Mehrgeschosser
SAWA - Reisterrassen in Rotterdam
Im Rotterdammer Lloydkwartier entsteht mit dem SAWA derzeit ein 16-Geschosser, der seinesgleichen sucht. Im Hafenviertel und nah am Wasser gebaut, soll so das "gesündeste Gebäude der Niederlande" entstehen. CLT als vorherrschendes Baumaterial trägt seinen Teil dazu bei.
Ein frischer Wind weht von der Maas herüber, das Sonnenlicht taucht das Hafenviertel in ein warmes Licht. Zwischen alten Speichergebäuden, neuen Lofts und kreativen Arbeitsstätten erhebt sich das SAWA-Hochhaus – ein modernes Wahrzeichen im Wandel des Rotterdamer Lloydkwartiers. Wo einst Dampfer in die weite Welt aufbrachen und wiederkehrende Schiffe allerlei exotische Güter nach Europa brachten, ist heute ein lebendiger Stadtteil entstanden, der Vergangenheit und Zukunft miteinander verknüpft. Inmitten dieses urbanen Gefüges setzt SAWA ein kraftvolles Zeichen für nachhaltiges Bauen, das über reine Funktionalität hinausgeht und neue Maßstäbe für ökologisches und soziales Wohnen setzt.
Sensibel ins Umfeld geplant
Mit seinen 50 Metern Höhe und der fast vollständig in Holz ausgeführten Konstruktion ist SAWA nicht nur ein technisches, sondern auch ein kulturelles Statement. Die Architektur des Gebäudes ist geprägt von einer terrassierten Form, die nicht nur den Namen – abgeleitet vom indonesischen Wort für "Reisfeld" – visuell übersetzt, sondern auch städtebaulich geschickt auf die Maßstäblichkeit der Umgebung reagiert. Die nach außen gestaffelten, bepflanzten Terrassen erinnern an tropische Landschaften und erzeugen gleichzeitig eine einladende, kleinteilige Fassadengliederung, die sich gekonnt in den Quartierszusammenhang einbettet.
SAWA ist weit mehr als ein Wohngebäude – es ist eher ein Manifest des urbanen Holzbaus. Die Konstruktion basiert nahezu vollständig auf Brettsperrholz (CLT), wobei die Haupttragstruktur zu über 90 Prozent aus Holz besteht. Besondere Gedanken machten sich die Architekten um den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes und planten den Rückbau gleich mit ein: durch ein modulares, demontierbares Bausystem, das dem Open-Building-Prinzip
folgt und ein hohes Maß an Nutzungsflexibilität bietet. Der Einsatz von Holz als Hauptbaumaterial ermöglicht nicht nur erhebliche CO₂-Einsparungen im Vergleich zu konventionellen Bauweisen, sondern trägt aktiv zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks bei. Darüber hinaus erfüllt SAWA wichtige Kriterien der Kreislaufwirtschaft: Alle Bauteile sind sortenrein trennbar, rückbaubar und dokumentiert – ein Modell für künftige materialbewusste Bauweisen.
Flora und Fauna am Hafen
Die begrünten Terrassen und Balkone sind integraler Bestandteil des ökologischen Konzepts. Sie wurden in enger Zusammenarbeit mit Stadtökologen, Biologen und Botanikerinnen geplant und leisten einen aktiven Beitrag zur Förderung der urbanen Biodiversität. Nisthilfen für Vögel und Insekten, spezifisch ausgewählte Pflanzenarten und der Verzicht auf künstliche Lichtquellen in bestimmten Bereichen schaffen neue Lebensräume für Flora und Fauna – mitten in der Stadt.
Soziale Durchmischung als Ziel
Das Wohnkonzept ist auf soziale Nachhaltigkeit ausgerichtet. Insgesamt umfasst das Gebäude 109 Wohneinheiten, die sich auf unterschiedliche Einkommensgruppen verteilen. Rund die Hälfte der Wohnungen sind zur Miete für mittlere Einkommen reserviert, während andere frei finanziert oder zum Verkauf angeboten werden. Die Nutzer profitieren von großzügigen privaten Freiflächen, gemeinschaftlich nutzbaren Bereichen wie einem öffentlich zugänglichen Dachgarten, urbanen Gärten und Sharing-Angeboten für Mobilität und Werkzeuge.
SAWA reagiert nicht nur architektonisch und konstruktiv, sondern auch städtebaulich sensibel auf seinen Kontext. Das Lloydkwartier ist geprägt durch eine Mischung aus Geschichte und Innovation, aus rauem Hafencharme und experimenteller Stadtentwicklung. SAWA bringt sich aktiv in diese Dynamik ein: mit einer offenen, durchlässigen Erdgeschosszone, die öffentlichen Raum schafft, mit Sichtachsen, die die Umgebung einbeziehen, und mit einer Materialität, die einen wohltuenden Kontrast zur mineralischen Nachbarschaft bildet.
Die Resonanz auf das Projekt ist bereits international. Mehrere Auszeichnungen wie der ARC20 Innovation Award oder der Green GOOD DESIGN Award 2021 würdigen die gestalterische Qualität und den ökologischen Anspruch. Für Holzbaufachleute stellt SAWA ein zukunftsweisendes Beispiel dar, wie sich modernes Wohnen, Klimaschutz und urbane Entwicklung sinnvoll verbinden lassen.













