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Artikel und Hintergründe zum Thema

Ingenieurholzbau

Marc Wilhelm Lennarz, St. Goar,

Bäckerei-Filiale in Holz-Hybrid-Bauweise

An zwei Seiten zieren die Fassade des Obergeschosses vertikal montierte, offene Lärchenholz-Rhombus-Schalungen. © Thilo Ross

Der moderne Ingenieurholzbau kann selbst in monotonen Gewerbeparks qualitätsvolle architektonische Akzente setzen – das beweist ein zweigeschossiges Gebäude in der Nähe von Heilbronn und wartet mit Backwaren, Cafébetrieb und warmen Essensgerichten auf.

Der Hohenlohekreis inmitten des Frankenlands gehört zur Wirtschaftsregion Heilbronn. In der kleinen Landgemeinde Kupferzell, im Nordosten Baden-Württembergs verortet, hat der Gewerbepark Hohenlohe eine dort strategisch klug platzierte Bäckerei-Filiale erhalten. Das in moderner Holzhybrid-Bauweise in den Maßen (LxBxH) 37,50 x 22,50 m x 8,50 m errichtete zweigeschossige Gebäude wartet mit Backwaren, Cafébetrieb und warmen Essensgerichten auf. Für die zahlreichen Beschäftigten in den umliegenden Gewerbe-, Dienstleistungs- und Produktionsbetrieben in Kurzzeit erreichbar, dient die nahe der Autobahn A6 gelegene Gastronomie zudem auch dem Reiseverkehr als Raststätte.

Neben der klassisch kubischen Formgebung wird das Gebäude von umfänglichen Pfosten-Riegel-Verglasungen und einem stützenfrei weit auskragenden Flachdach geprägt. Die offene Raumgliederung, die den Sitzgelegenheiten eine ausgewogene Mischung aus Distanz und Nähe beschert, korreliert mit den großdimensionalen Fensterflächen und der sichtbaren massivhölzernen Dachkonstruktion in rund 8 m Höhe.

Die Gründung basiert auf 40 Stahlbeton-Einzelfundamenten der Festigkeitsklasse C25/30 in der Standardhöhe von 0,5 m, sowie auf Stahlbeton-Streifenfundamenten aus vorgefertigten, gedämmten Elementen. Diese dienen zugleich als Frostschürze und tragen dafür Sorge, dass sich kein Bodenwasser bzw. aufsteigende Feuchtigkeit unter der Bodenplatte sammeln kann, die nicht tragend dazwischen gegossen wurde. Darüber hinaus unterbindet die umlaufende Streifenfundament-Frostschürze den Kältefluss vom umgebenden Erdreich zum Bauwerk. Zudem dienen 10 bzw. 18 cm dicke XPS-Platten an den Seiten bzw. unterhalb der Bodenplatte als Perimeterdämmung gegen das Erdreich. Auf die angeformten Stahlbeton-Einzelfundamente platzierte man im Innenbereich Stahlbetonstützen, sowie Stahlstützen im Außenbereich des Gebäudes. Letztere wurden als Pendelstützen mit Stahlhohlprofilen und eingestellten Bewehrungen ausgeführt, die bauseitig mit Beton vergossen wurden. Die bis zu 7,50 m langen Stahlstützen wurden mittels stählerner Kopf- und Fußplatten und Schwerlastankern auf den Stahlbeton-Einzelfundamenten montiert. Diese Stahlbetonstützen übernehmen die Druckkräfte und tragen die wesentlichen Vertikallasten des Bäckerei-Cafés in die Fundamente ab.

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Pfosten-Riegel-Fassade aus Eichen-Brettschichtholz

Die Bodenplatte hat obenauf eine zweilagige EPS-Dämmung (2 + 5 cm) erhalten, abgeschlossen mit einer 1,5 mm PE-Folie. Der darauf gegossene 6,5 cm dicke Zementestrich mit den integrierten, wassergeführten Schleifen der Fußbodenheizung wurde final gefliest. Auf die Streifenfundamente platzierte man die Gebäudehülle der Bäckerei-Filiale mit dem U-Wert = 0,16 W/m²K. Sie setzt sich in den geschlossenen Zonen aus 24 cm dicken, vorgefertigten Stahlbeton-Wandelementen zusammen, die mit 20 cm dicken Steinwolleplatten gedämmt wurden, die zugleich als Trägerplatte für den finalen, 1 mm dünnen Leichtputz dienen.

Die großen Fensterfelder fasste man aus statischen Gründen mit 30 cm dicken Stahlbeton-Fertigteilen ein, während Dämmung und Fassadenabschluss baugleich ausgeführt wurden. Ein hoher Anteil der umfänglich verglasten Gebäudehülle wird von einer Pfosten-Riegel-Fassade gebildet. Deren Rahmen besteht aus Eichen- Brettschichtholz (BSH) mit in die Fassadenkonstruktion integrierten Stahlstützen. Dabei erreichen der BSH-Rahmen wie die Fenster mit einer 2-Scheiben-Wärmeschutzverglasung gleichermaßen den U-Wert von 1,1 W/m²K. Der obere Abschluss der Pfosten-Riegel-Fassade wird von einem BSH-Riegel mit dem Querschnitt 24/80 cm gebildet.

