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Artikel und Hintergründe zum Thema

Frauen im Baugewerbe

Max Kandler,

Frauen am Bau: Warum der Bauingenieurberuf für Studierende immer attraktiver wird

Die Bauindustrie befindet sich seit Jahren im Wandel. Neben technologischen Entwicklungen, Digitalisierung und neuen Bauverfahren verändert sich auch die Zusammensetzung der Beschäftigten. Ein besonders sichtbarer Trend ist der steigende Anteil von Frauen am Bau – sowohl im akademischen Bereich als auch in gewerblichen Berufen.

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Der Bauingenieurberuf erfreut sich großer Beliebtheit – 30 Prozent der Studierenden sind Frauen. © Pixabay

Aktuelle Zahlen aus der Branchenpublikation „Frauen am Bau“ zeigen, dass der Bauingenieurberuf für Studierende zunehmend attraktiver wird. Von derzeit rund 60.150 Studierenden im Fach Bauingenieurwesen sind etwa 18.200 Frauen. Damit liegt der Frauenanteil bei rund 30 Prozent. Vor einem Vierteljahrhundert lag dieser Wert noch bei etwa 20 Prozent.

Für die Bauindustrie gilt diese Entwicklung als wichtiges Signal. Der steigende Anteil weiblicher Studierender zeigt, dass der Bauingenieurberuf längst nicht mehr ausschließlich als klassische Männerdomäne wahrgenommen wird. Gleichzeitig positioniert sich die Branche im Vergleich zu anderen Bereichen der deutschen Wirtschaft mit einem relativ hohen Frauenanteil im technischen Studium.

Demografischer Wandel bremst Studienanfängerzahlen

Trotz dieser positiven Entwicklung beobachtet die Bauindustrie mit Aufmerksamkeit eine andere Tendenz: Seit rund einem Jahrzehnt sinkt die Zahl der Studienanfänger im Bauingenieurwesen. Diese Entwicklung betrifft auch Frauen.

Im Wintersemester 2024/25 haben sich rund 2.720 Frauen für ein Studium im Bauingenieurwesen eingeschrieben. Insgesamt lag die Zahl der Studienanfänger bei etwa 9.000. Damit ist die Zahl der weiblichen Studierenden im Vergleich zum Höchststand vor rund elf Jahren um etwa 13 Prozent zurückgegangen.

Der Rückgang ist jedoch weniger Ausdruck eines sinkenden Interesses am Bauingenieurberuf als vielmehr Folge der demografischen Entwicklung. Für die Bauindustrie bedeutet dies eine zentrale Herausforderung. Um langfristig ausreichend Fachkräfte zu gewinnen, muss die Branche ihre Berufsbilder weiterhin aktiv vermitteln und insbesondere Studierende frühzeitig für die vielfältigen Perspektiven im Bauwesen gewinnen.

Technologische Veränderungen öffnen neue Berufsbilder

Parallel zur Entwicklung im Studium verändert sich auch die Struktur der Beschäftigung auf den Baustellen. Neue Technologien, digitale Planungsprozesse und moderne Baugeräte haben Arbeitsabläufe in vielen Bereichen der Bauindustrie grundlegend verändert.

Diese Entwicklungen tragen dazu bei, dass gewerbliche Berufe im Bauwesen zunehmend auch für Frauen interessant werden. In Bereichen wie der Zimmerei oder bei der Bedienung von Baugeräten steigt die Zahl weiblicher Fachkräfte langsam, aber kontinuierlich.

Die statistischen Entwicklungen verdeutlichen diesen Trend. In bauhauptgewerblichen Berufen lag der Frauenanteil im Jahr 2013 noch bei 1,3 Prozent und erreichte zuletzt 2,3 Prozent. Auch in den bauhauptgewerblichen Ausbildungsberufen zeigt sich eine deutliche Veränderung: Hier stieg der Anteil von Frauen von 1,8 Prozent im Jahr 2018 auf aktuell 4,8 Prozent.

Im gesamten Bauhauptgewerbe liegt der Frauenanteil derzeit bei rund 11 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2001 lag dieser Wert noch bei etwa 9 Prozent. Der vergleichsweise geringe Anteil erklärt sich vor allem durch die Struktur der Branche. Rund 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten in gewerblichen Tätigkeiten, die historisch stark männlich geprägt sind.

Einkommensunterschiede bleiben ein Branchenthema

Neben der Frage nach Nachwuchs und Fachkräftegewinnung bleibt auch das Thema Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in der Bauindustrie relevant. Nach aktuellen Auswertungen verdienen Expertinnen im Baugewerbe im Durchschnitt rund 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

In tarifgebundenen Bauunternehmen gelten jedoch einheitliche Vergütungssysteme, die nicht zwischen Männern und Frauen unterscheiden. Unterschiede entstehen in vielen Fällen durch verschiedene Faktoren wie Arbeitszeitmodelle oder die unterschiedliche Berufserfahrung von Beschäftigten.

Für die Bauindustrie bleibt es dennoch ein erklärtes Ziel, bestehende Einkommensunterschiede weiter zu reduzieren und langfristig gleiche Rahmenbedingungen für alle Beschäftigten zu schaffen.

Perspektiven für die Bauindustrie

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt deutlich: Frauen am Bau sind längst kein Randthema mehr, sondern ein wichtiger Bestandteil der Fachkräftestrategie der Branche. Der steigende Anteil weiblicher Studierender im Bauingenieurwesen und die langsam wachsende Zahl von Frauen in gewerblichen Berufen verdeutlichen, dass sich das Bild der Bauindustrie kontinuierlich verändert.

Für Bauunternehmen, Projektleiter und Entscheider im Bauwesen wird es daher immer wichtiger, diese Entwicklung aktiv zu begleiten. Attraktive Arbeitsbedingungen, transparente Karrierewege und eine gezielte Ansprache von Studierenden können dazu beitragen, das Potenzial weiblicher Fachkräfte im Bauingenieurberuf langfristig stärker zu nutzen.

Damit wird deutlich: Die Zukunft der Bauindustrie wird nicht nur durch Innovationen im Bauprozess geprägt, sondern auch durch eine zunehmend vielfältige Belegschaft auf Baustellen, in Planungsbüros und in den Führungsetagen der Branche.

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