Fachkongress

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Drei Länder - eine Mission: klimagerechte Holzbau-Kultur

Ende April fand in Friedrichshafen der zweite D-A-CH übergreifende Fachkongress zum Thema „Drei Länder, eine Mission: klimagerechte Holzbau-Kultur“ statt. Der Kongress wurde von proHolzBW im Auftrag der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg in Kooperation mit vorarlberger holzbau_kunst, proholz Bayern und Lignum Holzwirtschaft Schweiz veranstaltet.

Die Preisträger des Studierendenpreises „Innovative Holzverwendung, Klima, Rezyklierbarkeit und Holzbau“ beim Fachkongress am Bodensee (Fotos: Christoph Morlok)

Das waren zwei Tage voller zukunftsweisender Impulse und Inspirationen beim Fachkongress „Drei Länder, eine Mission: Klimagerechte Holzbau-Kultur“ am 24. und 25. April im Graf-Zeppelin- Haus in Friedrichshafen am Bodensee! Bereits zum zweiten Mal hat der D-A-CH übergreifender Fachkongress im Rahmen der Holzbau-Offensive BW stattgefunden. Der zweitägige Fachkongress setzte sich auch in diesem Jahr wieder mit vielen wichtigen Holzbau-Themen auseinander. Die inspirierende Atmosphäre direkt am Bodensee bot die Möglichkeit, Themen rund um das Bauen mit Holz intensiv zu diskutieren, Beispiele herausragender Holzbauten auf sich wirken zu lassen und sich mit anderen Teilnehmenden zu vernetzen und auszutauschen. Der länderübergreifende Fachkongress soll nun jährlich etabliert werden.

„Arbeit mit Sinn und Zukunft, sogenannte Impact Jobs – Im Cluster Wald und Holz gibt es vielfältige Möglichkeiten sich beruflich für den Klimaschutz zu engagieren. Den Wald pflegen und nachhaltig bewirtschaften, das Holz verarbeiten, nachhaltige und innovative Bauwerke planen und errichten, dabei Kohlenstoff aktiv der Atmosphäre zu entziehen und langfristig zu speichern. Holz bietet eine ungeahnte Vielseitigkeit sich aktiv für unsere gemeinsame Zukunft einzusetzen“, sagte Minister Peter Hauk MdL anlässlich der diesjährigen Veranstaltung.

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Landesforstpräsident Martin Strittmatter eröffnete den Fachkongress

Workshops und namhafte Aussteller

23 Referentinnen und Referenten aus den drei Ländern rund um den Bodensee referierten zu aktuellen und zukunftsweisenden Themen rund um das klimagerechte Bauen mit Holz, wie Baukultur mit Holz und Holzbau mit Leuchtkraft, Impact Jobs, New Work und neue Unternehmensmodelle sowie Ressourceneffizienz und konstruktives Bauen mit Laubholz. In Workshops konnten die Themen zur Nachwuchsförderung und zur Transformation des Bauens gemeinsam diskutiert werden. Im Foyer informierten namhafte Aussteller über die neuesten Innovationen und Produkte rund um das Thema Holzbau. Von den rund 320 Teilnehmern pro Tag haben neben Interessierten aus allen Bereichen der am Bau Beteiligten insbesondere auch viele Auszubildende und Studierende am Kongress teilgenommen.

Landesforstpräsident Martin Strittmatter eröffnete den Fachkongress und stellte sieben Thesen zur klimagerechten Holzbau-Kultur auf – darunter dass Mitteleuropa auf Jahrzehnte hinaus ausreichend nachhaltiges Holz für die notwendigen Bauaufgaben zur Verfügung stellt, dass mit Holz alle technisch relevanten Bauaufgaben umgesetzt werden können und dass Klima- und Umweltauswirkungen von Gebäuden in Ökobilanzierungen über den gesamten Lebenszyklus zu bewerten sind.

In der anschließenden Diskussionsrunde mit Markus Müller, Präsident der Architektenkammer BW, Markus Rathke vom Familienunternehmen Holzwerk Keck in Ehningen bei Böblingen, Fee Brauwers, Forstingenieurin, Holzwirtschaftlerin und Influencerin sowie Ingo Haller, Angestellter bei knippershelbig GmbH und Ortsgruppensprecher A4F Stuttgart wurden diese Thesen aufgenommen und gemeinsam mit den Fragen der Teilnehmenden diskutiert.

Nachwuchsförderung

Tag 1 der Veranstaltung stand ganz unter dem Schwerpunkt der Nachwuchsförderung: Arbeit mit Sinn und Zukunft, sowie der gezielten Ansprache Studierender der Hochschulen und Universitäten aus Baden-Württemberg, Bayern, Österreich und der Schweiz. Prof. Ludger Dederich ehrte die Preistragenden des Studierendenpreises „Innovative Holzverwendung, Klima, Rezyklierbarkeit und Holzbau“, der vom Landesbeirat Holz im Rahmen der Holzbau-Offensive ausgelobt wurde. Dr. Steffi Burkhardt, Expertin für New Work, sprach in ihrem Impulsvortrag „Impact Jobs & New Work“ über neue Spielregeln im Hinblick auf die aktuelle Generationenvielfalt sowie die jeweiligen Touchpoints im Hinblick auf die Personalführung. Vertieft werden konnte das Thema Nachwuchsförderung sowie generationenübergreifendes Arbeiten in den anschließenden Workshops mit Sebastian Schmäh von Holzbau Schmäh und Markus Rathke vom Holzwerk Keck.

