Natürliches Raum- und Wohnklima
Wohlfühlen im Vollholzhaus in Tirol
Bauherr Toni Spildenner stammt ursprünglich aus Tulfes in Tirol. Gemeinsam mit seiner Partnerin entscheidet er sich, nach beruflichen Stationen im Ausland in seine Heimatgemeinde zurückzukehren. Für seinen neuen Wohnsitz orientiert er sich architektonisch an der traditionellen Bauweise der Region: es sollte ein Holzhaus sein, das für ein natürliches Raum- und Wohnklima sorgt.
Das Bauherrenpaar wollte möglichst wenig – im besten Fall gar keine – Fremdstoffe verbauen und entschied sich für ein Vollholzhaus von holzius (Fotos: Günter Dirr)
Da das Bauherrenpaar möglichst wenig – im besten Fall gar keine – Fremdstoffe verbauen möchte, erfolgt schon bald ein erster Kontakt mit dem Südtiroler Holzbauspezialist holzius. Nach Hausbesichtigungen, dem Kennenlernen der Produktion in Prad am Stilfserjoch und Planungsgesprächen mit Berater Seraphin Stecher fällt die Entscheidung leicht: Das Unternehmen wird mit der Umsetzung betraut. „Vor allem das leim- und metallfreie Verbindungssystem hat uns sehr angesprochen“, bestätigt Spildenner. Zur Erklärung: das Baukonzept von holzius basiert auf der modernen Interpretation einer uralten Holzverbindungstechnik. Dabei werden bei den Wandelementen die Bohlen in Wuchsrichtung verbaut und mit einer Gratleiste in Schwalbenschwanzform miteinander verbunden. Die Gratleiste wird quer in die Vollholzbohlen eingepresst, die dadurch von außen her nicht sichtbar kraftschlüssig miteinander verbunden werden.
Holz in reinster Form
Holz spielt bei dem Wohnhaus der Familie sichtbar die Hauptrolle. Der Rohstoff, der bei diesem Projekt von verarbeitet wurde, stammt aus dem Alpenraum, die Architektur orientiert sich an der traditionellen Bauweise der Region. Das Haus verfügt über geschindelte, hinterlüftete Fassaden. Auch im Inneren präsentieren sich die Räumlichkeiten (fast) zur Gänze aus Holz. Lediglich eine Wand jedes Raums ist mit natürlichem Lehmputz ausgeführt. Spildenner erklärt: „Das Zusammenspiel der offenporigen Naturmaterialien Holz und Lehm sorgt für die Regulierung des Raumklimas, indem überschüssige Feuchtigkeit ‚gepuffert‘ wird.“ Das Haus verfügt über eine Fußbodenheizung im Estrich unter dem Esche-Massivholzboden, dessen Holz im Bregenzerwald, Vorarlberg, gewonnen wurde. Das Heizsystem generiert die Wärme über zwei 90 m tiefe Bohrlöcher, die Wärmepumpe wandelt die Energie dann sowohl für die Warmwasseraufbereitung als auch das Heizsystem um.
Die Gesamtwohnfläche von rund 130 m2 teilt sich auf das Erdgeschoss und das Obergeschoss auf. Das Obergeschoss ist in Dachgiebelform mit einer Raumhöhe von bis zu 3,5 m ausgebaut. Das Schlafzimmer, die Büros und das Badezimmer wirken dadurch sehr luftig. Das Wohnzimmer und die Küche im Erdgeschoss öffnen sich horizontal zur Terrasse und dem Selbstversorgergarten hin. Hier halten sich Spildenner mit seiner Partnerin Evelyn Klingersberger auch am häufigsten und liebsten auf: „Der Kachelofen ist unser erklärtes Lieblingsmöbel. Vom Sofa im Wohnzimmer aus kann man durch die Glastür des Ofens dem Feuer zusehen.“ Da der Ofen zentral platziert ist, übernimmt er im Winter einen Gutteil der Heizleistung für das gesamte Geschoss.
Aufbau nach Plan
Ein interessantes bauliches Detail: das Haus verfügt über keine gesonderte Dämmung, die Auftraggeber haben sich bewusst für reinstoffliche Vollholzelemente entschieden. Mit einem U-Wert von 0,32 W/(m2K) garantieren die 30er-Wandelemente von holzius ausreichende Dämmleistung – sogar für Tiroler Winter. Der Bauherr ergänzt: „Die hinterlüftete Schindelfassade und die Holzfenster von Rubner Fenster tragen zum in sich schlüssigen Energiekonzept bei.“
Einer der Vorteile der Holzbauweise ist die gute Planbarkeit. Da sämtliche Wand-, Decken- und Dachelemente bereits in der Produktion vorgefertigt werden, erfolgt die Aufstellung und Montage innerhalb eines klar definierten Zeitrahmens. Spildenner berichtet: „In der Nacht vor der Anlieferung hat es geschneit. Drei Sattelschlepper mussten über den winterlichen Reschenpass anreisen und auf der schneebedeckten Baustelle manövrieren. Dass alles reibungslos geklappt hat, hat uns gezeigt, dass wir es mit erfahrenen Partnern zu tun haben.“ Innerhalb von nur fünf Tagen wurde das Haus von der Tulfer Zimmerei Kößler & Annabith aufgestellt und wetterfest abgedichtet. Das Unternehmen zeichnet auch für die Produktion und Montage der geschindelten Fassade verantwortlich.
Bautafel:
Standort: A-6075 Tulfes
Wohnfläche: 130 m2
Bauherren: Evelyn Klingersberger & Toni Spildenner
Holzbau: holzius GmbH
Zimmerei: Zimmerei Kößler & Annabith OG, 6075 Tulfes
Architekt: Arch. DI. Gerhard Ostermann
Materialmengen: 76 m3 Wandelemente, 11 m3 Deckenelemente, 11 m3 Dachelemente
CO2-Einsparung: ca. 80 t












