Quartier

Jessica Stütz | Jessica Stütz,

Berliner Holzbauwege

Das Dilemma war vorprogrammiert und wurde bewusst in Kauf genommen. Ab den 1990er Jahren wurden etliche der mit öffentlichem Steuergeld aufgebauten landes- und stadteigenen Wohnungsbaugesellschaften aus Profitgründen verkauft. Damit wurde die Daseinsgrundfunktion „Wohnen“ in Deutschland Schritt für Schritt kapitalisiert und in Folge dessen entsozialisiert. Während für ortsfremde Investoren und internationale Fondsgesellschaften goldene Zeiten anbrachen, kamen auf viele Mieter schwere Zeiten zu, da eine wesentliche Basis ihres Lebens peu à peu zum Risikofaktor mutierte. Die vormalig genossenschaftlich organisierten und dem Gemeinwohl verpflichteten kommunalen Wohnungsbauunternehmen wurden mit dem Verkauf zu renditeorientierten Wohnraummaklern und Immobilienspekulanten umgewandelt.

Die Folge war (und ist), dass die neuen Eigentümer die Mietpreise kontinuierlich erhöhten, um höchstmögliche Renditen zu erzielen. Mit absehbaren Folgen: Heute müssen rund 40 Prozent der Haushalte in deutschen Groß- und Millionenstädten mehr als 30 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Miete aufbringen – Tendenz, trotz Mietpreisbremse, weiterhin steigend. Allein in Berlin fehlen über 300 000 bezahlbare Wohnungen, was dem sozialen Frieden in den Brennpunkten diametral entgegensteht. Im Zuge dessen sind die Mieten bei bestehenden Mietverhältnissen in der Landeshauptstadt seit 2009 um 36 Prozent und bei den Angebotsmieten um mehr als 65 Prozent gestiegen.

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Urbaner Holzbau im Quartier Wohnen am Campus

Die Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH wurde im Zuge des um sich greifenden Neoliberalismus als eine von insgesamt sechs landeseigenen Gesellschaften Berlins nicht verkauft. Im Adlershof, einem Berliner Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick, verfügte die Howoge über ein rund 3000 m² großes Grundstück, das unter dem Namen „UH – Urbaner Holzbau“ im Quartier „Wohnen am Campus“ bebaut wurde. Auf einer Fläche von 2730 m² entstanden drei viergeschossige Mehrfamilienhäuser plus Staffelgeschosse der Gebäudeklasse IV, die insgesamt 42 Mietwohnungen beherbergen.

Mehrgeschosser leicht zueinander gedreht

Die drei Baukörper mit den Maßen (L) 16,20 m × (B) 16,20 m × (H) 15,60 m stehen nicht, wie sonst oft üblich, in Reih und Glied, sondern wurden von dem holzbauaffinen Architekturbüro Kaden + Lager leicht zueinander gedreht platziert. Das lockert das Siedlungsgefüge sympathisch auf, stellt Bezüge her und ermöglichte eine einfachere Erschließung des Grundstücks, das als Teil des „Technologie- und Wissenschaftspark Adlershof“ fungiert. Zudem sind die Gebäude dadurch für die Feuerwehr leichter anzuleitern und den Bewohnern eröffnen sich allseitige Aus- und Umblicke in das Quartier. In diesen aufgelockerten Kontext fügt sich auch die dezente Hervorhebung von Erd- und drittem Obergeschoss ein, die leicht aus der Gebäudeflucht herausspringen.

Innen wartet das „UH“ mit einem Wohnungsmix aus Single-Appartements mit 36 m² Wohnfläche bis hin zu Familienwohnungen mit vier Räumen und 100 m² Wohnfläche auf, was einem Großteil der Berliner Haushaltsgrößen gerecht wird.Darüber hinaus verfügen einige Wohnungen entweder über Terrassen (EG) oder in den oberen Etagen über auskragende Balkone, die aus einer verzinkten Stahlkonstruktion bestehen, sowie über je Wohnhaus 95 m² große Dachterrassen für die Bewohner der abschließenden Staffelgeschosse.

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