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Artikel und Hintergründe zum Thema

Urbaner Holzbau: Augsburg

Moritz Burk und Christine Ryll,

Ökologische und soziale Aspekte vereint

Unter dem Namen "Tür an Tür" sind im Augsburger Stadtteil Kriegshaber aktuell 18 neue Wohnungen für Mietinteressenten mit geringem Einkommen entstanden. Im Fokus stehen nicht nur die soziale Komponente, sondern auch Ökologie und Wirtschaftlichkeit.

Die Grundlage des Gebäudes „Tür an Tür“ in Augsburg bilden tragende und nichttragende Außenwände in Holzständerbauweise © Eckhart Matthäus| www.em-foto.de

Der Bedarf an sozialem Wohnungsbau ist in Deutschland nach wie vor sehr hoch – auch in Augsburg. Ein Zuhause für sozial Schwache und Menschen in schwierigen gesellschaftlichen Situationen zu schaffen, ist daher das Ziel des gemeinnützigen Vereins Tür an Tür – miteinander wohnen und leben e.V.. Mit dem Wohnprojekt "Tür an Tür" hat der Verein jetzt neue Mietwohnungen auf dem Areal der ehemaligen Flak-Kaserne in Augsburg errichtet. Auf insgesamt vier Ebenen sind dort 18 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe entstanden. Das neue Gebäude - nach Plänen von Streidl, Gilg, Wolff Architekten - wird dabei nicht nur Wohnraum schaffen: Im Treff werden auch Deutschkurse, Hausaufgabenhilfe oder regelmäßige Beratungssprechstunden angeboten.

Auf Holz gesetzt

Mit dem Ziel, eine wartungsfreie und dauerhaft ästhetische Gebäudehülle zu schaffen, wurde das Holz mit einer silikatischen Vergrauungslasur behandelt © Keimfarben GmbH

Der Bau selbst setzt auf Ressourcenschutz und Wohngesundheit in Form eines hohen Holzanteils, zu dem auch Kerto LVL von Metsä Wood seinen Beitrag leistet. Die Grundlage des Gebäudes bilden dabei tragende und nichttragende Außenwände in Holzständerbauweise. Ein massiver Kern erschließt das Gebäude. Die Ebenen legen sich u-förmig um diesen herum. So wurden insgesamt 500 mHolz verbaut. Weil das Material COspeichert – und zwar mehr als für die Produktion der Bauteile ausgestoßen wird – sorgt es für ökologische Pluspunkte. Außerdem nimmt das verbaute Holz Schadstoffe aus der Luft auf und verbessert die Raumluftqualität. In der späteren Nutzungsphase trägt eine Solaranlage zum effizienten Gebäudebetrieb bei. Regenwasser wird zwischengespeichert und genutzt, Dachflächen werden begrünt und Bereiche zum Gärtnern vorgesehen.

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Furnierschichtholz mit großen Breiten

Die tiefe Ständerebene der Außenwände wurden mit Kerto LVL von Metsä Wood realisiert. Der Holzbauwerkstoff wird aus drei Millimeter starken Nadelholzfurnieren hergestellt, die im Produktionsprozess miteinander verleimt werden. In Augsburg kamen die Maße 63 x 300 mm zum Einsatz. Die einzelnen Elemente überzeugen durch ihr gutes Verhältnis von hoher Festigkeit und geringem Gewicht sowie ihre Stabilität gegenüber Verziehen und Verdrehen. Sie lassen sich einfach transportieren sowie schnell und problemlos verarbeiten.

Ansichten Projekt "Tür an Tür" © Streidl, Gilg, Wolff - Architekten Partnerschaft mbB

Davon profitierte auch die Gumpp & Maier GmbH aus Binswangen, welche die Stangenware auf die richtige Länge brachte. "Die Maßhaltigkeit von Kerto LVL zeigt sich besonders in der Vorfertigung als gewinnbringend und überzeugt uns als Holzverarbeiter in vielerlei Hinsicht. Denn geringe Abweichungen tragen maßgeblich dazu bei, dass industrielle Prozesse im Holzbau gestützt werden und Elemente mit hoher Qualität hergestellt werden können – ohne kostspielige Fehlerquellen", erklärt Wolfgang Kretten- auer, Projektleiter bei Gumpp & Maier.

