Holzfassade

Christine Ryll,

Erweiterungsbau des Leibniz-Instituts für Astrophysik in Potsdam

Der Erweiterungsbau des Leibniz-Instituts für Astrophysik in Potsdam liegt inmitten einer Parkanlage mit denkmalgeschützten Altbauten. Der Neubau mit seiner vorvergrauten Holzfassade ergänzt den Campus um ein umfangreiches Raumprogramm.

Das Hellgrau der vorvergrauten Fassade entspricht dem Farbton, den die Fassade durch natürliche Bewitterung im Lauf der Zeit erhalten wird © Stefan Müller

Inmitten einer bewaldeten Parklandschaft, in der sich denkmalgeschützte Observatorien und kleinere Neubauten zwischen hohen Bäumen schmiegen, passt sich das neue Institutsgebäude auf dem Campus Babelsberg perfekt in das hügelige Gelände und den Baumbestand ein. Für dieses Ziel nutzte das mit der Planung betraute Büro Thomas Müller Ivan Reimann Architekten geschickt die Topografie des Hanggrundstücks, um das große Raumprogramm in den Wald einzubetten, statt ihn zu verdrängen.

Grundriss Ebene 1 © Thomas Müller Ivan Reimann Architekten

Das nach der ersten Entdeckerin eines Kometen, der Astronomin Maria Margaretha Kirch benannte Haus gliedert sich in drei auskragende Arme, die sich unter Berücksichtigung der natürlichen Baumstruktur in das Gelände einfügen. Durch das teilweise in den Hang eingegrabene Sockelgeschoss und die darauf aufgesetzten, versetzt angeordneten Obergeschosse wirkt die Silhouette des Erweiterungsbaus kleiner als es das Raumprogramm vermuten lässt. So erscheint der Eingangsbereich von außen eingeschossig – und damit nicht höher als die Nachbarbebauung, während die straßenseitige Ansicht dreigeschossig ist. Damit tritt der Erweiterungsbau optisch nicht in Konkurrenz zu den Bestandsgebäuden auf dem Campus. Darüber hinaus bietet die mit dem Park verzahnte Gebäudeform einen weiteren Vorteil: Zwischen den Gebäudearmen liegen Landschaftsräume, so dass die Räume von einem hohen Tageslichteintrag mit Rundumblick in die Natur profitieren.

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Axonometrie und Umgebung © Thomas Müller Ivan Reimann Architekten

Grundrisskonzept

Hinter der Fassade verteilt sich das Raumprogramm auf drei Geschosse, so dass eine gute Vernetzung, kurze Wege und eine optimale Belichtung aller Räume gewährleistet sind. Der überwiegende Teil der Räume besteht aus Einzelbüros. Darüber hinaus integriert das Gebäude eine Kantine, einen Konferenzsaal sowie Ausstellungs- und Archivflächen wie den Ausstellungsraum für die historischen Geräte der Sternwarte. Alle öffentlichen Bereiche gruppieren sich um das zentral gelegene Foyer, das über eine breite Treppenanlage auch die beiden weiteren Geschosse mit den dort angeordneten Forschungseinheiten, Besprechungs- und Kommunikationszonen erschließt.

Materialkonzept

Aufgrund der Hanglage wurde die Tragkonstruktion des in die Landschaft eingebetteten Neubaus in Stahlbeton ausgeführt und das Sockelgeschoss mit Kalkstein verkleidet. Im Sinne der Nachhaltigkeit und um einen Bezug zur Natur herzustellen, ergänzten die Architekten dieses Materialkonzept mit einer Holzfassade als Außenhülle der Obergeschosse. Holz wurde auch für den Innenausbau und die Möblierung des Gebäudes verwendet, z.B. in Form von Holz- umrahmungen für die Fenster in den öffentlichen Bereichen, deren Farbgestaltung in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Friederike Tebbe entwickelt wurde. Die mit einer Keim Vorvergrauung lasierte Außenhaut passt sich den Farben des umgebenden Waldes an und nimmt dabei die endgültige Farbgebung des Gebäudes vorweg.

Nachhaltigkeitskonzept

Um den Erweiterungsbau möglichst nachhaltig zu betreiben, wurde das Dach als extensiv begrüntes Flachdach ausgeführt und zudem eine Photovoltaikanlage installiert. Diese versorgt das Institut mit regenerativ erzeugtem Strom. Zusätzlich entzieht eine mit einer Wärmepumpe gekoppelte Geothermieanlage über unter dem Vorplatz verlegte Rohrsysteme dem Untergrund Energie für die Beheizung der Räumlichkeiten. Das Regenwasser versickert über Versickerungsanlagen direkt auf dem Gelände.

Bauliche Herausforderungen

Die besonderen Herausforderungen des Neubauvorhabens ergeben sich zum einen aus der harmonischen Eingliederung in den denkmalgeschützten Park und zum anderen aus der gewünschten nachhaltigen Bauweise. Dies konnte durch die Einbettung in den Untergrund, die Verzahnung mit der Natur und die naturgrau vorvergraute Holzfassade erreicht werden. "Die zweite Herausforderung war die Einhaltung der Kosten", verrät Architekt Ivan Reimann, Geschäftsführer von Thomas Müller Ivan Reimann Architekten. "Dies hängt wiederum mit der Bauzeit zusammen. Da das Gebäude während der Pandemie entstanden ist, fiel die Realisierung genau in die Periode, in der die Baukosten massiv gestiegen sind. Entsprechend musste alles unter großem Kostendruck realisiert werden."

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