Das Thema des Vortrags von Prof. Klaus K. Loenhart von der TU Graz lautete „Eine Zukunft unserer gebauten Lebensräume“

Spannend und informativ ging es danach weiter mit dem Impulsvortrag über die klimafreundliche Baukultur mit Holz von Thomas Müller von der Werner Sobek AG. Bauen muss in Zukunft nachhaltiger werden – und das am besten klimaneutral. Doch welche Überzeugungskraft muss eine klimafreundliche Architektur bereits bei der Planung leisten, und wie lassen sich die hochgesteckten Ziele der Klimaneutralität erreichen? Diese Punkte wurden in weiteren anschließenden Workshops mit den Teilnehmenden diskutiert. Der Tag am See wurde abgerundet mit der inspirierenden Keynote von Max Zinnecker von White Arkitekter. Neben herausragenden Holzbauprojekte des renommierten Büros im In- und Ausland wurden Themen wie nachhaltige Architektur, Transformation mit Holzbau, aber auch die Interdisziplinarität sowie die Verantwortung der Planenden auf eindrucksvolle Art und Weise nähergebracht.

Fazit an Tag 1: Es existiert regional genug Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft und wir können mittlerweile fast alles aus Holz bauen, den Bestand sanieren und aufstocken. Daher dient der Holzbau als elementarer Bestandteil zum Klimaschutz. Klimaneutrales bauen als Ziel kann gelingen mit digitaler Planung und Vorfertigung, mit Forschung und Entwicklung und-  last but not least – mit Mut und Experimentierfreude, auch im Hinblick auf eine neue Führung der Beschäftigten.

Holzbau mit Leuchtkraft

Der zweite Veranstaltungstag stand unter den Themen „Ressourceneffizienz“, „Konstruktives Bauen mit Laubholz“, „Innovationen und neue Unternehmensmodelle“ und „Holzbau mit Leuchtkraft“. Ein spannender Vortrag folgte auf den nächsten: Prof. Thomas Auer von der TU München referierte zu „einfach Bauen“, Pirmin Jung von der Pirmin Jung Schweiz AG sprach über „Konstruktive Alternativen“ und das Thema „Wiedergewinnung“ übernahm Prof. Dirk Hebel vom Karlsruher Institut für Technologie.

Welche Ansätze es aktuell beim konstruktiven Bauen mit Laubholz gibt, erfuhren die Teilnehmenden von Prof. Dr.-Ing. Jochen Stahl, Universität Stuttgart sowie von Christoph Dünser von Hermann Kaufmann Architekten und Katharina Lehmann von der Lehmann Gruppe. Anregend auch das Thema „Innovationen und neue Unternehmensmodelle. Dies wurden von Jochen Friedel, müllerblaustein HolzBauWerke GmbH sowie von Harald Professner, Rhomberg Bau GmbH und Pierre Reichmuth von der Fagus Suisse vorgestellt. Zu „Holzbauten mit Leuchtkraft“ beeindruckten Prof. Achim Menges von der Universität Stuttgart, Markus Innauer (Innauer Matt Architekten) sowie Tobias Huber von ZPF Ingenieure mit sinnstiftenden Impulsen.

Pro Tag waren bei der Veranstaltung am Bodensee ca. 320 Teilnehmer vor Ort

In seinem Ausblick sprach Prof. Klaus K. Loenhart von der TU Graz in seiner abschließenden Keynote „Eine Zukunft unserer gebauten Lebensräume“, eindrucksvoll über die Chance zu einem Paradigmenwechsel. Er geht der Frage nach, welches Mindset und welche Skills wir uns für einen planetaren Paradigmenwechsel aneignen müssen, um für die klimatische und ökologische Bauwende vorbereitet zu sein. Mit einem naturbasierten Mindset, bei dem Natur und Kultur – innen und außen nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden, wird Holz auch in seiner lebendigen Form in biodiversitätsbildenden Kontexten, eine mehrgestaltige und richtungsweisende Rolle einer gesellschaftlichen ökologischen Wende einnehmen.

Ausblick

Flächensparendes, ressourceneffizientes und dekarbonisiertes Bauen sind wesentliche Merkmale der Bauaufgaben der Zukunft, einer Bauwende – so der gemeinsame Tenor aller Beiträge. Planen und Bauen ist derzeit zu aufwändig, zu materialintensiv und oftmals liegt der Fokus nicht auf bioökonomischen und kreislauforientierten Modellen. Der moderne Holzbau kann hier einen bedeutenden Beitrag zu den klimapolitischen Herausforderungen und zugleich einen hochwertigen baukulturellen Beitrag leisten.

Kathrin Werner hat den zweitägigen Kongress mit einem Graphic Recording begleitet und dokumentiert (zum Download geht es hier). Im nächsten Jahr: 2024 wird das Drei-Länder-Treffen am 13. und 14. Juni 2024 erneut im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen stattfinden.

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