Zeitsparende Montage durch Vorfertigung

Die einzelnen Wandelemente verfügen über eine maximale Länge von 10,5 m und eine maximale Höhe von 3,55 m. Sie wurden bis auf die Installationsebene, jedoch inklusive Fenster, Verschattung und Fassadenbekleidung, im

Im Zuge der Vorfertigung durch Gumpp & Maier wurde das Holzständerwerk der nichttragenden Elemente mit Zellulose ausgeflockt © Gumpp & Maier GmbH

Werk vorproduziert und ließen sich so unkompliziert und zeitsparend auf der Baustelle montieren. Krettenauer erklärt dazu: "Für die Arbeit auf der Baustelle bedeutet die Vorfertigung eine enorme Entlastung. Dort müssen die einzelnen Elemente nur noch aufgerichtet werden. Der größte Teil der Arbeiten kann, ohne Witterungseinflüsse und unter optimalen Bedingungen für die Mitarbeiter, im Werk geschehen. Durch den hohen Vorfertigungsgrad und die schlanken Konstruktionen reduziert sich die Arbeitszeit auf der Baustelle deutlich."

Setzungsschäden vermeiden – Langlebigkeit erhöhen

Nicht nur für die Außenwände wurden Produkte von Metsä Wood verarbeitet. Auch die Schwelle im Erdgeschoss besteht aus Kerto GLVL. Hierbei handelt es sich um mehrschichtiges, verleimtes Furnierschichtholz mit größeren Querschnitten. Für das Projekt in Augsburg wurden Schwellen in den Größen 100 x 360 mm und 100 x 300 mm gefertigt. Die Bauteile werden vorwiegend im mehrgeschossigen Hochbau eingesetzt. Denn durch ihre hohe Belastbarkeit sollen Setzungsschäden effektiv verhindert und die Langlebigkeit des Gebäudes erhöht werden.

Vorgefertigte Außenwandelemente

Die Fassade der Wohnanlage wurde aus ökologischen Gründen vollständig aus Holz gefertigt. Im Hinblick auf die Wohngesundheit legte die Bauherrin besonderen Wert auf unbehandelte und emissionsfreie Materialien. Mit dem Ziel, eine wartungsfreie und gleichzeitig dauerhaft ästhetische Gebäudehülle zu schaffen, wurde die Außenhaut mit einer Keim Vergrauungslasur behandelt.

Die Wandelemente wurden bis auf die Installationsebene, aber inklusive Fenster, Verschattung und Fassadenbekleidung, im Werk vorproduziert © Tür an Tür – miteinander Wohnen und Leben gGmbH

Das Silikat-basierte Produkt mit dem Namen Lignosil-Verano simuliert die ansprechende, silbergrau patinierte Holzoptik, die bei unbehandelten Holzfassaden im Laufe eines jahrzehntelangen Alterungsprozesses entsteht.

Der für das Projekt gewählte Farbton 4861 entspricht dem natürlichen Farbton von bereits gealtertem Fichtenholz. Er gleicht die oft unregelmäßig verlaufende Vergrauung des Materials aus und sorgt so für eine gleichmäßig schöne, bereits von Anfang an patinierte Fassade.

Das mit dem Projekt betraute Holzbauunternehmen Gumpp & Maier brachte die Vorvergrauungslasur im eigenen Beschichtungswerk auf. Die sägerauen Schalungsbretter, in langen Längen vom Sägewerk geliefert, wurden in der Beschichtungslinie zweifach beschichtet, während in der Werkhalle schon die Rahmenkonstruktion montiert wurde. Im Anschluss wurden die Fassadenbretter passgenau zugeschnitten, in der Fertigungsstraße der Montagehalle maschinell mit den Wandelementen verschraubt und die Stirnseiten manuell nachgestrichen.

Die vorproduzierten Wandelemente ließen sich unkompliziert und zeitsparend auf der Baustelle montieren © Tür an Tür – miteinander Wohnen und Leben gGmbH

Auf der Baustelle in Augsburg erfolgte lediglich noch die Montage der kompletten Elemente.

Die vorvergraute Schalung, mit Edelstahlschrauben fixiert, bildet die Decklage der hinterlüfteten Fassadenkonstruktion. Sie besteht aus einer 21 mm starken Nut- und Federschalung aus sägerauen Fichtenholz-Brettern mit einer Deckbreite von 106 mm, montiert auf Quer- und Konterlattung.

Dahinter beginnt der eigentliche Wandaufbau mit Fassadenbahnen, 18 mm Gipsfaserplatten, gefolgt von einem Ständerwerk aus Furnierschichtholz, das aufgrund der hohen Wandstärken von 30 cm in den tragenden und 36 cm in den nichttragenden Wänden erforderlich war. Die tragend ausgeführten Giebelfassaden der in die Gebäudeklasse 4 fallenden Wohnanlage unterliegen den Brandschutzanforderungen der Klasse REI 60 und sind mit Mineralwolle gedämmt sowie mit zwei Lagen Gipsfaserplatten beplankt.

Die nichttragenden Wände des Gebäudes sind mit Zellulosedämmung und Holzwerkstoffplatten aus Frischholz versehen.

Zur Verhinderung von Brandüberschlag wurden auf der Ebene der Geschossdecken 2 mm starke Zink- Magnesium-Bleche mit einem 10 cm auskragenden Überstand installiert.

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