Konstruktion

Christine Ryll,

Stammhaus Bad Wörishofen - Vorgefertigt, ausgespart, zusammengebaut

Zwei verschiedene Holzbauweisen, zwei unterschiedliche Lieferanten, ein Ergebnis: Die oberen Stockwerke des Stammhauses kombinieren Holzrahmenbauelemente mit KLH-Massivholzelementen. Alles wurde weitgehend vorgefertigt und vor Ort nur mehr zusammengesetzt. Passt!

Aufgrund der beengten Lage mitten im Stadtzentrum war der Platz für die Baustelleneinrichtung des Stammhauses begrenzt. Neue Materiallieferungen konnten erst erfolgen, wenn zuvor geliefertes Material vollständig verbaut war © Kreuzer GmbH & Co. KG

Der Sockel des Stammhauses präsentiert sich in mineralischer Massivbauweise. Aufgrund der anspruchsvollen Bodenverhältnisse entstanden sowohl das Erdgeschoss als auch die Tiefgaragenebenen aus Beton. Auch die aussteifenden Treppenhauskerne mit den integrierten Aufzugsschächten wurden in Stahlbeton realisiert. Diese Arbeiten sowie die Gesamtkoordination des Projektes wurde von Geiger Schlüsselfertigbau übernommen.

Ab dem ersten Obergeschoss übernimmt der Holzbau die Hauptrolle. Die Tragwerksplanung, die interne Werkstattplanung und die Baustellenkoordination sowie die Montage lagen in den Händen von Müllerblaustein. Das Holzbauunternehmen fertigte die Holzrahmenbauwände – teils tragend, teils nichttragend – im eigenen Werk in Blaustein vor, und integrierte auch Fensterelemente und Fassadenbekleidungen inklusive der Holzschalung bzw. der Faserzementplatten. Lediglich die Elementstöße wurden auf der Baustelle geschlossen. Ergänzt wurde der Baukörper durch tragende Innenwände aus KLH-Massivholz, geliefert von ABA Holz van Kempen, die dort inklusive aller Aussparungen für die Haustechnik vorgefertigt wurden. Die Sichtseiten erhielten schon werkseitig eine schützende Lasur, während nicht sichtbare Flächen mit Gipsplatten beplankt wurden. Grund dafür war, dass werkseitig jeweils nur eine Seite "schön" hergestellt wurde. Diese wurde zu den Wohnräumen zeigend angeordnet. Zudem war die einseitige Beplankung auch aus Brandschutzgründen erforderlich. Auch das Mansarddach – in zwei unterschiedlichen Neigungen ausgeführt – besteht aus KLH-Brettsperrholz, das im Werk mit einem wärmedämmenden Holzrahmen-Dachaufbau vorgefertigt und bauseits mit einer Aluminiumblechdeckung bekleidet wurde.

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Die Geschossdecken bestehen auch aus KLH-Brettsperrholz und wurden mit unterseitiger Sichtoberfläche ausgeführt und an den Treppenhauskernen befestigt. Bei all diesen Bauteilen spielte die präzise Vorfertigung eine große Rolle, "schon wegen der herausfordernden Geometrie des Gebäudes", erinnert sich Julius Engels, Projektleiter bei Müllerblaustein, der auch die Koordination der Baustelle übernahm: "Es gab so gut wie keine rechten Winkel im gesamten Gebäude."

Außenwände

Produktion der tragenden Innenwände aus KLH-Massivholz © ABA Holz

Alle tragenden Außenwände folgen einem klar strukturierten Aufbau mit einem Holzständerwerk in den Dimensionen 8 × 20 cm. Die Gefache sind mit 200 mm Steinwolle gedämmt, raumseitig schließt eine luftdichte Ebene aus zwei Lagen Gipskarton (18 mm und 15 mm) mit dazwischenliegender Dampfbremse den Aufbau ab. Daran anschließend folgt eine Installationsebene aus einem mit Dämmung ausgefachten Metallständerwerk, beplankt mit zwei Lagen 12,5 mm Gipskartonplatten. Außenseitig ergänzen zwei Lagen Gipsfaserplatten (15 mm und 18 mm) samt Fassadenbahn den Wandaufbau. Die abschließende Fassadenbekleidung variiert je nach Gebäudeabschnitt: Entweder kommen 10 mm Faserzementplatten auf einer 22 mm Unterkonstruktion zum Einsatz oder eine 30 mm Holzschalung auf Trag- und Konterlattung (24 mm und 24 mm).

In den nichttragenden Außenwänden ist das Holzständerwerk mit Mineralwolle gedämmt und rauminnenseitig mit 15 mm OSB-Platten beplankt, gefolgt von der Installationsebene. Die Außenseite des Ständerwerks ist bei dieser Ausführung lediglich einlagig mit Gipsfaserplatten beplankt. Eine Fassadenbahn sowie die jeweilige Außenwandbekleidung – analog zur Ausführung der tragenden Wände – schließen den Wandaufbau ab.

Wohnungstrennwände und Innenwände

Die Wohnungstrennwände wurden in zweischaliger Ausführung errichtet – abgestimmt auf die Anforderungen an Schall- und Brandschutz.

Zwei spiegelbildlich aufgebaute Wandhälften umschließen eine 60 mm starke Dämmschicht aus Steinwolle. Jede Wandhälfte besteht aus einer tragenden KLH-Platte mit 90 mm Stärke, beidseitig beplankt mit 18 mm GKF-Feuerschutzplatten. Den äußeren Abschluss bildet jeweils 50 mm Metallständerwerk mit Zwischendämmung, das mit zwei Lagen 12,5 mm Gipskartonplatten verkleidet ist.

Nichttragende Innenwände sind in klassischer Trockenbauweise ausgeführt. Tragende Innenwände in R60-K130-Qualität bestehen aus 160 mm starkem KLH-Brettsperrholz, beplankt mit 18 mm GKF-Feuerschutzplatten. Ergänzt wird der Aufbau durch 50 mm Metallständerwerk mit 50 mm Zwischendämmung sowie einer Bekleidung aus 12,5 mm Gipskartonplatten. Teilweise kamen auch tragende Wände ohne Vorsatzschalen zur Ausführung.

Aufbau auf der Baustelle © Müllerblaustein

Sämtliche Vorsatzschalen im Innenausbau wurden schalltechnisch entkoppelt montiert, um die erhöhten Schallschutzanforderungen zu erfüllen. Sie sind freistehend ausgeführt und ausschließlich an Boden und Decke befestigt – ohne direkte Anbindung an die Wände. Diese Konstruktion war aufgrund des Verzichts auf abgehängte Decken erforderlich.

Baustellenlogistik

Aufgrund der beengten Lage mitten im Stadtzentrum war der Platz für die Baustelleneinrichtung des Stammhauses sehr begrenzt. Neue Materiallieferungen konnten erst erfolgen, wenn zuvor geliefertes Material vollständig verbaut war. In den ersten drei Bauabschnitten mussten die Anlieferungen zudem über einen engen Innenhof abgewickelt werden. "Die Baustellenlogistik stellte daher eine besondere Herausforderung dar", berichtet Engels. "Weil Bad Wörishofen ein Kurort ist, durften Anlieferungen und Montagen nur zwischen 7 und 13 Uhr sowie zwischen 15 und 20 Uhr erfolgen. Rund 150 LKW-Lieferungen mussten innerhalb dieser engen Zeitfenster koordiniert werden."

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