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Artikel und Hintergründe zum Thema

Holzbau

Max Kandler,

Kreislauffähige Holz-Beton-Verbunddecken im Schulbau

Mit dem Neubau der Karl-Kessler-Schule entsteht in Aalen ein Schulgebäude, das konstruktive Leistungsfähigkeit mit einer langfristigen Betrachtung des Gebäudelebenszyklus verbindet. Im Mittelpunkt des Projekts steht der Einsatz von Holz-Beton-Verbunddecken (HBV), die erstmals so ausgeführt werden, dass ein späterer Rückbau konstruktiv mitgedacht wird.

Karl-Kessler-Schule von Innen. © Vizoom Visuals für Liebel/Architekten

Das ausführende Unternehmen Schlosser Holzbau setzt dabei auf ein neu zugelassenes Verbinder-System, das eine sortenreine Trennung der eingesetzten Materialien ermöglicht. Holz, Beton und Verbindungsmittel lassen sich nach Ende der Nutzungsphase identifizieren und voneinander lösen. Damit reagiert das Projekt auf steigende Anforderungen an Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.

Der Schulneubau zeigt exemplarisch, wie sich bewährte Konstruktionsprinzipien im Holzbau weiterentwickeln lassen, ohne die statischen und bauphysikalischen Vorteile der Systeme aufzugeben.

Holz-Beton-Verbunddecken als bewährte Konstruktion im Bildungsbau

Holz-Beton-Verbunddecken (HBV) haben sich im modernen Bildungsbau seit Jahren als wirtschaftliche und leistungsfähige Lösung etabliert. Durch die Kombination der Materialien werden größere Spannweiten möglich, während gleichzeitig eine hohe Steifigkeit erreicht wird.

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Für Schulgebäude ergeben sich daraus mehrere konstruktive Vorteile. Die hybride Bauweise verbessert das Schwingungsverhalten der Decken und unterstützt ein stabiles Tragverhalten bei intensiver Nutzung. Gleichzeitig lassen sich Anforderungen an Schallschutz und Brandschutz effizient erfüllen. Gerade in Gebäuden mit hoher Frequentierung und flexiblen Grundrissen ist dies ein entscheidender Faktor für langfristige Nutzbarkeit.

Im Kontext kommunaler Bauvorhaben gewinnt zusätzlich die Lebenszyklusbetrachtung an Bedeutung. Neben der Bauphase rückt zunehmend die Frage in den Fokus, wie Bauteile am Ende ihrer Nutzungsdauer demontiert oder wiederverwertet werden können.

Kervenverbund als leistungsfähige, aber bisher schwer rückbaubare Bauweise

Im Neubau der Karl-Kessler-Schule werden Holz-Beton-Verbunddecken mit Kervenverbund ausgeführt. Bei dieser Bauweise erfolgt die Lastübertragung überwiegend kraftschlüssig über die Geometrie der Verbindung zwischen Holz und Beton.

Im Vergleich zu schraubenbasierten Verbundsystemen weist der Kervenverbund eine besonders hohe Steifigkeit auf. Diese wirkt sich positiv auf das Schwingungsverhalten der Decke aus und ist insbesondere in Schulgebäuden mit großen Spannweiten und intensiver Nutzung von Vorteil.

Auch bei dieser Bauweise werden Schrauben eingesetzt. Sie übernehmen jedoch nicht den Schubverbund, sondern dienen ausschließlich der Abhebesicherung zwischen Holz und Beton. In konventionellen Ausführungen sind diese Verbindungsmittel vollständig einbetoniert und beim Rückbau weder sichtbar noch lösbar. Eine Trennung der Materialien war daher bislang praktisch nicht möglich.

Rückbaubare Verbinder erweitern das HBV-System

Montage der Holzträger für die Holz-Beton-Verbunddecke im Neubau der Karl-Kessler-Schule in Aalen. Die vorbereiteten Abhebesicherungen markieren die Positionen der späteren Verbindung zwischen Holz und Beton. © Schlosser Holzbau

Beim Bau der Karl-Kessler-Schule kommt erstmals ein zugelassenes Verbinder-System zum Einsatz, das speziell für Holz-Beton-Verbunddecken mit Kervenverbund entwickelt wurde und eine spätere Demontage ermöglicht.

Die eingesetzten KVB-Verbinder verfügen über eine allgemeine Bauartgenehmigung für HBV-Decken mit Kervenverbund (aBG Z-9.1-916). Ihre Konstruktion erlaubt es, die Verbindungsmittel nach der Nutzungsphase gezielt freizulegen und zu entfernen. Damit wird eine sortenreine Trennung von Holz und Beton möglich, was die Wiederverwertung der Materialien erleichtert.

Ein zusätzlicher konstruktiver Vorteil ergibt sich aus der variablen Einbindetiefe der Verbinder in Holz und Beton. Dadurch lässt sich die statische Wirkung gezielt anpassen und die Anzahl der notwendigen Abhebesicherungen reduzieren. Für Planer und Ausführende eröffnet sich damit eine neue Option, leistungsfähige HBV-Systeme mit Anforderungen an Rückbaubarkeit und Materialkreisläufe zu verbinden.

Schulneubau in Aalen: Projektumfang und Konstruktion

Im Neubau der Karl-Kessler-Schule werden in den Ebenen E0 bis E3 rund 2.350 Quadratmeter Holz-Beton-Verbunddecken umgesetzt. Die Fertigteildecken spannen etwa acht Meter und lagern auf blockverleimten Holzträgern.

Die Betonplatten werden als Komplettfertigteile auf die Baustelle geliefert. Vor Ort wird anschließend lediglich der Bereich der Kerven mit Ortbeton vergossen. Insgesamt werden rund 5.600 rückbaubare Verbinder in die Konstruktion integriert.

Dieses Bauverfahren bringt auch Vorteile im Bauablauf. Da die Verbinder erst während des Vergusses integriert werden, reduziert sich der Feuchtigkeitseintrag in die Holzkonstruktion. Gleichzeitig entstehen keine zusätzlichen Verzögerungen durch lange Aushärtezeiten während der Montage.

Die Fertigstellung des Schulgebäudes ist für den Sommer 2026 vorgesehen.

Integrierte Planung als Grundlage für innovative Konstruktionen

Die architektonische Planung des Schulneubaus liegt bei einem Architekturbüro aus Aalen. Schlosser Holzbau übernimmt im Projekt die technische Holzbauplanung, erstellt die Werkstattzeichnungen und verantwortet die digitale 3D-Modellierung der Konstruktion.

Gerade bei komplexen Hybridkonstruktionen wie Holz-Beton-Verbunddecken spielt die frühe Zusammenarbeit zwischen Planung und Ausführung eine entscheidende Rolle. Durch abgestimmte Projektprozesse können konstruktive Innovationen bereits in der Planungsphase berücksichtigt und wirtschaftlich umgesetzt werden.

Beispiel für kreislauffähigen Schulbau

Der Neubau der Karl-Kessler-Schule zeigt, wie sich klassische Tragwerkslösungen im Holzbau weiterentwickeln lassen. Die Kombination aus leistungsfähigen Holz-Beton-Verbunddecken und einem rückbaubaren Verbinder-System erweitert die Konstruktion um eine zusätzliche Perspektive: die Wiederverwertbarkeit der eingesetzten Materialien.

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