Diagonales BSH-Dachgitter

An zwei Seiten zieren die Fassade des Obergeschosses vertikal montierte, offene Lärchenholz-Rhombus-Schalungen, die zum einen den holzbaulichen Charakter des Bauwerks herausstellen, und zum anderen als Verschattung der Balkone dienen. Der zentrale Eingangsbereich besteht aus vorproduzierten Massivholzelementen, die zwischen die Fertigteile montiert wurden. Dieser Eingangskoffer setzt sich aus drei 18 cm dicken Fichten-BSH-Elementen der Maße (LxB) 3,0 m x 3,0 m bzw. 3,21 m (Deckplatte) zusammen, die in Sichtqualität raumfertig montiert eine U-Form bilden. Die offene Stirnseite des Eingangs ist um die mittige Automatiktür mit Fensterelementen geschlossen worden.

Auf zwei Etagen verteilen sich insgesamt 149 Sitzplätze © Thilo Ross

Im Innern eröffnet die Galerieebene, die von einer 35 cm dicken Stahlbetondecke mit hölzernem Bodenbelag getragen wird und deren Fußboden-Oberkante bei 3,65 m liegt, einen freien Blick bis unter den First. Die das gesamte Bäckerei-Café prägende sichtoffene Dachkonstruktion ist als ein diagonal zur Gebäudegrundform verlaufendes BSH-Gitternetz-Raster geplant worden. Deren tragende Parallelbinder der Festigkeitsklasse GL28c mit dem Maximalmaß (L) 32 m x (H) 0,80 m x (B) 0,20 m wurden bei der Schaffitzel Holzindustrie in Schwäbisch Hall hergestellt, werkseitig abgebunden und mit gefasten Kanten in gehobelter Sichtqualität vorgefertigt. Diese Tragrippen führte man, wie auch die Randträger, durchlaufend mit dazwischen gelenkig eingegangenen, nichttragenden BSH-Rippen der Festigkeitsklasse GL24c in den Maßen (LxHxB) 5,15 m x 0,80 m x 0,20 m aus.

Knotenpunkt-Verankerung mittels verzinkter Stahlplatten

Einzig in den Feldern der auskragenden Vordächer hat man die Zwischenrippen in den Kreuzungspunkten biegesteif angeschlossen. Dort separieren zwischen den Hauptträgern des Dachtragwerks montierte Parallelbinder der Festigkeitsklasse GL24c in den Maßen (LxHxB) 7,50 m x 0,80 m x 0,20 m den Innen- vom Außenraum, wobei die Fassade an diesen Binder anschließt.

Das gesamte Dachtragwerk wird von mit Teilgewindeschrauben befestigten BSH-Randträgern der Festigkeitsklasse GL24c in den Maßen (LxHxB) 22,60 m x 0,80 m x 0,20 m eingefasst. In die Bemessung des Dachtragwerkes als räumliches Gesamtsystem ist die Montage der Photovoltaikanlage mit einer Erhöhung des Gesamtlastannahme von 0,25 kN/m² eingeflossen.

Die Verankerung der Knotenpunkte der BSH-Dachkonstruktion auf den Stahlbetonstützen erfolgte mittels verzinkter Stahlplatten, die mit Senkkopf-Holzbauschrauben kraftschlüssig verbunden wurden. Zudem setzte man eine Gewindestange mit einem Durchmesser von 20 mm und 1 m Länge in ein Stahlblech-Hüllwellrohr mit einem Durchmesser von 20 cm, das zuvor in die Fertigteile eingebaut worden war. Im Zuge der Montage der Dachbinder wurde dieses mit einem schwindarmem Vergussmörtel verfüllt.

Das BSH-Dachtragwerk wird obenauf von einer massivhölzernen Schale in unterseitiger Sichtqualität aus fünfschichtigen, 12 cm dicken Brettsperrholz-Elementen (BSP) abgeschlossen, welche auf die Dachbinder geschraubt wurden. Deren Verlegerichtung erfolgte winkelrecht zu den durchlaufenden Hauptträgern, wobei die Längs- und Querstöße auf den BSH Bindern liegen. Diese BSP-Schale fungiert, da die Einzelelemente an den Stößen mittels Streifen aus 10 cm hohen, beidseitig geklammerten Streifen aus Nadelsperrholz schub-steif miteinander verbunden wurden, als statisch wirksame Dachscheibe. Sie leitet die Horizontallasten über die Stahlbeton-Fertigteilstützen in die Fundamente ab und steift die Dachkonstruktion aus. Zudem werden die Horizontallasten aus Wind sowie die Stabilisierungslasten aus den am Dachtragwerk angehängten Stahl-Pendelstützen entsprechend der Steifigkeiten am Gesamtsystem an definierten Lasteinleitungspunkten abgetragen.

Die überdachten Balkone im OG sind der Dachkonstruktion folgend ebenfalls mittels diagonal angeordneter BSH-Holzrippen und besagter BSP-Scheibe ausgeführt worden. Letztere hat im Zuge des weiteren Flachdachaufbaus mit einer Neigung von 2,5 Grad eine 4 mm Elastomer-Bitumen Dampfsperr-Schweißbahn erhalten. Die obenauf verlegte, zweilagige Dämmebene besteht aus 18 cm dicken Steinwoll-Dachplatten und einer EPS-Gefälledämmung von 2 cm - 20 cm, die final mit einer 1,5 mm Kunststoffdachbahn aus Polyvinylchlorid mit Synthesefaserverstärkung geschlossen wurde. Der U-Wert des als harte Bedachung aufgebauten Flachdachs beträgt 0,18 W/m²K.

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