Baugewerbe-EXKLUSIV
Jetzt kommt der schon wieder unvorbereitet!
Vorbereitung ist das halbe Leben. Dieses geflügelte Sprichwort kennt wohl jeder. Trotzdem ist es die Regel, dass Projektbeteiligte unvorbereitet zu Besprechungen kommen.
Dies kommt einer Respektlosigkeit denjenigen gegenüber gleich, die sich vorbereiten und dadurch den Wunsch zeigen, wirkliche Ergebnisse zu erzielen. Wo die Herausforderungen in der Vorbereitung liegen, warum Vorbereitung enorm wichtig ist und wie gezielte Vorbereitung gelingen kann, schauen wir uns gemeinsam in diesem Artikel an.
Warum sich so wenige Menschen vorbereiten
Vorbereitung kostet Zeit. Und gerade in der heutigen schnelllebigen Welt ist Zeit Mangelware. Der eigentliche Grund liegt jedoch tiefer. Den meisten ist sehr wohl mehr als bewusst, dass durch die Vorbereitung auf Besprechungen, Begehungen und Gespräche sehr viel Zeit gespart werden könnte. Diese Zeitersparnis tritt jedoch nur auf, wenn alle relevanten Protagonisten gleichermaßen gut vorbereitet sind. Bedauerlicherweise hat die Erfahrung gelehrt, dass dies meistens nicht der Fall ist. Insofern schwingt unbewusst der Tenor mit: "Warum sollte ich mich vorbereiten, wenn es die anderen auch nicht machen und meine kostbare Zeit dafür opfern? Da mache ich lieber etwas Wichtigeres …" Diese Einstellung führt dazu, dass sich letztendlich keiner mehr vorbereitet und stillschweigend akzeptiert wird, dass die Besprechungen für alle Beteiligten deutlich länger dauern. Dieser Teufelskreis kann jedoch nur durchbrochen werden, wenn ein Beteiligter beginnt, sich vorzubereiten und dies dann auch von den anderen einzufordern.
Warum es wichtig ist, sich auf Begegnungen jeglicher Art vorzubereiten
Egal, ob eine Besprechung in größerer Runde, ein Einzelgespräch mit einem Mitarbeiter oder eine fachliche Diskussion mit einem Kollegen, in allen Fällen ist es respektlos, unvorbereitet zu einem solchen Gespräch zu erscheinen. Die Respektlosigkeit liegt zum einen darin begründet, dass das Gespräch dadurch in die Länge gezogen wird und somit für alle Beteiligten einen Zeitverlust bedeutet. Zum Anderen signalisiert man damit, dass einem das Gespräch nicht wichtig ist. Gerade in persönlichen Gesprächen, vor allem zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:innnen, ist es unverantwortlich, nicht gut vorbereitet zu sein. Hier kann es in solchen Fällen sehr schnell emotional werden und die Beziehung belastet beziehungsweise anhaltend beschädigt werden. Daher ist es unerlässlich, sich im Vorfeld Gedanken über derartige Gespräche zu machen.
Was Vorbereitung noch bedeutet
Es bedeutet nicht nur, sich auf konkrete Situationen vorzubereiten, sondern auch, sich ständig weiterzuentwickeln, um für jegliche erdenkliche Situation im Leben bestmöglich gerüstet zu sein. Seine Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern, die Widerstandsfähigkeit gegen Stress zu erhöhen, eine emotionale Dickhäutigkeit aufzubauen und vieles mehr. Damit ist man gut aufgestellt für allerlei Situationen, die einem im hitzigen Alltag begegnen. Auch diese Art der Vorbereitung kostet Zeit und Bedarf einiger Anstrengung. Allerdings gilt auch hier wieder: Vorbereitung ist das halbe Leben.
Durch die persönliche Weiterentwicklung kann man Unmengen an Zeit sparen, da bislang unbeherrschbare Situationen plötzlich beherrschbar erscheinen und eine gute Lösung viel schneller gefunden wird.
Wie kann man sich sinnvoll vorbereiten?
Für die Vorbereitung auf eine konkrete Situation empfiehlt es sich, sich folgende Fragen zu stellen:
• Welche Rolle spiele ich in dieser Situation?
• Was habe ich konkret zum Thema beizutragen?
• Wie komplex ist der zu behandelnde Sachverhalt?
• Wie steht es um meine zeitlichen Ressourcen?
• Brauche ich für die Vorbereitung andere Menschen beziehungsweise zusätzliche Informationen?
Die Beantwortung dieser Fragen gibt die Intensität der Vorbereitung und den benötigten Vorlauf vor. Man sollte sich immer überlegen, was es für Auswirkungen haben kann, unvorbereitet in die Besprechung oder das Gespräch zu gehen. Dadurch wird klar, ob und wie viel Zeit man sich für die Vorbereitung nehmen sollte.
Für die übergeordnete Vorbereitung fürs Leben ist es zielführend, regelmäßig gute Artikel und Bücher zu lesen, Podcasts und Hörbücher zu hören, sowie gute Seminare zu besuchen. Der Zeitaufwand hierfür wird einem in vielen Situationen im Leben mehr als zurückbezahlt.
Seien Sie also respektvoll mit sich und anderen und bereiten Sie sich gut auf Ihr Leben vor.
Über Site Communications
Stefan Ufertinger ist seit 2021 allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Verdingungswesen, Leiter Bauwirtschaft bei Afry, Lean Construction Manager. Daneben berät er Bauunternehmen in Sachen Kommunikation auf der Baustelle. Seine Vision ist ein Kulturwandel auf dem Bau. Durch die gezielte Weiterentwicklung der einzelnen Projektbeteiligten hat es sich Ufertinger zur Aufgabe gemacht, die gesamte Baubranche von innen nach außen zu "gesunden". "Sozusagen vom Kleinen zum großen Ganzen. Dadurch belebe ich die Begeisterung für das Bauwesen wieder. Dieser neue Spirit führt zu einer Projektabwicklung mit Freude und Leichtigkeit, sowie Ressourcen-, Kosten- und Zeitersparnis. Die Baubranche gewinnt dadurch wieder an Attraktivität und wird zum Konjunktur- und Innovationsmotor", sagt Stefan Ufertinger. Denn er habe selbst früh erfahren, wie fordernd die Arbeit auf der Baustelle sein könne.
Dieser Gastbeitrag erschien zuerst in Ausgabe 07-08_2024













