Tragkonstruktion
Hauptbahnhof Prag: Holzdach
Zentrales Element des neuen Quartiers am Hauptbahnhof in Prag ist das spektakuläre Vordach aus Holz. Die Konstruktion soll nicht nur sämtliche verkehrstechnischen Probleme dieses wichtigen Knotenpunkts der Hauptstadt lösen, sondern muss gleichzeitig auch noch auf eine enorme Menge an technischen und statischen Gegebenheiten eingehen. Die Freiformkonstruktion aus Brettschichtholzelementen wird in Zukunft zu den größten Holzbauwerken in Tschechien gehören. Die Dachkonstruktion selbst ist einen näheren Blick wert. Schon für den Wettbewerb haben die Planer eine recht detaillierte Konstruktion erdacht.
Die gesamte Dachfläche setzt sich aus vielen einzelnen rechteckigen Kassetten unterschiedlicher Größe zusammen. Jede Kassette ist wie eine Mulde ausgebildet, die außen umlaufenden Bereiche fallen zur „Traufe“ hin ab. Die gebogenen Brettschichthölzer erzeugen sternförmige Knotenpunkte. Ungefähr mittig im Dach ist ein großer, kreisrunder Ausschnitt positioniert. In der Draufsicht erzeugen die geschwungenen Brettschichthölzer ein interessantes, beinahe florales Muster, das durchaus Assoziationen an Jugendstilelemente zulässt.
Transparentes Foliendach
Die Holzkonstruktion überspannt eine transparente ETFE-Folie. ETFE (Ethylen-Tetrafluorethylen) ist ein leichtgewichtiger und elastischer Kunststoff auf Fluorbasis, der widerstandsfähig und selbstreinigend ist. Gespannte Stahlseile unterstützen die Konstruktion. Die große runde Aussparung wird von zwei ETFE-Folien, die zu einer Linse „gekrümmt“ sind, überspannt. Durch den veränderten Lichteinfall an dieser Stelle ist sie die optische Mitte der Konstruktion. Ein Teil des Dachs soll mit Photovoltaik-Paneelen bedeckt werden. Ein System zur Vogelabwehr komplettiert das Dach. Die weit auskragende Konstruktion zielt auch darauf ab, konstruktiven Holzschutz zu betreiben.
Vorhandenes nutzen
Die Tragkonstruktion fußt auf vier Säulenreihen. Dabei macht sie sich bereits vorhandene Elemente zunutze und richtet sich zumindest in Teilen nach dem bereits bestehenden Säulenraster. Die östliche Säulenreihe hat deutlich kürzere Stützen, da sie auf der Höhe des heutigen Parkdecks aufsetzen und somit eine elegante Verbindung auf die Ebene des historischen Bahnhofgebäudes schaffen. Eine besondere Hausforderung für das geplante Säulenraster wird die Einbindung in den bestehenden Bau sein, da unter der neuen Plaza die U-Bahn verläuft, die der Säulenposition enge Grenzen setzt. Die ikonischen Designelemente der bestehenden modernistischen Terminalhalle, wie der gestreifte Pflasterbelag und die verspielten Rundungen, will man erhalten und im Zuge der Neugestaltung auch im Außenbereich aufgreifen. Dort markieren die Rundungen künftig Verweilzonen, die sich deutlich von den linearen Transportzonen abheben.
Auszug aus mikado 10.2024









