Metallfassade
Prefa Aluminium-Rauten für Wohn- und Geschäftshaus in Dresden
Am Straßburger Platz in Dresden ist ein neues Wohn- und Geschäftshaus entstanden, das mit einer Metallfassade aus rund 8000 Aluminium-Rauten den Härten des Großstadtlebens trotzt.
Rumm rumm haut die Dampframme ... – was vor etwa 100 Jahren der Schriftsteller Alfred Döblin über eine Szene am Alexanderplatz in Berlin schrieb, könnte heute für den Straßburger Platz in Dresden gelten: Hier ist es meist wahnsinnig laut, wie auf einer stark befahrenen Kreuzung. Hier wohnen? Geht trotzdem, sogar mit attraktiven Ausblicken und Außenflächen, wie das neue Wohnhaus "pick-nick" von LLA Leinert Lorenz Architekten eindrucksvoll zeigt.
Trampelpfade vom Straßburger Platz zu Punkthochhäusern aus DDR-Zeiten – 430 Wohnungen auf je 15 Geschossen verteilt, in fünf Plattenbauten mit strahlenden Meissner-Keramikplatten-Fassaden – führen direkt am neuen Wohnhaus vorbei. Davor wird ein kleiner Eckplatz mit Bäumen von einer Kultkneipe bespielt. Viel verstecktes Potenzial liegt in diesem radikal urbanen Ort, den sicher alle lieben, die beim Kaffeetrinken nicht nur auf Hecken, sondern gern auf den Alltag der anderen schauen – es muss nicht immer Ruhe und Idylle sein.
Urbane Härte
Die aggressive Inbesitznahme der Stadt durch die Technik ist auch in den 20er-Jahren des 21. Jahrhunderts noch ein Thema. Dirk Lorenz, verantwortlicher Architekt für das siebengeschossige Wohn- und Geschäftshaus am Straßburger Platz, bestätigt, dass der Ort eine gewisse "urbane Härte" aufweist, und beschreibt diese als Unnahbarkeit dem Menschen gegenüber, aber auch als eigentliche Faszination. Denn es gibt hier unbestrittene Standortqualitäten: direkt gegenüber der Gläsernen Manufaktur gelegen, Dresdens schönster und größter Park – der Große Garten – in Sichtweite, keine drei Minuten Fußweg entfernt. Auch in die Altstadt braucht man kaum zehn Minuten. Mehrere Nahversorger, ein Schwimmbad, verschiedene Ärzte, Parkplätze, ein Kindergarten und eines der beliebtesten Cafés der Stadt sind nur eine Straßenbreite entfernt. Ein lebenswerter Hotspot, wären da nicht die ratternden Straßenbahnen und die Motorengeräusche des alltäglichen Stadtverkehrs.
Auf Qualitäten setzen
In dieser etwas unwirtlichen Gegend braucht neue Architektur einige Tricks, um Qualität zu schaffen. Das Gebäude an prominenter Stelle versteht sich sowohl als Baustein einer lockeren und modernistisch geprägten Stadtstruktur als auch als Tor zur historisch geprägten Stadt. Es sei alles eine Frage der richtigen Ausrichtung und Fassadengestaltung, erklärt Dirk Lorenz. Die Architekten entwarfen den Neubau mit der Idee, die Fassaden platz- und nordseitig eher geschlossen zu gestalten. Auf der Rück- und Südseite sowie den Stirnseiten öffneten sie das Gebäude mit hohem Glasanteil und durchgehenden Balkonen. Ein umlaufendes Band aus vom Klempnerbetrieb angefertigten Aluminium-Rauten aus Prefalz-Blechen von Prefa in verschiedenen Grün- und Beigetönen zeigt diese Differenzierung und sorgt dafür, dass der massige Baukörper optisch in mehrere Teilbereiche gegliedert wird, ohne dabei als Ganzes auseinanderzufallen.
Rauten in Beige und Grün
Die Rautenfassade basiert auf dem Bild einer abstrahierten Landschaft. Mithilfe künstlicher Intelligenz verteilten die Architekten die unterschiedlichen Farben wie Pixel über die Fassadenfläche. An manchen Tagen schimmern die in unterschiedlichen Beige- und Grüntönen beschichteten Rauten im Sonnenlicht. So bietet sich hier stets ein interessantes Lichtspiel, wo andere Bauten in der Umgebung nicht nur farb-, sondern auch einfallslos bleiben. Um sämtliche Gebäudekanten wurden die Aluminium-Rauten profillos verlegt, was wiederum den Eindruck eines breiten, umlaufenden, farbigen Bandes stärkt.
Das Band aus Rauten überragt im Osten zum Straßburger Platz hin das oberste Stockwerk und formt einen Rahmen, der die Dachterrasse an dieser Stelle besonders inszeniert. Von hier aus blickt man über den Großen Garten und in südlicher Richtung auf die Glaskuppel der Kunsthalle der Hochschule für Bildende Künste – die "Zitronenpresse" – sowie an Dresdens prominenter Plattenbau-Achse entlang direkt ins Zentrum, auf das barocke Residenzschloss und die Kathedrale. Ein attraktiver Ort, hoch über der "urbanen Härte" des Straßburger Platzes.
