortrag von Hermann Kaufmann (HK Architekten, Schwarzach) über „Holzfassaden und Architektur“. Er zeigte den Kongressbesuchern zahlreiche schöne, teilweise spektakuläre Rendering-Bilder von Gebäuden mit Holzfassaden – nur um anschließend echte Fotos von denselben Objekten zu präsentieren, die einige Jahre nach Fertigstellung geschossen wurden. Die Unterschiede waren verblüffend. Kaufmann betonte: „Wer mit Holz arbeitet, der weiß, dass dieser Werkstoff lebt. Es quellt, schwindet, vergraut.“ Um die Verwitterung von Fassaden zukünftig besser zu planen, müssen Architekten und Holzbauer den Prozess beobachten und sich mit den regionalen Eigenheiten befassen. „Denn jede Holzart verwittert unterschiedlich und die Umgebung beeinflusst den Prozess zusätzlich“, so Kaufmann. Eine Holzfassade in Seenähe ist hoher Feuchtigkeit ausgesetzt, im Gegensatz zu einer Almhütte, die extremen Wetterbedingungen trotzen muss. Kaufmann: „Das Wesen einer naturbelassenen Holzfassade ist ihre Veränderbarkeit. Es ist unumgänglich, diese mit in das Gestaltungskonzept einer Fassade einzubeziehen.“

Große Aufmerksamkeit erfuhr auch der Vortrag von Sandra Schuster (TU München), die das Forschungsprojekt „CircularWOOD“ vorstellte. Die wichtigsten Fragestellungen hierzu lauteten unter anderem: Wie können die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft auf den Holzbau übertragen werden? Und welche technischen, konstruktiven und logistischen Herausforderungen müssen dafür bewältigt werden? „Gebäude sollten von Vornherein so geplant und gebaut werden, dass sie später flexibel umgebaut und umgenutzt werden können“, erläuterte Schuster. Allerdings würden derzeit noch Genehmigungsgrundlagen, technische Regeln sowie Zulassungs- und Prüfverfahren zu Leistungseigenschaften gebrauchter Produkte fehlen.

Sandra Schuster (TU München) stellte das Forschungsprojekt „CircularWOOD“ vor

Mit insgesamt 454 Teilnehmenden und 57 Ausstellern vor Ort war der 1. Süddeutsche Holzbau Kongress ein großer Erfolg. Im nächsten Jahr wird die Veranstaltung erneut in der Fellbacher Schwabenlandhalle stattfinden, und zwar am 10. und 11. Juli 2024.

cmd/dm

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