Fassade
Mehr als ein Hangar
Speziell für das Luftschiff »Theo« wurde am Flughafen Essen/Mülheim ein Hangar gebaut. Um die Nachhaltigkeitsvorgaben zu erfüllen, kamen recyclingfähige Stehfalzprofiltafeln zum Einsatz.
Der neue Luftschiffhangar auf dem Flughafen Essen /Mülheim bietet neben dem Platz für »Theo« auch Raum für Events. Hier können Veranstaltungen mit bis zu 1500 Gästen stattfinden.
© KalzipAls eines von sechs Luftschiffen weltweit hat „Theo“ zuletzt über dem Ruhrgebiet seine Kreise gezogen. Beheimatet an einem kleinen Flughafen in Essen/Mülheim, wurde vergangenes Jahr feierlich der neue Hangar für das beliebte Luftschiff eingeweiht. Mit dem Bau hat die Westdeutsche Luftwerbung Theodor Wüllenkemper GmbH & Co. KG (kurz WDL) aus Mülheim an der Ruhr ein ungewöhnliches Projekt in Auftrag gegeben: Der Hangar wurde als besonders nachhaltiges Gebäude konzipiert, mit dem Ziel, das Gold-Zertifikat von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) zu erhalten. So sind zum Teil recycelte Materialien des alten Hangars zum Einsatz gekommen, nachwachsende Rohstoffe aus regionalen Quellen genutzt und Produkte verbaut worden, die sortenrein rückbaubar und recyclingfähig sind. Zur letzten Kategorie gehört auch die Gebäudehülle aus Aluminium von Kalzip.
Haut aus Aluminium
„Der ursprüngliche Entwurf sah vor, den neuen Hangar – wie auch schon beim Vorgängerbau geschehen – mit einer Folie zu bekleiden. In der Planungsphase hat uns Dr. Markus Kuhnhenne beraten, der als Professor im Lehr- und Forschungsgebiet Nachhaltigkeit im Metallleichtbau an der RWTH Aachen unterrichtet. Er hat uns überzeugt, stattdessen eine Gebäudehülle aus Aluminium zu nutzen, die allein in Hinblick auf die Lebensdauer schon deutlich nachhaltiger ist“, erklärt Frank Peylo, Geschäftsführer der WDL.
Mit den Stehfalzprofilen von Kalzip kam hier ein Produkt zum Einsatz, das bis zu 95 Prozent aus recyceltem Material besteht. Im Vergleich zu einer Folie sind die Profiltafeln zudem robuster und widerstandsfähiger. Ein deutlich geringerer Wartungsaufwand und eine höhere Langlebigkeit tragen so auch zur Nachhaltigkeit des Gebäudes bei. Zudem lässt sich das Material mit geringem Aufwand vollständig zurückbauen und für andere Projekte erneut nutzen. Alternativ können die Aluminiumtafeln nach dem Rückbau auch in den Recycling-Kreislauf zurückgeführt werden.
Silberne Kapsel
Der Entwurf des Architekturbüros Smyk Fischer aus Mülheim orientiert sich an den bereits vorhandenen Gebäuden auf dem Flugplatz. Wie eine längs halbierte, silberne Kapsel schließt das Tonnendach zu beiden Seiten mit einer halben Kuppel ab. Hinter der nach Osten ausgerichteten Kuppel verbergen sich zwei riesige Torflügel, über die das Luftschiff den Weg in und aus dem Hangar findet. Für die besondere Form der Gebäudehülle wurde zunächst bei Kalzip eine 3D-Planung erstellt. Eine Berechnung zur Ökobilanz eröffnete zudem die Wahl eines Systems, das mit größeren Stützweiten und entsprechend weniger E-Klipps auskommt. Für die Außenhaut des Dachaufbaus kam das Profil Kalzip 65/400 als wirtschaftlichste Lösung zum Einsatz.
Die im Koblenzer Werk gefertigten Stehfalzprofile wurden zum Großteil mithilfe eines Rollformers in die richtige Rundung für die seitlich verlaufenden Flächen gebracht. Bereits aus der 3D-Planung wurde ersichtlich, dass die Profiltafeln für die Halbkuppel sowie die gerundeten Tore der Halle zusätzlich konisch geformt werden mussten. Inklusive Nummerierung und Aufbauplanung wurden rund 7000 m2 Stehfalzprofile auf die Baustelle geliefert.
Aufbau in luftiger Höhe
Mit der Fassadenbekleidung wurde die Firma B. Schlichter GmbH & Co. KG aus Lathen beauftragt. Der gesamte Aufbau der Gebäudehülle war mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verbunden: Da an dem kuppelförmigen Bau keine Möglichkeit bestand, ein Gerüst zu errichten, haben die Handwerker an der Seite des Gebäudes von mobilen Arbeitsbühnen aus arbeiten müssen. Auf der Kuppel bewegten sich die erfahrenen Dachspezialisten mithilfe einer professionellen Seilsicherung.
Als Standard-Warmdachaufbau geplant, verlegten die Handwerker zunächst vollflächig eine Dampfsperre auf den Sperrholzplatten, welche die Fachwerkkonstruktion abschließen. Um die Rundung der Halbkuppeln abbilden zu können, wurden hier zusätzlich Rohrpfetten montiert. Anschließend befestigte das Team von Schlichter die E-Klipps in gleichmäßigen Abständen entsprechend den Profilabmessungen der Stehfalzprofiltafeln. Bestehend aus einem Metallkern, der mit einem glasfaserverstärkten, UV-beständigen Polyamid ummantelt ist, sorgt der E-Klipp für eine besonders geringe Wärmeleitfähigkeit. Die Höhe des E-Klipps ermöglicht zudem, dass zwischen der Tragschale und der Dachhaut ausreichend Platz für die Dämmschicht aus Mineralwolle bleibt. Auf den herausstehenden Klippköpfen wurden schließlich die Aluminiumprofiltafeln aufgesetzt und an den Stehfalzen maschinell verbördelt.
Auszug aus dachbaumagazin 0506.2024