Pragmatische Zusammenarbeit
Mit dem Fassadenband, der Idee eines gemeinschaftlich genutzten Dachgartens mit Spielplatz sowie effizient geplanten Grundrissen gewann das Architekturbüro LLA 2020 einen geladenen Wettbewerb. Dass es einen solchen gab, ist der Stadt Dresden und dem Investor zu verdanken, die auch im weiteren Planungsprozess gemeinsam immer wieder eine wichtige Rolle spielten. Ab 2021 ging man in enger Abstimmung aller Interessenvertreter in die Realisierung. Heute lobt Dirk Lorenz, wie viele der Ideen von damals umgesetzt werden konnten. "Das Projekt lief ohne Generalunternehmer und die Zusammenarbeit war damit viel direkter, auch zwischen uns und den ausführenden Firmen." Ein wichtiges Plus bei den Herausforderungen, die sich bei dem Bauprojekt boten. Auf einer Bruttogeschossfläche von 7898 m² und innerhalb des Baugesamtvolumens von 24 511 m³ errichtete man 52 Wohnungen zwischen 31 und 108 m² als Ein- bis Vierzimmerwohnungen. Im Erdgeschoss sind je nach Teilung bis zu vier Gewerbeeinheiten möglich.
Kontroverse Abriss
Gerade die Phase nach dem Auswahlverfahren war für alle Beteiligten keine gewöhnliche, da das Projekt breite baukulturelle Diskussionen auslöste. Nach der Zerstörung Dresdens 1945 gab es kaum Stadtsubstanz, die zu erhalten gewesen wäre. Dresden war in seiner historischen Form nicht mehr vorhanden. Auch am Straßburger Platz waren die gründerzeitliche Bebauung und das Blockrandgefüge vernichtet. Vielleicht erklärt ein derart vollständiger Verlust städtischer Identität, warum heute einige in Dresden an Bestehendem festhalten, unabhängig davon, ob es ausreichend räumliche Qualität für aktuelle Nutzungsbedürfnisse bietet. Bis zum Neubau stand an Ort und Stelle das Schnellrestaurant pick-nick, dessen Abriss Kontroversen auslöste, obwohl es schon über Jahre leer stand. Durch ausführliche Vermittlung durch eine Ausstellung und Veranstaltungen gelang schließlich die Akzeptanz seines Verschwindens und einer neuen Version. Mittlerweile leuchtet – weithin sichtbar – am neuen Gebäude eine Replik des kultigen Restaurant-Schriftzugs pick-nick. Der originale Schriftzug liegt mittlerweile im Dresdner Stadtmuseum.
8000 Aluminium-Rauten
Die mehr als 30 Jahre alte Firma Sperber Klempner in Unterwellenborn / Thüringen wird von Tochter und Vater Sperber gemeinsam geführt und ist für visionäre Sonderlösungen bekannt. Man verantwortete schon Dächer in Gibraltar und Fassaden in den Niederlanden und war mehrfach europaweit beauftragt. 2022 übernahmen sie den Auftrag der aus über 8000 verschiedenfarbigen Rauten bestehenden Fassade des neuen "pick-nick" am Straßburger Platz, offiziell Tower Philosophus II genannt. "Die Fassade war für unsere Verhältnisse klein, aber interessant, da wir die kreative Vision des Architekten umsetzen sollten. Die Wandrauten der Fassade symbolisieren ein Reisfeld – eine abstrakte, aber spannende Idee", erklärt Jens Sperber. Sieben Sonderfarben zieren das Fassadenband. Realisiert wurde es mit eigens aus Aluminiumblech von Prefa angefertigten Rauten.
Auf der Baustelle durften die Klempner allerdings den Überblick nicht verlieren, sonst wäre aus dem Reisfeld des Entwurfs schnell Chaos entstanden. Ein umlaufendes, funktionales Fassadenband sei das Ziel gewesen und "die Fassade sollte homogen wirken, ohne Einschubtaschen oder Winkelleisten", so der Klempnermeister. Um dies zu erreichen, wurden beispielsweise die Fensterkästen als Rahmen gebaut, was neben ästhetischen Anforderungen auch den Brandschutz erfüllt. Die Abstimmung zwischen kreativen Ideen und technischen Anforderungen erforderte Geduld und Präzision von jedem in der Firma.
Zuhören lohnt sich immer
Claudia Sperber ist Juniorchefin und als Betriebswirtin für das Geschäftliche verantwortlich. Jens Sperber bringt seine jahrzehntelange Erfahrung in Handwerk und Mitarbeiterführung ein. Beide sind von der Arbeit auf der Baustelle begeistert und gemeinsam sieht man optimistisch in die Zukunft. "Das eigentliche Problem auf der Baustelle ist immer das Zeitfenster", scherzt Jens Sperber. Man ist auf Vorleistungen anderer angewiesen und muss die eigene Arbeit im vorgesehenen Zeitraum erledigen, selbst wenn erst einmal die Fehler anderer kompensiert werden müssen. Das Bauen heute sei stressiger und risikoreicher, da es weniger Spielraum für echtes Handwerk gibt und vieles industrialisiert ist. Interessanterweise wünscht sich Jens Sperber aber auch mehr Wertschätzung seitens der Architekten für das handwerkliche Know-how und seine Planungsleistungen. "Gute Architekten suchen früh den Rat der beteiligten Handwerker." Er kritisiert die mangelnde Praxis-orientierung in der heutigen Ausbildung von Bauingenieuren und Architekten und sieht dies als Herausforderung für die Zusammenarbeit in Zukunft an. "Man muss zuhören können", ist deshalb sein Tipp für alle, die an dem Beruf des Architekten interessiert sind.












